Online-Ausverkauf Schlangestehen im Quelle-Webshop


Quelle ist zufrieden mit dem ersten Ausverkaufstag. Viele Kunden nicht. Sie kamen weder auf die Seite, noch war alles ein Schnäppchen. Leise zittert Quelle vor dem Wort Retourenquote.
Von Henry Lübberstedt

Am Sonntag um sechs Uhr morgens ging er los, der "größte Räumungsverkauf in der Deutschen Geschichte". Doch schon wenige Minuten nach sechs Uhr war die Webseite des Quelle-Versandhauses nicht mehr oder nur nach langer Wartezeit erreichbar. Die Server waren unter dem Ansturm der Schnäppchenjäger zusammengebrochen. Die Kaufwilligen bekamen meist eine weiße Seite oder eine Fehlermeldung zu sehen. Dabei hatte das Unternehmen eigens zusätzliche Server bereitstellen lassen. Offenbar nicht genug. "Wir mussten die Online-Verkaufsaktion in nur zehn Tagen vorbereiten. Es ist kaum möglich in dieser Zeit, die Online-Infrastruktur entsprechend aufzurüsten, schon in einem gesunden Unternehmen nicht, geschweige denn in einem insolventen", sagte Thomas Schulz, der Sprecher des Quelle-Insolvenzverwalters.

Bei der von Schnäppchenjägern heiß erwarteten Aktion werden rund 18 Millionen Waren angeboten. Auf das gesamte Sortiment des Herbst- und Winterkatalogs gibt es nach Angaben des Unternehmens Rabatte zwischen 10 und 30 Prozent. Einen 30-prozentigen Preisnachlass gibt es auf Damen-, Herren- und Kindermode, Wäsche, Schmuck, Sportkleidung und Schuhe. Möbel und Heimtextilien seien um 20 Prozent, technische Artikel um 10 Prozent verbilligt.

Ausverkauf heimlich einen Tag zuvor gestartet

Schwer reinzukommen in den Quelle-Webshop ist es vor allem für User aus Ballungszentren, räumte Schulz ein. Außer Berlin. Von einem echten Zusammenbruch der Systeme wollte er nicht sprechen. Schließlich lägen die Verkäufe bisher weit über den Erwartungen. So sind nach seinen Angaben in den vergangenen zehn Stunden 31.000 Bestellungen eingegangen, etwa 100 pro Minute. "Wir hatten in der Vorbereitung mit rund 30.000 Bestellungen in 24 Stunden gerechnet. Dieses Ziel haben wir in der Hälfte der Zeit erreicht", sagte Schulz.

Dennoch: Tausende Kunden mussten sprichwörtlich vor der Tür bleiben. Auch am späten Nachmittag war die Seite des Versandhauses nur sehr selten erreichbar. Zusätzliche Server-Kapazitäten könnten nur begrenzt angeschlossen werden, hieß es. Schnäppchenjäger werden also auch weiterhin Geduld aufbringen müssen.

Einen Tag vor dem offiziellen Räumungsverkauf lief der Quelle-Intershop deutlich besser. Als „Goodie“ für seine Stammkunden hatte das Haus heimlich den Ausverkauf bereits am Sonnabend gestartet. "Für uns war es ein Testlauf und gleichzeitig haben wir damit jene Kunden belohnen wollen, die unsere Seite täglich besuchen", sagte Schulz. Die Quelle-Treuekunden bestellten einen Tag vor dem Startschuss knapp 19.000 Produkte zu den gesenkten Preisen.

Sorge vor hoher Retourenquote

Doch was Quelle im Ausverkauf anbietet ist keinesfalls immer ein Schnäppchen. In Internetforen verglichen User die Quelle-Preise mit denen anderer Versandhäuser. Danach gab es zahlreiche vermeintliche Sonderangebote bei den Mitbewerbern um über 100 Euro günstiger. Thomas Schulze kennt die Vorwürfe: "Es geht hier nicht darum, das günstigste Angebot zu machen, sondern um die Insolvenzmasse möglichst zu erhöhen." Der Preisnachlass orientiere sich am Einkaufspreis und nicht an den Angeboten der Konkurrenz.

Bestellungen sind nach Angaben des Insolvenzverwalters so lange möglich, wie die Ware im Lager vorrätig ist. Wie lange das sein wird, ist unklar. Wer bei Quelle noch etwas bestellt, kann dabei normalerweise zumindest kein Geld verlieren: Der Kauf erfolgt im Internet oder bei telefonischer Bestellung auf Rechnung, Verbraucher müssen also erst zahlen, wenn sie die Ware haben. Ratenzahlung ist nicht mehr möglich. Die Auslieferung der Ware soll nach Möglichkeit bis Weihnachten geschehen.

Sorgen dürfte den Insolvenzverwaltern die so genannte Retouren-Quote bereiten. Waren also, die unzufriedene Kunden wieder an Quelle zurückschicken. Diese Quote lag zu Quelles besten Zeiten bei 40 Prozent, sagen Kenner der Branche. Fiele sie im Ausverkauf ähnlich hoch aus, wäre der Effekt des "größten Räumungsverkauf in Deutschland" möglicherweise weitgehend dahin.

Der Quelle-Betriebsrat hofft jedenfalls, dass der Ausverkauf viele Beschäftigte bis Weihnachten in Lohn und Brot halten kann. Ab Montag wird die verbilligte Ware zudem in den 1200 Quelle-Shops und den 60 Technik-Centern angeboten. Damit behielten rund 1600 Quelle-Beschäftigte noch ihre Arbeit, sagte Sindel.

Verbraucher sind durch die gesetzliche Gewährleistung grundsätzlich beim Kauf eines Produkts für zwei Jahre gegen Sachmängel geschützt. Dies gilt bei Quelle nun allerdings nicht mehr - denn die Kunden werden in wenigen Wochen voraussichtlich niemanden mehr haben, demgegenüber sie ihre Ansprüche geltend machen könnten.


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