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Nach Milliardenverlust in Österreich: BayernLB-Chef Michael Kemmer tritt zurück

Das Milliardendebakel durch die österreichische BayernLB-Tochter Hypo Alpe Adria hat enorme finanzielle und politische Ausmaße angenommen. Deswegen räumt Landesbank-Chef Michael Kemmer nun seinen Stuhl.

Nach dem Milliardendebakel der BayernLB in Österreich räumt Landesbank-Chef Michael Kemmer seinen Posten. Kemmer stelle sein Amt zur Verfügung, bestätigte die bayerische Staatskanzlei am Montagabend nach einer Sondersitzung des Kabinetts in München. Der BayernLB-Chef zieht damit die Konsequenzen aus der Verstaatlichung der österreichischen BayernLB-Tochter Hypo Group Alpe Adria (HGAA). Das Problem-Engagement in Österreich kostet die bayerischen Steuerzahler nach Angaben der bayerischen Staatsregierung mehr als 3,7 Milliarden Euro.

Kemmers Nachfolge soll der stellvertretende Vorstandschef Stefan Ermisch übernehmen, er trete den Posten am Dienstag an, erklärte die Bayern LB. Der 43-Jährige ist seit Juli 2008 im Vorstand des Bankhauses. Nach Angaben der Bayerischen Staatskanzlei übernimmt Ermisch das Amt kommissarisch bis zur Neubesetzung. Außerdem scheide der Amtschef des Verwaltungsrats, Klaus Weigert, auf eigenen Wunsch aus dem Verwaltungsrat der Bayern LB aus.

Vorangegangen war eine kurzfristig einberufene Kabinettssitzung in der Staatskanzlei. Ministerpräsident Horst Seehofer, Finanzminister Georg Fahrenschon (beide CSU) und Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) wollten sich noch am Abend in einer gemeinsamen Pressekonferenz zu der Entwicklung um die BayernLB äußern.

In seiner kurzen Zeit an der Spitze der BayernLB stand Michael Kemmer schon einmal vor dem Rauswurf. Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) war sauer auf ihn, weil er sich im Oktober 2008 über die Belastungen der Bank falsch informiert gefühlt hatte. Kemmers Rücktritt galt damals als besiegelte Sache. Aber die Mitarbeiter der BayernLB kämpften um ihren Chef und protestierten in einer beispiellosen Aktion gegen die bayerische Staatsregierung. Die Bilder von dem übernächtigten, aber glücklich lächelnden Bankchef inmitten der Belegschaft gehörten zu den ungewöhnlichsten Szenen des Finanzjahres 2008.

Nochmals dürften die BayernLB-Beschäftigten für den Chef kaum auf die Straße gehen. Denn der 52-jährige Zwei-Meter-Mann Kemmer schwenkte zur Rettung der Bank in den vergangenen Monaten auf einen harten Sanierungskurs ein, dem 5600 Arbeitsplätze zum Opfer fallen; zahlreichen BayernLB-Mitarbeitern werden die Pensionsansprüche gekürzt. Die Stimmung in der BayernLB-Zentrale rutschte in den Keller, als vor wenigen Wochen die neuen Probleme durch die österreichische Tochter bekannt wurden. Dabei hatte Kemmer erst im Sommer Befürchtungen vor weiteren Milliardenrisiken zurückgewiesen.

Kemmer sollte sich auf diesem Gebiet eigentlich auskennen: Mehrere Jahre lang war der gebürtige Nördlinger bei der HypoVereinsbank Vorstand für Risikomanagement. Als die HVB 2005 von der italienischen Großbank UniCredit übernommen wurde, bekam er das Angebot, das Risiko-Management der Bank in Mailand zu verantworten. Doch angeblich wegen des schwierigen Klimas und der Ausgestaltung seines Aufgabenbereiches blieb er lieber in München. Im Juni 2006 trat er dann bei der BayernLB an. Als sein Vorgänger Werner Schmidt über eine Informationspanne stürzte, übernahm er am 1. März 2008 den Chefposten bei der BayernLB.

DPA / DPA