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Effizienz von Elektroautos Stellantis-Chef Tavares kritisiert Elektromobilitäts-Strategie der EU scharf

Carlos Tavares hebt den Zeigefinger in die Luft
Carlos Tavares
© IP3press / Imago Images
Stellantis-Chef Carlos Tavares hat deutliche Kritik an der Elektromobilitäts-Strategie der EU geäußert. Er kritisierte, dass die Politik den Herstellern keine kreative Freiheit gelassen hätte und stellte die Effizienz von Elektroautos infrage.

Der Autokonzern Stellantis mit Marken wie Peugeot, Chrysler, Fiat und Opel verfolgt ein straffes Vorgehen zur Umstellung auf die Elektrifizierung seiner Flotte. Die Umstellung auf umweltfreundlichere Fahrzeuge erfolgt allerdings keineswegs so, wie es sich die Autoindustrie wünscht, bemängelt Stellantis-Chef Carlos Tavares. Die politischen Vorgaben hätten den Herstellern keine kreative Freiheit gelassen, andere Ideen einzubringen, kritisierte der Portugiese in einem Interview mit dem "Handelsblatt" und drei weiteren europäischen Zeitungen.

"Es gab billigere und schnellere Methoden zur Reduzierung von Emissionen", so Tavares. Der "Kampf" bestehe jetzt darin, die 50 Prozent an zusätzlichen Kosten für Elektroautos binnen fünf Jahren so weit wie möglich zu begrenzen. Das bedeute eine durchschnittliche Produktivitätssteigerung von zehn Prozent pro Jahr. Üblich ist laut dem Stellantis-Chef eine Steigerung von zwei bis drei Prozent jährlich. "Wir werden in ein paar Jahren sehen, welche Hersteller überleben und welche nicht. Und wir dürfen wie gesagt nicht das Risiko aus dem Blick verlieren, dass wir die Mittelschicht verlieren, wenn die keine Autos mehr kaufen kann."

Tavares: "Den ganzen Lebenszyklus von Elektroautos betrachten"

Und tatsächlich werde man erst in zehn oder 15 Jahren wissen, welche Ergebnisse die Elektrifizierung für die Reduzierung der Treibhausgasemissionen bringen werde. Denn man müsse den ganzen Lebenszyklus von Elektroautos betrachten. "Wir müssen auch über den CO2-Fußabdruck der Batterie sprechen. Beim europäischen Energiemix muss ein E-Auto 70.000 Kilometer fahren, um die schlechte CO2-Bilanz der Batterieherstellung auszugleichen und die Lücke mit einem Hybridauto zu vergrößern." Dabei stellt Tavares klar: "Und ein Hybridwagen ist halb so teuer wie ein E-Auto." Das Risiko steige, dass die Mittelschicht keine Autos mehr kaufen könne.

Tavares fordert schließlich, dass die staatlichen Subventionen bis mindestens 2025 aufrechterhalten bleiben. Stellantis habe bereits mit der Transformation sämtlicher Fabriken angefangen. "Ohne einen allmählichen Übergang werden die sozialen Folgen groß sein", warnte Tavares im Gespräch mit den Medien. "Und wir sind nicht allein: Wir haben ein ganzes System an Zulieferern um uns herum, die genauso schnell handeln müssen wie wir."

Chipkrise kann laut Stellantis-Chef mindestens bis Jahresende anhalten

Eine zusätzliche Herausforderung der Autoindustrie ist die anhaltende Chipkrise. Tavares geht davon aus, dass sie mindestens bis Jahresende andauern werde. Bei Stellantis betrugen die Auswirkungen auf das Produktionsvolumen weltweit 15 bis 20 Prozent, so Tavares. "Wir müssen unser Geschäftsmodell überprüfen und auch im Bereich der Entwicklung darüber nachdenken, wie wir uns in Zukunft vor diesen Problemen schützen."

Quelle: Handelsblatt

nk

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