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Sportler, IOC, Sponsoren: Die Olympischen Spiele machen reich - nur nicht die deutschen Sportler

Die Olympischen Spiele sind nicht nur sportlicher Wettkampf, sondern vor allem ein milliardenschweres Geschäft. Doch ausgerechnet die Sportler profitieren kaum von dem Event. Die große Knete macht das IOC - aus einem guten Grund.

Olympische Spiele: IOC kassiert, Sportler erhalten Hungerlohn

Wer verdient bei den Olympischen Spielen in Rio? Sportler, wie Michael Phelps, oder doch das IOC?

Michael Jung ist jetzt um 20.000 Euro reicher. Diese Summe soll der deutsche Vielseitigkeitsreiter von der Stiftung Deutsche Sporthilfe erhalten haben - denn er gewann in Rio die Goldmedaille. Für Silber zahlt die Stiftung 15.000 Euro, bei Bronze noch 10.000 Euro. Die Sportler bekommen die Summe nur einmal gezahlt. Auch wer zwei Mal die Goldmedaille gewinnt, erhält nur einmalig 20.000 Euro. Und wer keine Medaille holt, erhält deutlich weniger: Für den vierten Platz gibt es 8000 Euro, der Achtbeste bekommt nur noch 1500 Euro.

Üppig ist der finanzielle Lohn für die Sportler nicht. Die Deutsche Sporthilfe finanziert sich hauptsächlich aus Spenden sowie Lotterieerlösen und Briefmarkenverkauf. Vielleicht ist das auch ein Grund, warum deutsche Sportler im internationalen Vergleich so wenig Geld mit ihrer Leistung verdienen. Italiener bekommen hingegen 150.000 Euro für den Sieg. Singapur bot seinen Athleten 2012 sogar sagenhafte 800.000 Euro für die Goldmedaille. Ein US-Sportler wie Michael Phelps bekommt zwar auch nur 22.500 Euro für Olympia-Gold - und damit nur unwesentlich mehr als seine deutschen Kollegen -, kann das aber angesichts zahlreicher Sponsorenverträge gut verkraften. 

800.000 Euro für Gold bei den Olympischen Spielen

Doch das wirklich große Geld bekommen nicht die Sportler, das landet bei den Funktionären. Das IOC wird in der Olympia-Periode von 2013 bis 2016 Erlöse von rund 5,5 Milliarden Euro verbuchen können, berichtet das "Manager Magazin". Zum Vergleich: Zwischen 2001 und 2004 sprudelten nur drei Milliarden Euro in die Kasse des Komitees. Größter Brocken bei der Finanzierung der Olympischen Spiele ist die Vermarktung der TV-Rechte, die diesmal rund 4,1 Milliarden Euro einbringt. Dazu kommt knapp eine Milliarde Euro (die eine Hälfte in bar, die andere Hälfte in Sachleistungen) durch die zehn größten Sponsoren wie Samsung, Coca Cola, McDonald's, Omega, Visa und Panasonic.

Besonders angenehm für das IOC: Ortsansässig in der Schweiz ist das Komitee steuerbefreit. Sich selbst sieht das IOC eher als Wohlfahrtsorganisation, schreibt die "F.A.Z.". Dafür fallen die Gehälter stattlich aus: Der Chef des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB) verdient jährlich mindestens 250.000 Euro, schreibt die "Zeit". Sein Kollege aus den USA soll das Vierfache erhalten.


Sportförderung für deutsche Athleten

Dagegen verdienen die Sportler eher kläglich. Von den 449 deutschen Athleten sind 127 bei der Bundeswehr und 80 bei der Bundespolizei beschäftigt. Durch spezielle Sportelite-Programme und Förderungen werden sie zusätzlich unterstützt. So bekommt rund ein Drittel des deutschen Olympiateams bis zu 800 Euro im Monat aus dem Elite-Programm, das von Mercedes Benz gesponsert wird, berichtet "ispo". Auch die Deutsche Telekom, die Deutsche Bank und die Bundesliga-Stiftung treten als Sponsoren durch Förderprogramme auf. Ausgenommen von der Förderung sind die wenigen Sportler, die ohnehin gut verdienen: Tennis- und Golfspieler sowie die Fußballmannschaft der Männer.

Ein Problem für die Athleten: Das IOC überwacht das Sponsoring der Sportler durch Firmen sehr genau. So dürfen Firmen bei Twitter nicht mal einen Tweet ihrer Sportler teilen, wenn es thematisch um Olympia geht. Festgehalten wird diese strenge Regelung in der Olympischen Charta. Keine Werbung mit Olympia außerhalb der IOC-Welt - vor allem nicht ohne finanziellen Zugriff. "Für die Olympia-Sponsoren müssen wir darauf achten", schreibt der DOSB auf Anfrage der "Zeit", "ob sich nicht-olympische Sponsoren als Trittbrettfahrer betätigen, dafür können sie rechtlich belangt werden".

IOC will finanziell unabhängig sein

Aber warum ist das IOC so streng? Sportökonom und Olympiasieger im Rudern, Wolfgang Maennig, begründet das Vorgehen des IOC historisch. So seien die Spiele 1976 in Montreal ein finanzielles Desaster gewesen, danach sei es schwierig gewesen, Städte als Austragungsort zu finden. Das IOC sei in einer Zwangslage gewesen. "Das Ziel des IOC ist einfach, so viel Geld anzusparen, dass man zur Not eine Olympiade ausrichten kann, auch wenn kein Staat bereit ist, irgendetwas zu finanzieren", sagt Maennig dem "Deutschlandfunk".