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Messen: Kaum Frühlingsstimmung auf Genfer Autosalon

Automobilmessen präsentieren sich meist als optimistische Show PS-beflügelter Lebensfreude. Doch auf dem Genfer Autosalon ist die die Stimmung hinter den Kulissen verhalten: es wird ein schweres Jahr erwartet.

Das europäische Automobiljahr startet traditionell mit der Hoffnung auf einen lebhaften Autofrühling am Genfer See. Doch auf dem Genfer Autosalon (6.-16. März) dürfte in diesem Jahr die Stimmung hinter den Kulissen eher verhalten sein. Denn auf die Branche kommt ein weiteres schweres Jahr zu. Schwer wiegt auch die Irak-Krise, die zusätzlich für Verunsicherung bei den Automobilproduzenten sorgt.

2003 im Rückwärtsgang

«Trotz hoher Investitionen in attraktive neue Modelle wird die Autoindustrie in Europa im Jahr 2003 im Rückwärtsgang fahren», glaubt Ferdinand Dudenhöffer vom Prognose-Institut AutoFuture. Der deutsche Automarkt werde dabei in tiefer Rezession verharren und sein tiefstes Niveau seit der Wiedervereinigung erreichen. Die Zahl der Neuzulassungen werde um 1,0 Prozent auf 3,22 Millionen sinken. Dabei geht Dudenhöffer davon aus, dass die umstrittene Erhöhung der Dienstwagen-Steuer nicht kommt.

Kaum Lust auf Autokauf

Mit Rabatten, Niedrigst-Finanzierungen und neuen Modellen versuchen sich die Hersteller gegen die Branchenflaute zu stemmen. Doch die schwache Konjunktur, die hohen Benzinpreise und der drohende Irak-Krieg nehmen die Lust am Autokauf. Im Januar gingen die Neuzulassungen in Deutschland noch einmal um 2,7 Prozent zurück. In Westeuropa betrug das Minus sogar 7,0 Prozent. Nach Einschätzung der Analysten der HypoVereinsbank war die Entwicklung auch so schwach, weil viele Händler im Dezember mit Sonderaktionen die Bilanz aufpolierten. Im Januar konnte dieser Vorzieheffekt dann nicht mehr ausgeglichen werden.

Erst 2004 soll's besser werden

Autoexperte Dudenhöffer macht den Unternehmen immerhin etwas Mut. 2004 wird die Zahl der Neuzulassungen in Deutschland nach seiner Prognose wieder spürbar auf 3,45 Millionen anziehen. Der Autosalon kann da schon mal einen Vorgeschmack geben. Viele hier vorgestellte Neuheiten werden erst 2004 ihre segensreiche Wirkung in den Bilanzen entfalten. Zu sehen gibt es nicht nur exotische Studien oder PS-Boliden wie den Porsche Carrera GT oder den Lamborghini Gallardo, mit dem Audi den Absatz bei seiner Sportwagen-Tochter in eine neue Dimension heben will. Auch die für die Hersteller wichtigen Volumenmodelle stehen diesmal in Genf im Mittelpunkt.

Vorgeschmack auf neue Modelle

So gibt Opel mit einer Studie eine Vorstellung davon, wie der neue Astra aussehen soll. Volkswagen zeigt den lang erwarteten Touran, Audi den neuen A3. Der angeschlagene Fiat-Konzern will seine Stärke im Kleinwagensegment mit dem Fiat New Small und dem Lancia Ypsilon unter Beweis stellen. Renault bringt den Scenic an den Genfer See. Die deutschen Hersteller halten sich in diesem Jahr in Genf allerdings insoweit zurück, als sie Modellhighlights und Hoffnungsträger wie den neuen VW-Golf, den Astra oder auch den Supersportwagen Mercedes-SLR erst im September auf der IAA in Frankfurt zeigen werden.

BMW will sich abkoppeln

Die Premiumhersteller DaimlerChrysler, BMW und Audi wollen sich von der matten Branchenkonjunktur abkoppeln. Wichtigster Baustein bei BMW ist dabei der neue 5er, der in der zweiten Jahreshälfte auf den Markt kommt. Mit einem Schlussspurt im zweiten Halbjahr, zu dem auch der neue 6er und der Z4 beitragen sollen, will BMW auch 2003 einen weiteren Absatzrekord einfahren. Mercedes präsentiert das neue CLK Cabriolet und will mit der nun voll verfügbaren Modellpalette der E-Klasse an die Rekordzahlen des Jahres 2003 anknüpfen.

Stabilisierung der politischen Lage nötig

Die VW-Tochter Audi hofft auf eine spezielle «Audi-Konjunktur» und will mit einer neuen Studie in Genf für ähnlich viel Aufsehen sorgen wie zu Jahresanfang mit dem Geländewagen-Riesen Pikes Peak in Detroit. Allerdings schränken alle Unternehmen ein: Voraussetzung für die ehrgeizigen Wachstumsziele ist eine Stabilisierung der weltpolitischen Lage. Auf dem 73. Internationalen Automobil-Salon in Genf präsentieren in diesem Jahr 265 Aussteller aus 30 Staaten ihre neuesten Entwicklungen. Bei Personenwagen soll es 70 Welt- oder Europapremieren geben. Die Veranstalter rechnen mit 700.000 Besuchern.