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McZahn: Ärger beim Zahn-Discounter

"McZahn" vertreibt billige Inlays und Kronen aus China und will in gesamt Deutschland expandieren. Doch es bleibt vorerst beim Wollen - die Widerstände der etablierten Ärzte und Labors sind erheblich, das Franchise-Modell hat seine Tücken.

Von Matthias Lauerer

Ein Netz von über 400 Praxen wollte der Zahn-Discounter bis Ende 2009/Anfang 2010 bundesweit aufbauen. Doch bislang existieren erst zwei Praxen. Eine liegt in der Krefelder Innenstadt, die zweite in Stuttgart. Weitere Niederlassungen, etwa in Berlin, Essen, Fulda, Hamburg, Kalkar, Köln und Palma de Mallorca, sind in Planung. Doch woran liegt es, dass sich die vollmundigen Pläne von "McZahn" nicht so schnell erfüllen wollen?

Kronen sind in China billiger

Denn die Idee ist simpel und verspricht in Zeiten einer "Aldisierung" der Gesellschaft großen Erfolg: Schnell und laut Werbung auch "zum Nulltarif" ist der Zahnersatz bei "McZahn". Wie das funktioniert? Eine Krone, in Deutschland gefertigt, kostet knapp 210 Euro. In China ist sie bereits für 70 Euro zu haben. Eine lohnende Differenz. Vorausgesetzt jedoch, dass der Abdruck passgenau angefertigt wurde und die Krone dem Kunden später professionell eingesetzt wird.

Der Verband Deutscher Zahntechniker-Innungen (VDZI) hegt Zweifel an der Arbeit des Willicher Unternehmens. "Ein Franchiseunternehmen mit diesen Verträgen ist nicht existenzfähig. Und hier wird aus wirtschaftlichen Gründen nicht mehr Befund orientiert verordnet", sieht es VDZI-Präsident Jürgen Schwichtenberg. Und bemängelt weiter: "Wir halten es für schwierig, wenn man alle Zahnersatzleistungen im Ausland einkauft. Denn hier bleibt der Service, wie bei Reparaturen auf der Strecke."

35.000 Euro "Eintrittsgebühr"

Zahnärzte, die trotzdem gewillt sind, Mitglied im Verbund zu werden, müssen zunächst die üppige Eintrittgebühr von 35.000 Euro an den Franchisegeber, die "McZahn AG", zahlen. Dafür erhält der Zahnarzt dann eine sofort beziehbare und komplett eingerichtete Praxis mit bis zu zehn Behandlungsplätzen. Vom erzielten Honorar fließen dann noch weitere 20 bis 45 Prozent an den Franchisegeber.

Doch Aspiranten haben ihre liebe Not, auch die nötige kassenärztliche Zulassung zu erhalten. So scheiterten Ende März 2007 drei Anträge von künftigen "McZahn" Franchisenehmern am Widerstand des Zulassungs-Ausschusses Zahnärzte Nordrhein. In Köln, Düsseldorf und Uerdingen wollten sich die Zahnärzte niederlassen. Doch der Ausschuss, der über die nötige Zulassung für neue Praxen entschied, verweigerte diese zunächst.

Kassenärzte sollen Expansion bremsen

Immerhin gibt es nun Hoffnung für die Praxis in Düsseldorf. Laut "McZahn"-Homepage soll sie nun doch am 1. August eröffnet werden - allerdings erst 2008. Bereits 300 Vorreservierungen lägen hier laut "McZahn" bereits vor. Die baldige Öffnung habe der zuständige Ausschuss Nordrhein in seiner Sitzung vom 18.6.2006 angedeutet. Interessant ist dabei, dass diese Ausschüsse jeweils zu 50 Prozent mit Vertretern der Krankenkassen und Zahnärzten besetzt sind.

Verhindern hier also alte, seit Jahrzehnten gewachsene Strukturen unliebsame Konkurrenz und den freien Wettbewerb? "Ja, Kritik hören wir immer dann, wenn Zahntechniker und Zahnärzte mit im Spiel sind", bestätigte Manfred Brandenbusch, McZahn-Sprecher aus stern.de-Anfrage. Und geht noch weiter: "Unsere Expansion wird durch die kassenärztlichen Vereinigungen verhindert. Wir sind denen ein Dorn im Auge!" Brandenbusch ist sich jedoch sicher, dass es in den "kommenden zwei Monaten noch zu sechs bis acht weitere Praxis-Eröffnungen kommen wird". Der Grund: "Für bestehende Praxen brauchen wir keine Zulassungen."

Nicht jeder Franchise-Nehmer arbeitet korrekt

Doch auch in Ostwestfalen verlief die Expansion nicht ganz so glatt: Dort gab es großen Ärger mit einem Zahnarzt in Bünde. Wer die Praxis in der Eschstraße anruft, der wird zurzeit nicht bedient. Der Grund: Die Praxis arbeitet auf Kosten von "McZahn" mit einem neuen Zahnarzt "alle Altfälle" ab. Altfälle, die der ehemalige Franchisenehmer nur "mangelhaft" erledigt haben soll. Seit Anfang März arbeitet dieser nicht mehr für "McZahn". Die Vorwürfe, die Manfred Brandenbusch dem Zahnarzt macht, sind massiv: "Wir haben 80 Fälle, bei denen er Menschen massenhaft Zähne gezogen hat. Und das ohne genehmigten Heil- und Kostenplan." Zudem schulde er dem Unternehmen noch "70.000 Euro". Dem betroffenen Zahnarzt wurde Mitte März seitens des Unternehmens gekündigt. Heute betreibt dieser in Dortmund eine neue Praxis und war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Vielleicht auch wegen des Ärgers in Bünde soll eine neue Marketing-Aktion das Unternehmens-Image in der Öffentlichkeit wieder verbessern. Ab sofort lässt das Unternehmen drei Patienten pro Quartal kostenlos behandeln. Besonders sozial Benachteiligten will man damit zu Zahnersatz verhelfen.

Erste Konkurrenz durch "Dr. Z"

Doch selbst die gute Idee des Franchisegebers, kostenlosen Zahnersatz aus Fernost anzubieten, blieb nicht lange unentdeckt. Schon drängt ein erster Mitbewerber auf den Markt. In Düsseldorf gründete sich die "Dr. Z GmbH". Seit Oktober 2006 verspricht das Unternehmen "100 Prozent Zahnersatz - 0 Prozent Zuzahlung". Auf Zahnersatz hat man sich hier sogar zu einer vierjährigen Garantie durchgerungen. Bei "McZahn" sind es fünf Jahre. Wenig, wenn man bedenkt, dass dieser Ersatz in der Regel zehn bis 15 Jahren halten sollte. Weiterer Unterscheid: Bei "Dr. Z" sind die Zahnärzte am Unternehmen beteiligt und gehen keinen Franchisevertrag ein. Es gibt ihn also, den Bedarf. Und schon bald wird sich zeigen, wie stark diese Geschäftsidee bestehende Strukturen verändern kann.