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Ökostrom-Umlage stagniert: Kein Aufschlag für den Ausstieg

Die Energiewende kostet die Verbraucher vorerst weniger als befürchtet. Der Ökostrom-Zuschlag steigt 2012 kaum. Teuer wird es wohl erst im Jahr darauf.

Kanzlerin Angela Merkel hatte angekündigt, dass der Ökostrom-Zuschlag nicht groß steigen soll. Und so ist es auch gekommen: Trotz der ehrgeizigen Ziele bei der Energiewende müssen die Verbraucher 2012 für die Förderung der erneuerbaren Energien nur ein paar Euro mehr bezahlen. Der Aufschlag auf den Strompreis, zur Förderung von Strom aus Sonne, Wind und Biomasse, steigt im nächsten Jahr von 3,53 auf 3,589 Cent pro Kilowattstunde.

Mit der Erhöhung von nur 0,059 Cent bleiben die Mehrkosten für die Energiewende 2012 auf durchschnittlich unter fünf Euro pro Haushalt begrenzt. Bei einem Verbrauch von 3500 Kilowattstunden im Jahr erhöht sich die Öko-Abgabe damit um 2,50 Euro. Insgesamt zahlt ein Haushalt mit diesem Verbrauch nach Angaben des Vergleichsportals Toptarif etwa 150 Euro im Jahr für den Ausbau der Erneuerbaren.

Die von Rot-Grün mit dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) eingeführte Umlage garantiert Produzenten von Ökostrom auf 20 Jahre eine Vergütung, die deutlich über dem Marktpreis liegt. So soll der Ausbau der regenerativen Energien vorangetrieben werden. Die Vergütungssätze werden regelmäßig angepasst.

Wegen des Atomausstiegs der Bundesregierung hatten Beobachter mit einem deutlich höheren Preisaufschlag gerechnet. Branchenvertreter hatten für 2012 eine Umlage 3,8 bis 4 Cent pro Kilowattstunde erwartet, da aktuell der Bau neuer Solaranlagen stark zunimmt. Zudem war das von den Netzbetreibern verwaltete Umlagekonto für kommendes Jahr bereits mit 711 Millionen Euro im Minus.

Eine Erhöhung droht 2013

In der Branche ist daher auch von einer "politischen Umlage" die Rede - eine deutliche Steigerung hätte die Energiewende möglicherweise in Misskredit gebracht. Merkel hatte bereits im Juni im Bundestag gesagt, die Umlage solle nicht über ihre heutige Größenordnung hinaus steigen. "Langfristig wollen wir die Kosten für die Vergütung des Stroms aus erneuerbaren Energien deutlich senken", so Merkel.

Seit 2000 wurden rund 65 Milliarden Euro an Vergütungen für Ökoenergie gezahlt - 2010 waren es 12,1 Milliarden. Die Umlage macht derzeit etwa zwölf Prozent des Strompreises aus. Der Geschäftsführer der Deutschen Energieagentur (dena), Stephan Kohler, rechnet bis 2020 mit einem Anstieg der Umlage auf 5 Cent pro Kilowattstunde. Da ab 2013 Hunderte energieintensive Unternehmen von der Umlage weitgehend befreit werden, verteilen sich die Kosten künftig auf weniger Schultern. Privathaushalte müssten dann entsprechend mehr bezahlen.

"Dafür ist die Politik verantwortlich", sagt der Präsident des Bundesverbands erneuerbare Energien, Dietmar Schütz. Diese habe unter anderem die Ausnahmeregelungen für die Industrie erweitert, eine teure Marktprämie eingeführt und den Netzbetreibern weitere finanzielle Rücklagen gestattet. "Diese zusätzlichen Belastungen für die Verbraucher sind unnötig und kontraproduktiv."

pen/DPA/AFP/DPA