HOME

Mobilfunkriese: Freenet kauft Debitel

19 Millionen Kunden und 1000 Vertriebsfilialen: In Deutschland entsteht eine neue Nummer drei auf dem Mobilfunkmarkt. Der Aufsichtsrat der Freenet AG gab grünes Licht für die Übernahme des größeren Konkurrenten Debitel - gegen den Willen zweier Großaktionäre.

Der Aufsichtsrat des Telekommunikations-Dienstleisters Freenet hat die Übernahme des größeren Konkurrenten Debitel abgesegnet. Die Stuttgarter Gruppe soll inklusive Schulden für insgesamt 1,63 Milliarden Euro vom Finanzinvestor Permira erworben werden, wie Freenet nach einer Aufsichtsratssitzung in Hamburg mitteilte. Permira soll im Gegenzug eine Beteiligung von 25 Prozent an Freenet erhalten. Das in London ansässige Private-Equity-Unternehmen wird damit größter Einzelaktionär vor United Internet und Drillisch, die ihrerseits eine Übernahme von Freenet geplant haben. Die Kartellbehörden müssen dem Kauf von Debitel noch zustimmen.

Das neue Unternehmen wäre mit rund 19 Millionen Kunden und mehr als 1000 Vertriebsfilialen die neue Nummer drei im deutschen Mobilfunkmarkt nach T-Mobile und Vodafone D2. Freenet und Debitel haben allerdings kein eigenes Netz. Freenet-Chef Eckhard Spoerr verspricht sich von der Verschmelzung mit Debitel bessere Wachstumschancen im hart umkämpften Mobilfunk-Markt. Er wird entgegen früheren Spekulationen Vorstandschef bleiben. Debitel-Chef Oliver Steil soll wie auch Finanzvorstand Joachim Preisig in den Vorstand von Freenet einziehen.

Widerstand der Großaktionäre

Die Übernahme stößt auf heftigen Widerstand. Die Großaktionäre United Internet und Drillisch sprachen sich in einem an die Freenet-Führung verschickten Brief erneut vehement gegen den Kauf von Debitel aus und stellten ihrerseits ein Kaufangebot in Aussicht. "Die Abgabe eines Übernahmeangebotes würde selbstverständlich voraussetzen, dass die Debitel-Transaktion nicht durchgeführt wird", heißt es in dem der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX vorliegendem Schreiben. Freenet-Chef Spoerr lehnt einen Kauf durch United Internet und Drillisch ab, die über eine Holding 25,2 Prozent des norddeutschen Unternehmens kontrollieren. Um den Übernahmeversuch abzuwehren, stellte er vor knapp einem Monat die Weichen für einen Erwerb von Debitel. Durch die Ausgabe neuer Aktien an Permira wird der Freenet-Anteil von United Internet und Drillisch sinken.

Der Internet-Konzern United Internet (Web.de, 1&1, GMX) und der Mobilfunk-Provider Drillisch wollen Freenet übernehmen und zerschlagen, wobei sich United Internet für das DSL- und Portalgeschäft interessiert und Drillisch für den Mobilfunk-Teil.

DPA/AP / AP / DPA