Reise-Messe Islamische Länder entdecken Tourismus

Sie stellen mehr als ein Fünftel der Weltbevölkerung, doch bei den Einnahmen aus dem Tourismus müssen sie sich mit weniger als zehn Prozent begnügen. Jetzt wollen die islamischen Länder ein größeres Stück vom Tourismuskuchen.

Die 57 Mitgliedsländer der Islamischen Konferenzorganisation (OIC), die sich vom Mittelmeer über den Nahen Osten bis nach Südostasien über mehrere Kontinente verteilen, entdecken den Tourismus als Wirtschaftszweig. Ein kleiner Anfang wurde in Istanbul mit der bis Samstag geöffneten "1. Tourismus-Messe Islamischer Länder" gemacht. Dabei sind die Aussteller in Istanbul unter der Devise "mehr Einnahmen aus dem Tourismus durch Erschließung neuer Märkte" angetreten.

"Luxus vom Feinsten"

In der nur zum Teil belegten Messehalle fanden sich vor allem die touristischen "Schwergewichte" ein: Marokko, Ägypten, Malaysia und natürlich die Türkei - mit 17,5 Millionen Touristen (Stand 2004) einsamer Spitzenreiter unter den OIC-Ländern. Zwar kommt die "Stammkundschaft" dieser touristisch schon weit entwickelten Länder überwiegend aus dem reichen Westen. Doch gerade deshalb sind die islamischen Nachbarn für sie als neue Märkte interessant.

Mit dem Label "Türkischer Luxus vom Feinsten" wirbt ein Hotelkomplex an der türkischen Ägäisküste. Ins Auge fällt eine Tafel mit einer Sure aus dem Koran, die auf die Schädlichkeit des Alkohols hinweist. Abgeschirmt von Männerblicken können die Damen im "Caprice Palace" in den Pool steigen oder sich auf einer nur für sie reservierten Terrasse sonnen. Luxus kombiniert mit Frömmigkeit, der augenscheinlich arabische Kundschaft ansprechen soll. "Unsere weiblichen Gäste werden unvergessliche Momente erleben", verspricht der Hotel-Prospekt.

"Mutter aller Schlachten"

Geradezu weltlich preist dagegen der syrische Reiseveranstalter "Ain Dara" sein "Hotel de Charme" in der Altstadt von Damaskus an, das im April nächsten Jahren in einem Haus aus dem 17. Jahrhundert eröffnet werden soll. "Davon gibt es bislang nur drei in Aleppo", verkündet Geschäftsführer Mamoun Al-Halabi stolz. Im Programm hat "Ain Dara" mehrtägige Touren durch Syriens mehrtausendjährige Geschichte. Sie lauten: "Durch Berge und Sand", "Fresken der Vergangenheit" oder "Odyssee in die Geschichte". Rund sechs Millionen Touristen besuchten 2004 Syrien, vier Fünftel kamen aus arabischen Ländern.

Hochglanzbroschüren liegen auch am Stand der Islamischen Republik Iran aus - und strafen das in London in Arabisch, Englisch, Französisch, Spanisch und demnächst auch in Deutsch erscheinende Magazin "Islamic Tourism" Lügen. "Islamische Tourismusunternehmen präsentieren ihre Produkte schlecht und kümmern sich wenig um internationale Promotion", heißt es in einem früheren Leitartikel des Herausgebers, eines irakischen Geschäftsmannes, der sich vehement für die Entwicklung eines "islamischen Tourismus" einsetzt: "Wenn die arabisch-islamischen Länder schon die politische Schlacht verloren haben, sollten sie nicht die touristische verlieren. Sie ist die Mutter aller Schlachten."

Ingo Bierschwale/DPA DPA

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