HOME

Nokia-Werksschließung: "Ein ganz hinterfotziges Vorgehen"

Der Kampf ums Nokia-Werk in Bochum geht weiter. Rund 15.000 Menschen protestierten gegen die Schließungspläne des Unternehmens. Bei ihren Protesten fanden Gewerkschafter und Politiker harte Worte für das Vorgehen des weltgrößten Handy-Herstellers.

Rund 15.000 Menschen haben in Bochum gegen die Pläne des Mobilfunkkonzerns Nokia zur Schließung seines Handy-Werks in der Ruhrgebietsstadt demonstriert. Der IG-Metall-Vorsitzende Huber drohte dem Mobilfunk-Marktführer auf der Kundgebung mit einem harten Arbeitskampf, falls das Unternehmen an seinen Absichten festhalte.

Regierung und Gewerkschaften Seite an Seite

Huber rief unter dem Beifall der Demonstranten: "Wir werden kämpfen, wenn der Konzern sich aus seiner Verantwortung stiehlt. Dem Management von Nokia muss klar sein: Eine derartige Auseinandersetzung wird die Marke Nokia nicht ungeschoren lassen." Der Gewerkschaftschef warf Nokia vor, aus Profitsucht die Existenz Tausender Beschäftigter vernichten zu wollen. Klammheimlich habe der Konzern die Schließung des Bochumer Werkes vorbereitet und ein neues Werk in Rumänien errichtet. "Das war ein ganz hinterfotziges Vorgehen", meinte Huber. Nokia habe den Beschäftigen in Deutschland nicht die Pistole auf die Brust gesetzt, Nokia habe gleich geschossen. "Wenn sie noch einen Funken Anstand haben, nehmen sie ihre Entscheidung zurück", forderte der Gewerkschafter den Konzernvorstand auf. "Wir wollen den Erhalt dieser Arbeitsplätze", rief der IG-Metall-Chef den Demonstranten zu. Hinter den Nokia-Beschäftigten stehe "die gesamte IG Metall von Ost bis West, von Nord bis Süd".

Der Parlamentarische Staatssekretär im Wirtschaftsministerium, Hartmut Schauerte, sagte den Nokia-Beschäftigten die Unterstützung der Bundesregierung zu. Auch Schauerte mahnte den Konzernvorstand: "Nokia hat ein Image zu verlieren und nicht nur ein Image, sondern auch ein Geschäft. So geht man in Deutschland nicht miteinander um." Der CDU-Politiker sagte, vorrangiges Ziel der Bundesregierung sei es, die Entscheidung von Nokia ganz oder zumindest in Teilen zu verändern. "Dies kann nicht das letzte Wort sein." Falls Nokia aber an seinem Entschluss festhalte, sei der Konzern in der Verantwortung, der Region eine Zukunftsperspektive zu geben.

Solidarität der Metaller

Die Großkundgebung in Bochum hatte um fünf vor zwölf Uhr mit einem Sternmarsch zum Kundgebungsplatz auf dem Riemer Markt begonnen. An der Demonstration nahmen nach Angaben der IG Metall auch Mitarbeiter von VW aus Wolfsburg, Ford in Köln und Opel in Rüsselsheim teil. Im Bochumer Opel-Werk sollten aus Solidarität die Bänder still stehen. Nokia hatte vor einer Woche angekündigt, sein Bochumer Werk noch in diesem Sommer stillzulegen und die Produktion nach Rumänien zu verlagern.

AP / AP