n-tv-Übernahme RTL im Visier des Kartellamts


Nach dem Springer-Konzern bekommt jetzt auch Europas größter Medienkonzern Bertelsmann Probleme mit dem Bundeskartellamt. Die Wettbewerbshüter wollen RTL die komplette Übernahme von n-tv untersagen.

Als das Bundeskartellamt die Übernahme des TV- Konzerns ProSiebenSat.1 durch den Axel-Springer-Verlag untersagte, ging es um ein Milliardengeschäft. Diverse Nummern kleiner ist die Transaktion beim Konkurrenten RTL, die das Kartellamt jetzt ebenfalls verbieten will. RTL möchte seinen 50-Prozent-Anteil am Nachrichtensender n-tv auf 100 Prozent erhöhen und dazu die bisher von CNN/Time Warner gehaltene Hälfte übernehmen. Dabei geht es um Zuschaueranteile, die deutlich unter einem Prozent liegen, und trotzdem wollen die Wettbewerbshüter diese minimale Verschiebung auf dem TV-Werbemarkt nicht tolerieren.

Auf den ersten Blick erscheint es unverständlich oder gar widersinnig, dass einer der großen Unternehmensgruppen im Medienbereich etwas verboten wird, das der jeweils anderen erlaubt ist. So gehört dem Medienkonzern Bertelsmann sowohl der Zeitschriftenverlag Gruner + Jahr als auch die TV-Gruppe RTL Group. Dem Zeitungs- und Zeitschriftenverlag Axel Springer AG dagegen wurde der Erwerb der mit RTL konkurrierenden ProSiebenSat.1 Media AG untersagt. Auf der anderen Seite gehört zu ProSiebenSat.1 der Nachrichtensender N24 als hundertprozentige Tochter, während RTL jetzt der vollständige Erwerb von n-tv verboten wird.

Das Kartellamt spricht von einem marktbeherrschenden Duopol

Durch keine der beiden geplanten Übernahmen hätte sich etwas daran geändert, dass der private Fernsehmarkt in Deutschland von den beiden großen Senderfamilien RTL und ProSiebenSat.1 dominiert wird. Das Kartellamt spricht von einem marktbeherrschenden Duopol. Bei jedem Geschäft aber, das diese Marktbeherrschung festigt oder verstärkt, fordert das Kartellrecht ein Einschreiten der Aufsichtsbehörde. Und, wie die Abmahnung des Kartellamts in Sachen n-tv deutlich macht, ist es dabei egal, ob die dominierende Stellung auf dem TV-Werbemarkt in Richtung Printmedien ausgedehnt wird oder innerhalb eines kleinen Spartensenders.

Den Werbemarkt der Nachrichtensender teilen sich n-tv und N24. Der dritte Kanal, Phoenix, wird als öffentlich-rechtlicher Dokumentationssender von ARD und ZDF gemeinsam betrieben und ist werbefrei. Im vergangenen Jahr erreichte jeder der drei Sender einen durchschnittlichen täglichen Zuschaueranteil von etwa 0,6 Prozent. Außerdem hat die Fernsehforschung ermittelt, dass pro Tag 5,34 Millionen Zuschauer irgendwann einmal n-tv einschalten, bei N24 sind es 4,83 Millionen und bei Phoenix 3,81 Millionen. Im Unterschied zu den beiden Privatsendern wird Phoenix aus den Rundfunkgebühren finanziert: Der Sender erhält 7,15 Cent im Monat pro Gebührenhaushalt, der Jahresetat umfasst rund 30 Millionen Euro.

DPA/AP AP DPA

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