Mehdorn Bahn-Börsengang könnte scheitern


Bahn-Chef Hartmut Mehdorn stellt sich auf eine Absage des Börsengangs der Deutschen Bahn ein. "Das ist möglicherweise das Wahrscheinlichste", sagte Mehdorn.

Bahn-Chef Hartmut Mehdorn schließt ein Scheitern des geplanten Börsengangs nicht mehr aus. Er sei skeptisch, ob beim Bund als Eigentümer "die Kraft und der Wille zu einer Entscheidung" vorhanden seien, sagte Mehdorn am Donnerstag in Berlin. Eine Absage sei möglicherweise das wahrscheinlichste", sagte Mehdorn. "Wir geben aber die Hoffnung nicht auf". Mehdorn betonte, in jedem Fall im Amt bleiben zu wollen: "Ich bin kein Handtuchwerfer."

"Für uns wäre es sehr misslich, wenn wir fünf Meter vor dem Ziel abgewunken würden", sagte Mehdorn. Für den Fall, dass der Bund sich nicht zu Gunsten eines Börsengangs entscheide, müsse eine neue "Vorwärtsstrategie" für den bundeseigenen Konzern formuliert werden.

Streit um Modalitäten des Börsengangs

Die wiederholten Verschiebungen der politischen Entscheidung seien schädlich und sorgten für Verunsicherung auch bei den Beschäftigten. Im Ringen um die Form eines Börsengangs wollen Fachleute von Union und SPD am 8. November erneut zusammenkommen. Wegen des Streits, welchen Einfluss die Bahn auf das Netz behalten soll, hatten auch Koalitionskreise ein Scheitern der Pläne nicht ausgeschlossen.

Im Kern streiten Experten - auch innerhalb der großen Koalition - darüber, ob das Staatsunternehmen mit oder ohne Schienennetz privatisiert werden soll. Bahnchef Mehdorn will wie Tiefensee und Teile der SPD die Bahn mit Schienennetz privatisieren. Die Union ist für eine Trennung dieses Bereichs vom Konzern. Sie fürchtet andernfalls einen zu geringen staatlichen Einfluss auf den Ausbau des Netzes sowie eine Diskriminierung von Wettbewerbern.

Mehdorn will zwei Miliarden Euro

Mehdorn hatte in dem Brief an Merkel geschrieben, sein Unternehmen brauche im Falle der Absage des Börsengangs zwei Milliarden Euro vom Eigentümer, also dem Staat. Der Vorstandschef des hochverschuldeten Konzerns sagte, das Geld brauche er etwa für den Ausbau einer europäischen ICE-Flotte. Er verwies auf die anstehende Öffnung der Märkte in Europa, die zu einem harten Konkurrenzkampf führen werde.

In jedem Fall werde der Konzern sich neue Ziele setzen müssen und könne die bisherige Strategie so nicht mehr verfolgen. Für das nächste Jahr betonte Mehdorn aber, dass das Konzernergebnis sich erneut verbessern werde.

DPA/Reuters DPA Reuters

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