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Post-Zukäufe: Von der Behörde zum Weltmarktführer

Die Deutsche Post will das schottische Logistikunternehmen Exel übernehmen und hat dessen Aktionären ein Angebot über 5,5 Milliarden Euro vorgelegt. Mit der Übernahme will der Gelbe Riese unabhängiger vom deutschen Briefmarkt werden.

Für Post-Chef Klaus Zumwinkel war am Montag kein Vergleich zu groß, um die Bedeutung der geplanten Übernahme des britischen Logistikunternehmens Exel begreiflich zu machen. Selbstbewusst variierte er in London bei der Bekanntgabe des milliardenschweren Kaufangebots eines der berühmtesten Zitate der Weltgeschichte: Den Satz, den US-Astronaut Neil Armstrong beim Betreten des Mondes sagte: "Es ist ein kleiner Schritt für die Menschheit, aber ein gigantischer Sprung für die Logistikwelt", hieß das dann bei dem deutschen Manager. Tatsächlich wäre die Übernahme ein großer Sprung für den Gelben Riesen. Mit einem Kaufpreis von rund 5,5 Milliarden Euro wäre es der teuerste Zukauf in der Geschichte der Post. Mit einem Schlag würde der Gelbe Riese zum weltweit größten Logistikanbieter - vor UPS und Federal Express.

Überteuerte Traumhochzeit

Und ebenso wichtig: gut zwei Jahre vor dem endgültigen Wegfall des Briefmonopols würde die Post ein ganzes Stück unabhängiger vom Briefgeschäft. Das neue Unternehmen werde mit rund 500.000 Beschäftigten einen Jahresumsatz von 52 Milliarden Euro erwirtschaften, rechnete Zumwinkel vor. Experten gilt die Fusion als eine - allerdings möglicherweise überteuerte - Traumhochzeit. Denn die Unternehmen ergänzen sich gut. Exel ist in Großbritannien und den USA stark, die Post vor allem in Kontinentaleuropa und Asien. Exel glänzt mit kundenorientierten Lösungen. Die Stärke der Post liegt dagegen bislang eher im Transport.

Die Übernahme macht die Post nach eigenen Angaben zur Nummer eins bei der Luftfracht, beim Seetransport und bei der Kontraktlogistik. Der Zukauf ist nicht der erste in der Ära Zumwinkel, aber bei weitem der größte. Zuvor hatte die Post bereits den Expressdienst DHL, den US-Luftfrachtanbieter Airborne und das Schweizer Speditionsunternehmen Danzas aufgekauft und sich daneben eine Unzahl kleinerer Logistikanbieter und Briefdienste in aller Welt einverleibt. Strategisches Ziel all dieser Zukäufe: Die Abhängigkeit der Post vom deutschen Markt zu verringern.

Allan verspricht 110 Prozent Engagement

Denn auf dem Heimatmarkt muss der Gelbe Riese spätestens ab Anfang 2008 mit deutlichen Gewinneinbußen rechnen. Dann fällt endgültig das Briefmonopol. Und kraftvolle Konkurrenten stehen bereits in den Startlöchern, um der Post Konkurrenz zu machen, darunter die niederländische Post, der Otto-Versand, aber auch die Zeitungsverlage Holtzbrinck, Springer und WAZ. Für den Gelben Riesen sind dies schlechte Aussichten. Das Briefgeschäft macht zwar nur noch 29 Prozent des Umsatzes aus, liefert aber immer noch 61 Prozent des Betriebsergebnisses. Diese Abhängigkeit wird durch den Exel-Kauf zumindest etwas gemindert. Künftig stammen nur noch knapp ein Viertel des Umsatzes und gut die Hälfte des Gewinns aus dem Briefgeschäft.

Und die Logistik soll ihren Gewinnbeitrag in den nächsten Jahren deutlich steigern. "Wir werden Marktführer bei Logistik sein und von den hohen Wachstumsraten im Markt profitieren", versprach Zumwinkel in London. Allerdings steht die Post erst einmal vor einer gigantischen Aufgabe. Sie muss nicht nur die Integration von weltweit 111.000 Exel-Mitarbeiter bewältigen, beide Unternehmen sind derzeit auch noch damit beschäftigt, frühere Zukäufe zu verdauen. Die Deutsche Post ist nach wie vor mit der Integration ihrer Großakquisitionen DHL und Airborne beschäftigt, Exel mit der Übernahme des zweitwichtigsten britischen Logistikers Tibbett & Britten. Da ist es ermutigend, dass Exel-Chef John Allan die Integration leiten will.

Gegenofferten durchaus möglich

Der gelernte Mathematiker kennt die Branche wie kaum ein anderer und hat das britische Unternehmen zur weltweiten Nummer eins in der Kontraktlogistik gemacht. "Ich werde mich mit 100 oder 110 Prozent Engagement in die neue Aufgabe hineinwerfen", versprach Allan. Sorgen muss der Post auch der Kaufpreis bereiten. Schon nach Bekanntwerden der Milliardenofferte sank der Kurs der "Aktie gelb" am Montag um rund 2,5 Prozent. Und Analysten halten es für möglich, dass durch Gegenangebote von Konkurrenten wie UPS oder FedEX der Preis für Exel sogar noch in die Höhe getrieben wird.

Erich Reimann/AP / AP