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Mögliche Autoallianz: Porsche bändelt mit Daimler an

Auf der Suche nach einer Kapitalspritze könnte der angeschlagene Sportwagenhersteller Porsche eine naheliegende Lösung finden. Offenbar gibt es Gespräche mit dem zweiten Stuttgarter Autobauer von Weltrang. Daimler-Chef Dieter Zetsche soll mit Wendelin Wiedeking, seinem Pendant bei Porsche, entsprechende Szenarien diskutiert haben.

Von Heimo Fischer und Gerrit Wiesmann

Gespräche über einen Einstieg von Daimler bei Porsche haben die Autobranche in Aufregung versetzt. Industriekreise bestätigten der "Financial Times Deutschland" (FTD), dass die Konzernchefs Dieter Zetsche und Wendelin Wiedeking entsprechende Szenarien erörtert haben. Ein Daimler-Sprecher reagierte ausweichend: "Spekulationen kommentieren wir nicht." Er räumte aber ein: "In der Branche spricht jeder mit jedem." Porsche und VW wollten sich nicht äußern.

Die Verhandlungen bringen eine neue Dynamik in Porsches Suche nach frischem Kapital. Der Sportwagenbauer hatte sich bei dem Versuch verhoben, die Mehrheit an VW zu kaufen - und ist nun hoch verschuldet. Als Geldgeber ist bislang nur das Emirat Katar in Sicht. Die Verhandlungen laufen noch. Der Plan wird von VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch torpediert. Der Porsche-Miteigentümer will das Unternehmen lieber in den VW-Konzern integrieren.

Die Chefs von Daimler und Porsche hätten bereits im Mai die Aussichten einer Allianz diskutiert, berichtete das "Manager Magazin". Die Gespräche befänden sich in einem fortgeschrittenem Stadium. Auch die Übernahme von Porsches Optionen auf VW-Aktien sei denkbar.

Porsche besitzt 51 Prozent an Volkswagen und hat das Recht, diesen Anteil über Kaufoptionen um mehr als 20 Prozent aufzustocken. Im Moment fehlt dafür jedoch das Geld. Ein Investor könnte diese Optionen als Grundlage für eine Sperrminorität bei den Wolfsburgern verwenden.

Szenario für beide strategisch interessant

Eine direkte Beteiligung an Porsche ergibt für Daimler industriell wenig Sinn. Dagegen könnte eine VW-Beteiligung Zugriff auf die Wolfsburger Technologie ermöglichen. VW hat mehr Erfahrung mit umweltfreundlichen Motoren für kleinere Fahrzeuge. Für Daimler werden kleine und mittelgroße Autos wie der Smart, die A- und die B-Klasse immer wichtiger.

Zudem ist das Szenario einer Allianz für Porsche wie für Daimler strategisch interessant. Der Sportwagenkonzern kann in den komplizierten Gesprächen mit Katar auf einen alternativen Investor verweisen. Und Daimler erhält ein Druckmittel im Ringen mit dem Rivalen BMW. Beide Konzerne planen eine engere Zusammenarbeit, kommen aber bei den Verhandlungen nicht voran.

Völlig unklar ist aber, ob Daimler einen Anteil an Porsche oder VW bezahlen könnte. Die Kassen der Stuttgarter sind leer, derzeit läuft ein milliardenschweres Sparprogramm. Im März war die Finanzlage so ernst, dass Daimler neun Prozent des Konzerns für zwei Milliarden Euro an Abu Dhabi verkaufte. Porsche plant eine Kapitalerhöhung von fünf Milliarden Euro, die nur zum Teil von den Eignerfamilien getragen werden soll. Etwa die Hälfte könnte von einem externen Investor kommen.

Porsche ohne Chance auf Staatsgelder

Auf Staatshilfe kann Porsche wohl nicht bauen: Die staatliche Förderbank KfW lehnte am Freitag den Antrag des Unternehmens auf einen Kredit von 1,75 Milliarden Euro vorläufig ab. Regierungskreisen zufolge haben sich Kanzleramt, Finanz- und Wirtschaftsministerium informell darauf verständigt, Porsche die Hilfe zu verweigern.

Katar will nach Informationen der FTD über 25 Prozent an Porsche übernehmen. Das Magazin "Focus" berichtete, das Emirat strebe 29,9 Prozent an. Nach der Satzung von Porsche haben Aktionäre ab 30 Prozent eine Sperrminorität. Sie können aber schon ab 25 Prozent die Wahl von Aufsichtsratsmitgliedern blockieren.

Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) traf sich am Wochenende mit einer Delegation des Emirats Katar. Niedersachsen ist Großaktionär bei VW und hat ein Vetorecht bei wichtigen Entscheidungen.

Schulden belasten gut laufendes Geschäft

Obwohl Porsche ein Schuldenproblem hat, läuft das operative Geschäft besser als bei der Konkurrenz. Zwischen August und April brachen Umsatz und Absatz um mehr als ein Viertel ein. Die Umsatzrendite lag aber nach Auskunft eines Sprechers knapp unter zehn Prozent. "Damit steht Porsche wesentlich besser da als Daimler oder BMW, die derzeit Verluste schreiben", sagte Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler.

FTD
  • Heimo Fischer