HOME

Rettungsgespräch abgebrochen: Chrysler steht vor dem Aus

Der angeschlagene US-Autobauer Chrysler kann eine Insolvenz offenbar nicht mehr verhindern. Die Verhandlungen zur Rettung des Unternehmens sind Medienberichten zufolge in der Nacht gescheitert. Die US-Regierung hatte Chrysler bis heute Zeit für ein Sanierungskonzept gegeben.

Die Gespräche über eine Rettung des US-Autobauers Chrysler sind offenbar gescheitert. Ein Insolvenzantrag noch am Donnerstag sei nun so gut wie sicher, berichtete das "Wall Street Journal" unter Berufung auf informierte Personen. Die Regierung gehe davon aus, Chrysler schnell durch die Insolvenz zu bringen und vom italienischen Fiat-Konzern übernehmen zu lassen. Alles könne möglicherweise binnen Wochen geregelt werden, hieß es unter Berufung auf mit den Diskussionen vertraute Personen.

Die US-Regierung hatte Chrysler bis heute Zeit für ein neues Sanierungskonzept gegeben, von dem sie weitere Hilfen für die ehemalige Daimler-Tochter abhängig macht. Unter anderem fordert sie von Chrysler ein Bündnis mit Fiat und massive Kostensenkungen.

Gleichzeitig hatte sich Washington schon seit Wochen auf eine Chrysler-Insolvenz vorbereitet. Fiat ist zwar bereit, bei dem maroden Autobauer einzusteigen und mit der Zeit auch eine Mehrheit zu übernehmen - will dabei aber kein Geld investieren. Insofern galt der Gang zum Insolvenzrichter bereits seit einiger Zeit als nötige Zwischenstufe, bevor die Italiener Chrysler in die Hand nehmen.

Die Gespräche über eine Rettung ohne Insolvenzverfahren seien daran gescheitert, dass Gläubiger nicht in dem Maße auf ihre Ansprüche verzichten wollten wie es Washington verlangte, schrieb das "Wall Street Journal". Chrysler schuldet den gut 45 Banken und Hedgefonds 6,9 Milliarden Dollar (5,2 Milliarden Euro). Vier große Gläubigerbanken, denen der Autobauer 70 Prozent seiner gesamten Verbindlichkeiten schuldet, hatten der Umschuldung bereits zugestimmt. Das Schicksal des Unternehmens hing jedoch an rund 40 Hedge Fonds, die zusammen etwa 30 Prozent der Gesamtschulden einklagen können. Der Deal sah vor, dass die Regierung für die Umschuldung insgesamt zwei Milliarden Dollar bereitstellt. Dafür wurden nach Angaben der Nachrichtenagentur AP am Mittwochabend noch einmal weitere 250 Millionen Dollar zugesagt. Die Gläubigerfonds hätten jedoch einen noch besseren Deal verlangt, was die Regierung abgelehnt habe.

Reuters/AP / AP / Reuters