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Kommentar

Olympia 2016: Schönen Dank, IOC! Der ständige Dopingverdacht versaut die Begeisterung

Man würde ja gerne tolle Leistungen der besten Sportler der Welt in Rio bewundern. Doch wie, wenn da immer dieser Doping-Verdacht ist? Jetzt zeigt sich, wie sehr die unentschlossene Haltung des IOC Olympia schadet.

Katinka Hosszu feiert Goldmedaille und Weltrekord - der Doping Verdacht schwingt bei Olympia in Rio immer mit

Schwimmerin Katinka Hosszú aus Ungarn feiert Goldmedaille und Fabel-Weltrekord: Ob ungerecht oder nicht, Zweifel bleiben.

Gut, das Erstaunen ist noch da. Wenn bei den Olympia-Übertragungen aus dem Schwimmstadion in Rio die eingeblendete Weltrekord-Marke es schier nicht schafft, der Ungarin Katinka Hosszú bei ihrem Gold-Rennen zu folgen, kommt man aus dem Staunen kaum heraus. Aber begeistert? Begeistert ist man nicht wirklich. Das ist äußerst schade, aber es ist nur zu verständlich.

Wie sehr die watteweichen Entscheidungen des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) in Sachen Doping den Spielen und den (sauberen?) Athleten geschadet haben, merkt man erst jetzt so richtig, nachdem das erste Olympia-Wochenende gelaufen ist. Soweit bekannt, gibt es keine verdächtige Dopingprobe von Katinka Hosszú. Doch statt die außergewöhnliche sportliche Leistung zu bewundern, stellt man sich trotzdem unwillkürlich die Frage: Geht das mit rechten Dingen zu? Ist es wirklich menschenmöglich, einen Weltrekord im Schwimmen um gleich zwei volle Sekunden zu verbessern? Oder ist das leistungsfördernde Mittel nur noch nicht entdeckt worden? Wie kann es sein, dass der britische Brustschwimmer Adam Peaty gefühlt einen Weltrekord aufstellt, sobald er ins Becken steigt. Oder der US-Superschwimmer Michael Phelps: 19 Goldmedaillen - bis jetzt! Ist das wirklich ausschließlich mit harter Arbeit und intensivem Training zu erreichen?

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Doping: Das Misstrauen trifft auch die Falschen

Das Misstrauen mag ungerecht sein, es trifft in etlichen Fällen vermutlich die Falschen. Dass es da ist, ist die Schuld des IOC, das trotz aller Lippenbekenntnisse nicht in der Lage ist, klare Kante in Sachen Doping zu zeigen. Der komplette Ausschluss der russischen Mannschaft nach erwiesenem systematischen Doping - so wie jetzt für die Paralympics entschieden - wäre überfällig gewesen. Es nonchalant lediglich zu registrieren, dass die Doping-Kontrollen der brasilianischen Athleten vor rund drei Wochen eingestellt wurden, macht die Sache nicht glaubwürdiger. Und wer am Wochenende die mit versteckter Kamera für die ARD und die britische "Sunday Times" gedrehten Bilder gesehen hat, kann sich kaum erklären, wieso die Läufernation Kenia durch die Weltdopingagentur Wada als "regelkonform" eingestuft wurde.

Wie die kenianischen Läufer in Rio empfangen werden, wird sich noch zeigen. Die stets dopingverdächtigen und teilweise des Dopings überführten Schwimmerinnen aus Russland und China wurden bereits ausgebuht und ausgepfiffen. Vor dem TV-Gerät winkt man innerlich ab: Na gut, Weltrekord - aber was heißt das schon? Nichts schadet dem Olympischen Gedanken und dem größten Sportfest der Welt mehr, als ein Abflauen des Publikums-Interesses und ein Ausbleiben der Faszination. Doch wer soll fasziniert sein von menschlichen Höchstleistungen, die in Wahrheit gar nicht menschlich sind. Gleichgültigkeit könnte die Folge sein. Und dagegen hilft auch der schon übliche olympische Gigantismus irgendwann nicht mehr.

"Saubere Spiele" - naiv, aber nötig?

"Saubere Spiele" - das klingt mehr denn je nach einer belächelten, naiven Forderung. Trotzdem muss das IOC genau daran arbeiten - und zwar mehr als bisher mit allem Nachdruck. Denn was wäre die Alternative? Ein betrügerischer Wettstreit der besten Dopingmethoden? Mit Olympia hätte das nichts mehr zu tun.