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Millionärsmesse: Sklavenmarkt und Blattgold-Zigarre

Ein Luxus-Basar für die Superreichen: Zum ersten Mal findet die Millionärsmesse in Deutschland statt. Drei Tage geben sich die Schönen und Reichen in München ein Stelldichein - Kritiker wollen die Messe mit Protesten stören.

Von Rudolf Stumberger

Zigarren mit Blattgold für 200 Euro das Stück, eine mit 550 Diamanten besetzte Tagesdecke für 300.000 Euro oder eine Villa für ein paar Millionen - am Donnerstagabend eröffnet in München die "Millionaire Fair" für drei Tage ihre Pforten. Zum ersten Mal in Deutschland, zuvor konnten sich die Begüterten dieser Welt bereits 16 Mal auf Messen in Moskau, Amsterdam oder Shanghai mit Luxusartikeln eindecken. Die Veranstalter rechnen mit rund 20.000 Besuchern, die Interesse an den Luxusartikeln haben - trotz der Finanzkrise. Und man könne dort nicht nur "schöne und reiche Menschen" sehen, sondern auch diverse Prominente.

Gegründet wurde die "Millionaire Fair" 2002 von dem holländischen Verleger Yves Gijrath, der drei Luxuszeitschriften herausgibt. Die weißblaue Landeshauptstadt wurde ausgewählt, so der Messeveranstalter, weil hier viele Reiche und Prominente leben. So erwartet man zum Beispiel die Schauspieler Till Schweiger und Gudrun Landgrebe sowie den Ex-Bayern Spieler Oliver Kahn in dem "Einkaufsparadies für wahre Genussmenschen", wie es in der Werbung heißt.

Kaviar im Messe-Restaurant

Auf 16.000 Quadratmetern werden über 100 Aussteller ihre Luxusprodukte präsentieren. Die Palette reicht dabei vom "hochwertigsten Dirndl-Unikat" für 2000 Euro über das Reisemobil mit integriertem Kleinwagen für 800.000 Euro bis zum Luxusboot im Millionenbereich. Dazwischen all die Kleinigkeiten, die den Reichtum erträglich machen: Eine Firma bietet Sicherheitsglas an, eine Klinik Schönheitsoperationen und natürlich dürfen Nobelkarossen wie Lamborghini nicht fehlen. Doch auch über den Butlernachwuchs kann man sich informieren. Dass im Messe-Restaurant Kaviar serviert wird, erscheint nur angemessen. Ein angemessenes Outfit wird von den Besuchern erwartet: Smoking für die Eröffnungs-Veranstaltung, ansonsten "sportlich-elegant". 39 Euro kostet der Eintritt, 250 Euro die Teilnahme an der Eröffnungsshow am Donnerstagabend.

"Obszön", nennt hingegen Paul Kleiser, der Sprecher des Münchner Sozialforums, die Veranstaltung. "Während die Zahl der Hungernden in der Welt einen neuen Höchststand erreicht, feiern diese Leute ihren Reichtum." Die Organisation will zusammen mit den Globalisierungsgegnern von Attac die Eröffnung der Messe stören. Dafür haben sie sich ein buntes Programm ausgedacht: Auf einem "Sklavenmarkt" in der Nähe der Messe sollen Arbeitnehmer "versteigert" werden. "Damit wollen wir zeigen, dass sich die Menschen heute für billiges Geld verkaufen müssen. Die Schere bei der Lohnsituation geht auseinander, die Reichen werden reicher, die Armen ärmer", sagt Kleiser. Außerdem geplant: Ein Ganovenpärchen ("Peer und Angela") wird Passanten ausrauben, um die "Party der Reichen zu finanzieren, der Attac-Chor wird seine Stimme gegen Rationalisierung erheben. Eine "Clowns-Armee", die schon bei den Protesten gegen die "Münchner Sicherheitskonferenz" und beim G8-Gipfel in Heiligendamm dabei war, soll "den Millionären in der schweren Stunde dieser Proteste zur Seite stehen".

Millionärsmesse am Welternährungstag

Dass die Millionärsmesse ausgerechnet am Welternährungstag, auch Welthungertag genannt, eröffnet wird, erbost die Globalisierungsgegner besonders: "Ein Bruchteil der Milliarden, die nun das Finanzsystem retten sollen, würde genügen, Millionen Menschen zu retten." Seine Aktionen gegen die Millionärsmesse versteht das Sozialforum auch als Protest gegen die "Sozialisierung der Verluste" in der gegenwärtigen Krise, während die Gewinne privat eingesteckt würden.

Den angekündigten Protesten sieht der Geschäftsführer des Messe Veranstalters, Klaas Obma, gelassen entgegen. Holländer seien nun mal tolerant, es stehe jedem frei, zu protestieren: "Ich stelle mich gern einer Diskussion." Man biete doch nur den Ausstellern eine Möglichkeit, ihre Produkte zu präsentieren und zu verkaufen, das schaffe Arbeitsplätze und Steuereinnahmen: "Wir sind nicht schuld an der Krise." Und außerdem: "Was sollen Kunden, die viel Geld haben, denn damit machen?

Dass die Finanzkrise sich auf die Käuferlaune drückt, glaubt Klaas Obma nicht. Der 60-jährige Holländer, der früher bei der TV-Produktionsfirma Endemol beschäftigt war, sieht vielmehr eine Tendenz hin zu soliden Werten. Der Finanzcrash sei durch Spekulation und durch heiße Luft ausgelöst worden. Hier aber gehe es um das Gegenteil: "Wir vermitteln den Kunden Werte, die beständig sind. Hochwertige Produkte behalten ihren Wert."