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Gefährliche Kosmetik: Warum sich dm, Rossmann und Co. gegen Amazon verbünden

Die Unternehmen dm, Rossmann und Douglas prangern die Geschäfte von Amazon an. Ihr Vorwurf: Über Amazons Marktplatz würde gefährliche Kosmetika und Parfüm aus China nach Deutschland gelangen.

Die Drogerieketten dm und Rossmann gehen gegen Amazon vor

Die Drogerieketten dm und Rossmann gehen gegen Amazon vor

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Die großen Drogeriehändler dm, Rossmann und Douglas schlagen Alarm. In einem Brandbrief an die Budnesregierung machen sich die Unternehmen Luft - und zwar wegen der Konkurrenz von und Ebay. Sie werfen dem Onlinehändler vor, dass über die Plattform gefährliche Kosmetika aus Fernost nach Deutschland gelange, die hier eigentlich verboten ist. Dadurch entstünden den Firmen "erhebliche Wettbewerbsnachteile", da Amazon und Ebay nicht "in die Produktverantwortung genommen werden", heißt es in dem Brief, der an Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD), Verbraucherschutzministerin Julia Klöckner (CDU) und Digital-Staatsministerin Dorothee Bär (CSU) verschickt wurde.

Amazon am Pranger: "Skandalöse" Produkte

Allerdings kritisieren die Drogerien auch die gesundheitliche Gefahr für Verbraucher. Denn Kosmetik, die über Amazon Marketplace oder Ebay verkauft wird, würde nicht so streng kontrolliert werden wie die Ware in den Geschäften von dm, Rossmann oder Douglas. Raoul Roßmann, Juniorchef der gleichnamigen Drogeriekette, findet das "skandalös", schreibt das "Handelsblatt". "Wenn ein Produkt hundert Ein-Sterne-Bewertungen hat und Kunden über massive Probleme berichten, müsste es doch eigentlich aus dem Handel genommen werden", ärgert sich Roßmann.

Das Testinstitut Sefiro untersuchte die meistverkauften Produkte auf den Plattform im Auftrag von Roßmann und fand heraus: Von 24 untersuchten Produkten waren nur zwei verkehrsfähig. Insgesamt 93 Verstöße, darunter fehlende Wirkstoffe und falsche Deklaration, wurden festgestellt. Ein Haarwuchsmittel soll sogar mit Keimen belastet gewesen sein. "Das ist keine Bagatelle, da hilft nur hartes Durchgreifen", so Roßmann. "Eigentlich müsste der Amazon Marketplace für bestimmte Produktgruppen sofort geschlossen werden“, fordert der Unternehmer."

Verbraucherschutz vernachlässigt?

Amazon beteuert, dass Kundensicherheit "oberste Priorität" hat. Außerdem gehe der Konzern proaktiv vor, um nicht verkehrsfähige Produkte auszulisten, berichtet das "Handelsblatt". Händler, die sich nicht an die Verkaufsbedingungen in Deutschland hielten, könnten sogar gesperrt werden. Kunden könnten sich an den Kundenservice von Amazon wenden, wenn sie Bedenken bei Produkten hätten.

Tatsächlich sitzt das Problem aber ganz woanders: Amazon versteht sich als Plattform, nicht als Anbieter. In dieser Vermittlerrolle lehnt das Unternehmen die Haftung für Produkte ab - und sieht die Händler des Marktplatzes in der Pflicht. Doch die sitzen in Fernost. Für die Kontrollstellen ist das ein großes Problem. Denn die Flut an Waren können die Kontrolleure kaum sichten oder gar sanktionieren. "Wir können eigentlich immer nur Ausschnitte betrachten", sagt Dennis Raschke, Leiter der Bund-Länder-Kontrollstelle für den Internethandel beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, zum"Spiegel". Roßmann stört das. "Hier wird der Verbraucherschutz grob vernachlässigt, das ist praktisch ein rechtsfreier Raum", sagt Raoul Roßmann zum "Handelsblatt". "Es kann nicht sein, dass wir für jedes Produkt, das wir anbieten, umfangreiche und teure Prüfungen nachweisen müssen und sich Amazon komplett aus der Haftung stiehlt."

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kg