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Neue Abwertung durch S&P: Ratingagentur sieht schwarz für Griechenland

Die Entwicklung des schwer verschuldeten Griechenlands wird auch nach dem Gifpel in Brüssel von den Ratingagenturen negativ gesehen. Standard & Poor's senkte die Bonitätsberwertung erneut um zwei Stufen herab. Bei einem "Investitionsgifpel" in Berlin wurden keine konkreten vorhaben angestoßen.

Während ein Gipfelgespräch von Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) und Spitzen deutscher Wirtschaftsverbände zur Krise in Griechenland in Berlin ohne konkrete Ergebnisse zu Ende gegangen ist, hat die US-Ratingagentur Standard & Poor's die Bonitätsbewertung für das hoch verschuldete Griechenland um zwei weitere Stufen gesenkt. Nach zuvor "CCC" lautet die neue Bewertung für das Eurozonenland nun "CC", wie es in einer am Mittwoch veröffentlichten Mitteilung heißt. Die S&P-Definition für "CC" lautet "currently highly vulnerable" (auf Deutsch: "aktuell sehr gefährdet").

Unterhalb dieses Ratings liegen nur noch die Stufen "C" und "D", die für Zahlungsausfall steht. Den Ausblick für die Kreditwürdigkeit Griechenlands bewertete S&P am Mittwoch erneut mit "negativ". Damit drohen dem Land weitere Abstufungen.

Negative Entwicklung auch in Zypern

Die Ratingagentur Fitch hatte bereits in der vergangenen Woche angekündigt, kurzfristig sogar einen teilweisen Ausfall griechischer Staatsanleihen feststellen zu wollen. Hintergrund ist die auf dem Euro-Sondergipfel beschlossene Beteiligung privater Gläubiger an der Griechenland-Rettung: Man werde deshalb kurzfristig von einem "beschränkten Kreditausfall" ("Restricted Default") ausgehen, erklärte Fitch. Nach der Abwicklung des geplanten Anleihentauschs werde das Rating "Beschränkter Kreditausfall" aufgehoben und die Bewertung der griechischen Kredite wieder verbessert.

Am Morgen hatte zudem die Ratingagentur Moody's die Kreditbewertung für Zypern gesenkt. Nach zuvor "A2" lautet das neue Rating für die Mittelmeerinsel nun "Baa1". Den Ausblick hatte Moody's ebenfalls auf "negativ" gesetzt. Als Begründung hatte Moody's anhaltende Zweifel an der weiteren Entwicklung der Steuereinnahmen genannt.

Brauchen kein zusätzliches Geld

Beim Griechenlandgipfel in Berlin machten Bundesregierung und Wirtschaft deutlich, Griechenland bei der Modernisierung helfen zu wollen, zusätzliche Milliarden sollen aber nicht locker gemacht werden. Wirtschaftsminister Rösler sagte am Mittwoch nach dem Treffen, die Investitionsbedingungen in dem Euro-Krisenland müssten sich rasch verbessern. Dabei gehe es aber nicht um neue Risiken für die deutschen Steuerzahler. "Wir brauchen kein zusätzliches Geld."

Auch die mehr als 20 Wirtschaftsverbände machten bei dem sogenannten "Investitionsgipfel" keine konkreten Zusagen. Sie wollen Athen vor allem mit Expertenrat auf dem Weg zu modernen Wirtschaftsstrukturen helfen. Rösler sagte, langfristig interessant für deutsche Firmen seien unter anderem Wind- und Solarparks, Telekomprojekte oder der Bau von Straßen in Griechenland. Bislang würden ausländische Investitionen aber oft durch undurchsichtige Bürokratie, monopolartige Strukturen in vielen Branchen und Probleme bei der Finanzierung verhindert. So sieht es auch der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI). Genehmigungsverfahren seien zu umständlich, Verträge und Zusagen oft unsicher: "Das schreckt Investoren ab", sagte BDI-Manager Stefan Mair.

Verwaltung Athens rasch modernisieren

Mit deutscher Unterstützung soll die Athener Verwaltung möglichst schnell modernisiert werden. Hier wollen Wirtschaftsministerium, Auswärtiges Amt und Entwicklungsministerium eng zusammenarbeiten. So könnten Entwicklungshelfer von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) vor Ort die Griechen beraten. Auch der Exportverband BGA kündigte an, Experten zur Verfügung zu stellen.

Der griechische Wirtschaftsminister Michalis Chryssochoidis lobte die Berliner Veranstaltung: Die Konferenz beweise, "dass zwischen Griechenland und Deutschland Schritt um Schritt und methodisch eine starke Allianz zur wirtschaftlichen Entwicklung aufgebaut wird", sagte er. Die Stärkung der bilateralen wirtschaftlichen Zusammenarbeit in Form gemeinsamer Initiativen sei "von strategischer Bedeutung nicht nur für die Überwindung der Krise, sondern vor allem für den Aufbau eines neuen gesunden und lebensfähigen Entwicklungsmodells in Griechenland".

dho/DPA / DPA