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Klamotten aus China: New Yorker will sich Amazon juristisch vorknöpfen – aber hat auch eigene Probleme

Friedrich Knapp, Inhaber der Modekette New Yorker, will juristisch gegen den Onlinegiganten Amazon vorgehen. Auf der Plattform würden Produkte aus China ohne richtige Kennzeichnung verkauft. Doch Brancheninsider vermuten nur ein Ablenkungsmanöver.

Eine Filiale von New Yorker in Köln

New Yorker will juristisch gegen Amazon vorgehen

Picture Alliance

Der Chef der Modekette New Yorker will gegen Amazon juristisch vorgehen. In einem Interview mit der "Textilwirtschaft" sagte Friedrich Knapp, dass man sich "Amazon zur Brust nehmen" werde. "Einstweilige Verfügung, Abmahnung, alles, was das Rechtssystem so hergibt." Der Besitzer und Boss von New Yorker hatte 20 Testkäufe bei Amazon machen lassen - mit dem Ergebnis: "Kein einziges Teil entsprach dem Textilkennzeichnungsgesetz und ist damit eigentlich nicht verkehrsfähig. Wir werden die Textilien auch noch auf Schadstoffe prüfen, ich bin gespannt, was dabei herauskommt", so Knapp weiter in dem Interview. Die Marketplace-Käufe stammten meist aus China. 

Was Knapp besonders ärgert: Die Textilbranche wird in Deutschland streng überwacht. "Es ist einfach nicht einzusehen, dass bei uns quasi wöchentlich Kontrollen stattfinden, während Amazon und Co. den Markt ungehindert mit unverzollter und unversteuerter Ware fluten können." Mit den Vorwürfen des New-Yorker-Chef konfrontiert, erklärt ein Sprecher von Amazon: "Angebote von Amazon oder unseren Verkaufspartnern müssen selbstverständlich entsprechende gesetzliche Vorgaben erfüllen. Sofern es im Einzelfall Fälle geben sollte, in denen zum Beispiel keine korrekte Textilkennzeichnung auf der Produktdetailseite vorhanden sein sollte, prüfen wir das selbstverständlich umgehend. New Yorker kann sich jederzeit mit den konkreten Fällen an uns wenden."

Kleidung aus China auf Amazon

Dass über die Plattform von Amazon Kleidung aus Fernost angeboten wird, ist bekannt. Jeder vierte Verkäufer auf Amazon.de stammt aus China. Bislang war das vor allem bei Steuerzahlungen ein Problem. Denn bei Käufen fallen normalerweise 19 Prozent Umsatzsteuer an. Schon seit Längerem beschweren sich deutsche Händler, dass chinesische Verkäufer diese Abgabe nicht zahlen. Dem Staat entgehen so Millionen Euro Steuerzahlungen. 

Finden New-Yorker-Fans doch mal Kleidung im Netz, ist meist von Fälschungen auszugehen. Dagegen setzte sich der Textilhändler bereits zu Wehr - übrigens auch gezielt gegen Amazon. 2018 war das Braunschweiger Unternehmen gegen Amazon vor Gericht gezogen, um gegen gefälschte und nicht lizenzierte Ware auf Amazon vorzugehen. New Yorker gewann vor Gericht. 

Einige Brancheninsider wollen inzwischen aber nicht mehr so recht an den Kampf von New Yorker für fairen Wettbewerb glauben. So twitterte der Handelforscher Gerrit Heinemann, dass Friedrich Kann an einer schweren "Digitalallergie" leide, "die mitunter zu emotionalen Ausrastern führt". Laut dem Fachblog "Locationinsider" hat New Yorker den Online-Trend beim Klamottenkauf komplett verschlafen. Ein überdimensioniertes Netz aus über 1000 Filialen sei inzwischen das Problem. Denn: Bis heute können Kunden die New-Yorker-Fashion nicht im Internet kaufen. Dabei liegt dort die Zukunft: Fast ein Drittel der Fashion-Umsätze werden im Netz erzielt.

Tod der Innenstädte

Doch offenbar setzt Knapp eher auf die Konfrontation als auf eigene strategische Entwicklung. So bemängelt der Firmenchef, dass die Innenstädte erodieren. "Es geht schon so weit, das ich mich frage: Wenn bald alle neben mir sterben, brauche ich dann überhaupt noch selbst einen Laden? Nur Dönerbuden, Handyläden und Coffee-Shops halten eine Innenstadt auch nicht am Leben", sagt Knapp im Interview.

Zuspruch bekommt er vom Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Deutschland (HDE), Stefan Genth, in der "Braunschweiger Zeitung". Er fordert mehr Kontrollen vom Zoll - und das nicht nur bei Bekleidung, sondern auch bei Elektronikartikeln. Knapp hatte den HDE in dem Interview noch kritisiert. "Wir brauchen einen neuen Verband, der wirklich die Interessen des Handels im Kampf mit den Online-Riesen vertritt." Laut Genth ist New Yorker kein Mitglied in dem rund 100.000 Mitgliedsunternehmen umfassenden Handelsverband.

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kg