MEDIEN Auch Berlusconi an Kirch-Anteilen interessiert


Ein weiterer Silberstreif für die hochverschuldete Kirch-Gruppe: Sie bestätigte Verhandlungen mit dem italienischen Mediaset-Chef über ihre spanische TV-Beteiligung.

Der italienische Medienmogul Berlusconi verschafft der hochverschuldeten Kirch-Gruppe möglicherweise eine weitere Atempause. Kirch-Sprecher Hartmut Schultz bestätigte am Mittwoch Gespräche mit Berlusconis Mediaset über den Verkauf des Kirch-Anteils an dem spanischen TV-Sender Telecinco.

Problemloser Verkauf erwartet

Kirch geht davon aus, dass der Verkauf des Anteils an dem profitablen TV-Sender keine Schwierigkeiten bereiten wird. Der Münchner Medienunternehmer hält 25 Prozent an Telecinco. Berlusconi und Kirch sind seit längerem Geschäftspartner. 1999 war der heutige italienische Ministerpräsident mit 3,19 Prozent bei der KirchMedia eingestiegen.

Gespräche weit gediehen

Laut »Handelsblatt« werden die Gespräche zusammen mit der spanischen Correo-Gruppe geführt, die einen Teil der Aktien übernehmen will. Der Kaufpreis des Kirch-Pakets wird in Bankenkreisen mit 400 bis 500 Millionen Euro veranschlagt. Eine Mediaset-Sprecherin schloss nicht aus, dass die Gespräche kurz vor dem Durchbruch stehen. Mediaset besitzt 40 Prozent an Telecinco.

Deutsche Bank definitiv nicht dabei

Zugleich berichtete die »Financial Times Deutschland«, dass nach dem Milliardenangebot der HypoVereinsbank für Kirchs-Springer-Anteil, auch die Dresdner Bank eine Gegenofferte plant. Das Institut wollte den Bericht nicht kommentieren. In Branchenkreisen wurde allerdings darauf hingewiesen, dass es in der Vergangenheit Irritationen zwischen dem Institut und der Kirch-Gruppe wegen der Verlängerung des Kirch-Kredites gegeben hat. Die Deutsche Bank, einer der größten Kreditgeber Kirchs, wies Gerüchte, wonach sie ebenfalls an dem Springer-Paket interessiert sei, als »absoluten Unsinn« zurück.

Verhandlungen gehen weiter

Die HypoVereinsbank will laut gut informierten Kreisen Kirchs Anteil am Axel-Springer-Verlag für 1,1 Milliarden Euro übernehmen. Mit Rückendeckung der Bank verhandelt Kirch aber weiterhin mit anderen Interessenten über das Paket. Kirch hält 40 Prozent der Aktien am größten deutschen Zeitungsverlag und hat sie für einen 700-Millionen-Euro-Kredit an die Deutsche Bank verpfändet.

Auch Auslandsbanken bekannt

Nach Informationen des »Handelsblatts« sind die Vorstände der Gläubigerbanken am Donnerstag zu einem Treffen eingeladen. Die Institute wollten sich einen Überblick über die tatsächliche Situation bei der Mediengruppe verschaffen. Zu den größten Gläubigern zählt die Commerzbank mit rund 300 Millionen Euro. Bislang wurde in Kreisen der Commerzbank immer betont, dass sie finanziell nicht signifikant engagiert ist. Daneben schuldet die Mediengruppe auch der DZ-Bank etwa 400 Millionen Euro. Die beiden Investment-Banken Lehman Brothers und JP Morgan Chase sind angeblich mit rund 250 und 750 Millionen Euro weitaus stärker engagiert als bisher bekannt. Die Commerzbank wollte den Bericht nicht kommentieren. Kirch ist insgesamt mit fünf bis sechs Milliarden Euro verschuldet.

Huber: Keine Intervention der Staatsregierung

Der bayerische Staatskanzleichef Erwin Huber betonte unterdessen, dass die Staatsregierung bei den aktuellen Finanzproblemen Kirchs nicht aktiv wurde. »An uns ist kein Hilferuf gekommen«, sagte Huber. Wenn die Regierung um Rat gefragt wird, würde sie sich aber nicht verschließen. Sie hat »die große unternehmerische Leistung von Kirch immer geschätzt«. »Aber wir betreiben keine interventionistische Politik«» sagte der CSU-Politiker.


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