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Nach milliardenschweren Einsparungen: Aktienmarkt belohnt Gewinnschub bei Siemens

Die Siemens-Aktien profitierten von guten Quartalszahlen und waren mit plus 0,97 Prozent unter den gefragtesten Werten im Dax. Als Ursache für den Gewinnschub werden die Hilfen aus staatlichen Konjukturprogrammen sowie der rigide Sparkurs des Unternehmens gewertet.

Der Elektrokonzern Siemens steckt sich nach einem Gewinnschub im zweiten Quartal höhere Ziele für das laufende Geschäftsjahr. In den drei Sektoren Industrie, Energie und Medizintechnik will das Unternehmen 2009/10 (30. September) jetzt ein operatives Ergebnis über dem Vorjahreswert von 7,5 Milliarden Euro erreichen, statt der bisher angepeilten 6 bis 6,5 Milliarden Euro. "Siemens steht heute auf einer sehr starken operativen Basis, von der aus wir unsere Marktposition weiter verbessern werden", erklärte Konzernchef Peter Löscher am Donnerstag in München. Allerdings sieht er auch weitere konjunkturelle Risiken.

"In wichtigen Absatzmärkten sehen wir Zeichen einer Erholung", sagte Löscher. "Es bleiben aber Risiken, darunter die angespannte Lage der Haushalte einiger Staaten oder auch die weltweit gestiegene Arbeitslosigkeit." Insgesamt scheine sich die Lage der Weltwirtschaft auf einem niedrigeren Niveau als vor der Krise zu stabilisieren.

In schnell anspringenden Geschäften wie beim Licht-Spezialisten Osram oder in der Industrieautomatisierung zieht die Nachfrage für Siemens bereits wieder an und erholt sich damit schneller als erwartet. "Die meisten Divisionen konnten mehr Aufträge gewinnen als zuletzt", sagte Löscher mit Blick auf das zweite Quartal. Dagegen fehlen vor allem im langfristig angelegten Kraftwerksgeschäft noch die Aufträge. Auch in der zweiten Hälfte des Geschäftsjahres dürfte das Marktumfeld für solche Projekte herausfordernd bleiben, erklärte das Unternehmen.

Zwischen Januar und März kletterte das operative Ergebnis des Konzerns im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 16 Prozent auf 2,1 Milliarden Euro. Unter dem Strich sprang der Gewinn auch dank milliardenschwerer Einsparungen in Vertrieb und Verwaltung um rund die Hälfte auf 1,5 Milliarden Euro. Der Umsatz ging dagegen um vier Prozent auf 18,2 Milliarden Euro zurück. Auch beim Auftragseingang spürte Siemens im zweiten Quartal noch die Auswirkungen der Krise, er lag mit 17,8 Milliarden Euro um 14 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Damals hatte Siemens allerdings Großaufträge im Kraftwerks- und Bahntechnik-Geschäft in die Bücher genommen.

In allen drei Sektoren konnte der Konzern das Ergebnis im zweiten Quartal verbessern. Dagegen blieb der Bestelleingang im Industrie- Sektor um neun Prozent und im Energie-Sektor sogar um 26 Prozent hinter dem Vorjahresniveau zurück. Der Umsatz wiederum gab in allen drei Geschäftsfeldern etwas nach. Auch für das Gesamtjahr stellt sich das Unternehmen weiter auf einen Erlösrückgang im mittleren einstelligen Prozentbereich ein. Zuletzt belief sich der Konzernumsatz auf 76,7 Milliarden Euro.

Die Siemens-Aktien profitierten von den guten Quartalszahlen und waren am Donnerstagvormittag mit plus 0,97 Prozent auf 72,68 Euro unter den gefragtesten Werten im Dax.

Für Diskussionsstoff sorgt derzeit der angekündigte Abbau von insgesamt mehr als 6000 Stellen im Industriegeschäft und beim Siemens-IT-Dienstleister SIS. Beschäftigte des Unternehmens hatten gegen die Pläne am Vortag vor der Konzernzentrale in der Münchner Innenstadt protestiert. Löscher hob aber hervor, dass sich die Mitarbeiterzahl des Konzerns in den vergangenen zweieinhalb Jahren stabilisiert habe. "Zwischen Ende 2007 und heute stieg die Mitarbeiterzahl weltweit um 4000", sagte der Siemens-Chef. Der Konzern beschäftigte zuletzt weltweit 402 000 Mitarbeiter.

DPA, Reuters / DPA / Reuters