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Öl-Gipfel: Gebt uns mehr vom schwarzen Gold

Im saudischen Dschidda treffen sich die Vertreter von 36 Staaten und 22 Ölkonzernen, um über Auswege aus der Energiepreiskrise zu beraten. Einige Experten glauben, die Konferenz werde zu einer Erhöhung der Fördermenge und zu sinkenden Preisen führen. Andere sind nicht so optimistisch.

Nach Saudi-Arabien hat nun auch Kuwait signalisiert, eventuell mehr Öl fördern zu wollen. Der kuwaitische Ölminister Mohammed al Alim sagte nach seiner Ankunft in der saudi-arabischen Hafenstadt Dschidda: "Nach diesem Treffen wird Kuwait seine aktuelle Politik überdenken und entscheiden, ob wir die Einberufung einer außerordentlichen Opec-Konferenz fordern." Grundsätzlich sei sein Land zu einer Produktionssteigerung bereit, falls dies durch die Nachfrage notwendig werde, zitierte ihn die saudische Nachrichtenagentur SPA.

Die USA hatten vor Beginn des Öl-Krisengipfels in Saudi-Arabien eine Steigerung der Produktion als Mittel gegen den hohen Ölpreis angemahnt. US-Energieminister Samuel Bodman sagte vor dem Treffen, das nun in Dschidda beginnt: "Die Marktdaten zeigen uns, dass die Produktion nicht mit der wachsenden Nachfrage Schritt gehalten hat, was zu höheren und einer immer instabileren Preisen geführt hat." An dem Gipfel nehmen Vertreter von 36 Staaten und 22 Ölkonzernen teil. Für Deutschland reiste Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) nach Saudi-Arabien.

Den armen Ländern unter die Arme greifen

Der König des Landes hat vorgeschlagen, dass die Öl-Förderstaaten den Entwicklungsländern wegen der steigenden Energiepreise finanziell unter die Armee greifen sollen. Sein Land sei bereit, dafür 500 Millionen US-Dollar bereitzustellen, sagte König Abdullah vor den Teilnehmern des Öl- Krisengipfels. Die Weltbank und die Opec sollten entsprechende Schritte möglichst rasch einleiten.

Die Öl-Produzenten geben dagegen die Schuld an den enormen Preissteigerungen der jüngsten Vergangenheit vor allem Spekulanten, die auf eine Verknappung des Öls in der Zukunft setzen. Mehrere Mitglieder der Organisation erdölproduzierender Länder (Opec) sind strikt gegen eine Erhöhung der Förderung. Glos hatte im Vorfeld des Gipfels mehr Transparenz auf den Ölmärkten gefordert. Der Preisanstieg sei nicht allein mit boomender Weltkonjunktur und steigender Nachfrage zu erklären. Es gebe auch Spekulation. Zugleich will sich auch Glos für eine Erhöhung der Fördermengen einsetzen.

Der für den Energiesektor zuständige EU-Kommissar Andris Piebalgs geht davon aus, dass der Ölpreis nach dem Krisengipfel sinken wird. Das Treffen könne ein Wendepunkt sein, sagte er der "Berliner Zeitung". Wenn Produzenten- und Verbraucherländer weiter zusammenarbeiteten, könne der Preis unter 100 Dollar pro Barrel (159 Liter) fallen. Zuletzt hatte ein Barrel bis zu 140 Dollar gekostet.

Piebalgs widersprach Behauptungen, die Preisexplosion sei vor allem auf Spekulation zurückzuführen. "Spekulation ist immer ein Element auf Märkten, aber es ist nicht das wichtigste Element. Es gibt keine Verschwörung zur Steigerung der Ölpreise", sagte der EU-Kommissar. Es seien aber mehr Transparenz auf den Märkten und mehr vorbeugende Maßnahmen notwendig, statt nur im Nachhinein zu handeln.

Der Ölexperte Nansen Saleri, der bis Herbst 2007 die Ölreserven des saudischen Staatskonzerns Saudi Aramco verantwortet hat, rechnet erst in fünf bis sieben Jahren mit einer Stabilisierung des Ölpreises. Derzeit arbeite die Ölindustrie an der Kapazitätsgrenze, es brauche Zeit, neue Kapazitäten aufzubauen, sagte Saleri der "Wirtschaftswoche". Zwar sei die Förderung in den vergangenen Jahren gestiegen, aber die Nachfrage habe stärker zugelegt.

"Das Öl geht erst in 150 Jahren aus"

Vor allem in Saudi-Arabien und im Irak sieht Saleri noch erhebliche Vorkommen, die nicht erschlossen sind. "Saudi-Arabien besitzt bereits 260 Milliarden Barrel nachgewiesener Erdölreserven, das ist ein Viertel der konventionellen Ölreserven weltweit", sagte Saleri. Der Irak habe bisher 110 Milliarden Barrel nachgewiesene Reserven, mit moderner Technik sollten 200 Milliarden Barrel realisierbar sein. Von einer Ölknappheit könne keine Rede sein. Die Ölreserven reichten mindestens 100, wenn nicht 150 Jahre.

AP/DPA/Reuters / AP / DPA / Reuters