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Riesenflugzeug A380: Bis zum Geldverdienen dauert's noch

Bis der in die Krise geratene Flugzeughersteller Airbus mit seinem Großraumflugzeug richtig Geld verdienen wird, dürften noch Jahre vergehen: Die Gewinnschwelle wird erst ab 420 verkauften Maschinen erreicht.

Aus einer Investorenkonferenz des Mutterkonzerns EADS in London sickerte ausßerdem, dass auch die Rendite zunächst geringer ausfallen dürfte, als ursprünglich erwartet. Dennoch gibt sich der europäische Luft- und Raumfahrtkonzern zuversichtlich für seine angeschlagene Tochter. Unterdessen setzte sich die Diskussion um einen möglichen Einstieg des Bundes bei EADS fort.

Erst ab 420 Maschinen gibt's Profit

EADS sprach von einem Verkauf von rund 420 Maschinen, ab dem die Gewinnschwelle erreicht werde. Bisher war die Marke von 270 Auslieferungen genannt worden. Aktuell liegt der Auftragsbestand für den A380 bei 159 Stück. Langfristig rechne Airbus weiter mit einer Auslieferung von 751 Riesenfliegern.

Damit dürfte es noch Jahre dauern, bis mit dem A380 Geld verdient wird. Das erste Serienflugzeug dieser Bauart soll dem jüngsten Auslieferungsplan zufolge erst in der zweiten Hälfte 2007 ausgeliefert werden. Für 2008 sei die Auslieferung von 13 Maschinen geplant. Ein Jahr später sollen 25 A380 die Endmontage verlassen, gefolgt von 45 Maschinen 2010. Die Marke von 420 Maschinen dürfte erst Jahre später erreicht werden. Die Rendite des A380-Programms werde nun voraussichtlich bei 13 Prozent liegen. 2005 hatte das Unternehmen noch eine Rendite von 19 Prozent in Aussicht gestellt.

Die Hoffnung stirbt zuletzt

"Ich bin sicher, dass Airbus zu alter Stärke zurückfinden wird", zeigte sich EADS-Co-Vorstandsvorsitzende Thomas Enders während des 4. Deutschen Luftverkehr-Kongresses in Berlin dennoch überzeugt. So sei geplant, dass Airbus im kommenden Jahr genauso viel Flieger wie im laufenden Jahr oder mehr auszuliefern werde, fügte er hinzu. Für 2006 bekräftigte er, dass insgesamt 420 bis 430 Airbus-Maschinen an Kunden übergeben werden sollen.

Der Bund der Deutschen Industrie (BDI) und der Bundesverband der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI) sprachen sich unterdessen gegen einen Einstieg des deutschen Staates bei der EADS aus. "Wir stehen einer staatlichen Beteiligung sehr skeptisch gegenüber", sagte Hans-Joachim Gante vom BDLI. Sein Verband präferiere eine privatwirtschaftliche Lösung. Er kenne nämlich kein Unternehmen, bei dem eine Staatsbeteiligung geholfen habe.

BDI gegen Staatseinstieg

BDI-Präsident Jürgen Thumann unterstrich die Auffassung des BDLI. Sein ordnungspolitisches Herz wende sich vollkommen gegen eine Staatsbeteiligung bei EADS. Vielmehr sollten sich beide Verbände darum kümmern, die Bundeskanzlerin und den Bundeswirtschaftsminister in ihrem Bestreben zu unterstützen, dass Frankreich und Spanien ihren Einfluss bei EADS reduzieren. Dies sei besser, als über einen Einstieg Deutschlands bei EADS nachzudenken, sagte Thumann. Sollte sich allerdings wegen der gegenwärtigen Schwierigkeiten kein Investor für EADS finden, würde der Verband eine befristete Lösung unterstützen, sagte der BDI-Präsident.

Ralf Beunink/DDP / DDP