HOME

Opel-Rettung: Die Brandlöscher der Republik

Roland Berger soll die Rettung des angeschlagenen Autokonzerns Opel koordinieren und die Regierung dabei beraten. Der Unternehmensberater arbeitet nebenher jedoch auch noch für die Konkurrenz. Der Fall zeigt, wie schwer es für Berlin ist, qualifizierte Ratgeber zu finden.

Von Timo Pache, Sven Clausen, Guido Warlimont

In einer alternden Gesellschaft besteht an hoch qualifizierten Pensionären eigentlich kein Mangel. Gute Voraussetzungen also für die Bundesregierung, um für den Kampf gegen drohende Banken- und Firmenpleiten ehemalige Manager als Berater zu verpflichten, sollte man meinen. Zuletzt etwa Roland Berger, 71. Der Gründer der gleichnamigen Unternehmensberatung soll die Rettung des angeschlagenen Autokonzerns Opel/General Motors überwachen und dabei eng mit der Regierung zusammenarbeiten.

Die Angelegenheit ist aber komplizierter, als man denkt - und sie wird schnell heikel, wie das Beispiel Berger zeigt. Wie so oft bei Managern, fällt auch Berger der Ruhestand schwer. Noch immer hält er große Anteile an Roland Berger Strategy Consultants. Diese Firma hat ganz offiziell einen Beratervertrag mit Opel/GM. Zudem sitzt Berger beim Opel-Konkurrenten Fiat im Board of Directors, einem 15-köpfigen Führungsgremium des Konzerns. Der italienische Autohersteller wiederum verhandelt gerade mit dem US-Autokonzern Chrysler, einem Rivalen von General Motors. Der Fall erinnert an den früheren Bundesbank-Präsidenten Hans Tietmeyer, den Bundeskanzlerin Angela Merkel im vergangenen Jahr zunächst als Regierungsberater für die Regulierung der internationalen Finanzmärkte einsetzen wollte. Tietmeyer saß allerdings im Aufsichtsrat der Hypo Real Estate - jener Pleitebank, die die Finanzkrise erst nach Deutschland geholt hatte.

"Sachverstand, Sachverstand, Sachverstand"

Der haushaltspolitische Sprecher der SPD-Fraktion im Bundestag, Carsten Schneider, war es, der die Personalie Tietmeyer platzen ließ - und damit die Kanzlerin blamierte. Er forderte am Donnerstag umgehend den Rückzug Bergers aus der Fiat-Spitze. "Andernfalls besteht ein Interessenkonflikt, der eine Beratungsfunktion für die Bundesregierung ausschließt", sagte Schneider der FTD. Die Fälle zeigen, wie schwierig es tatsächlich für die Regierung ist, qualifizierte Berater im Kampf gegen die aktuellen Krisen zu finden. Neben der Vorgabe, den neuen Job nicht durch Interessenkonflikte zu belasten, pocht die Regierung bei der Auswahl auf "Sachverstand, Sachverstand, Sachverstand", wie es ein Insider formuliert. Hinzukommen soll eine gewisse politische Erfahrung, damit die neuen Berater nicht völlig unvorbereitet in den Wirren der Politik landen.

Die schwierige Suche nach Aufsichtsräten für die Commerzbank

Bislang hat sie so neben Berger zehn weitere Männer verpflichten können: zwei für den Finanzmarkt-stabilisierungsfonds Soffin und acht für den Lenkungsrat Unternehmensfinanzierung. Die Runde, die am Donnerstag ihre Arbeit in Berlin aufnahm, soll die Vergabe von Bundeskrediten und -bürgschaften an Unternehmen prüfen. Eine besonders öffentlichkeitswirksame Personalentscheidung steht der Regierung noch bevor. Spätestens mit der Hauptversammlung der Commerzbank am 15. Mai wird der Bund mit einem Anteil von 25 Prozent plus einer Aktie größter Aktionär der hilfsbedürftigen Bank. Zwei Emissäre wird die Regierung danach in den 20-köpfigen Aufsichtsrat schicken. Sie müssen den Verdacht entkräften, die Politik nehme großen Einfluss auf die Strategie der Bank und dränge sie etwa dazu, den Mittelstand zu fördern. Derzeit fahnden Jens Weidmann, Wirtschaftsberater der Kanzlerin, und Jörg Asmussen, Staatssekretär im Finanzministerium, nach geeigneten Kandidaten. Die beiden Spitzenbeamten gleichen ihre Listen ab. Bis Mitte April müssen die Namen feststehen. Im Idealfall müssen die Berufenen einige Zeit im Commerzbank-Aufsichtsrat mitarbeiten können. Denn wie lange der Bund größter Aktionär bleibt, ist nicht ausgemacht. Offiziell heißt es, er bleibe engagiert, bis die Bank "stabilisiert" ist. Definiert hat das die Politik lieber nicht.

FTD

Von:

Sven Clausen Timo Pache und Guido Warlimont