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Währungskrise in Russland: Was der Rubel-Absturz für Deutschland bedeutet

Der Rubel verliert dramatisch an Wert. Das ist eine Katastrophe für die Russen - aber was bedeutet das eigentlich für uns? Das sind die Folgen des Währungs-Crashs.

Wegen der hohen Inflation ist der Rubel in Euro immer weniger wert

Wegen der hohen Inflation ist der Rubel in Euro immer weniger wert

Russland kämpft mit einer dramatischen Währungskrise. Der Rubel befindet sich im freien Fall, seit dem Sommer hat die russische Währung rund 60 Prozent an Wert verloren. Verzweifelt versucht die Regierung das Ruder herumzureißen: Sie erhöhte den Leitzins drastisch und kaufte selbst Rubel für zwei Milliarden Dollar, um die Währung zu stützen.

Schuld an der Krise ist vor allem der niedrige Ölpreis, denn Russland ist abhängig von den Einnahmen aus Öl-Verkäufen. Aber auch die Sanktionen des Westens wegen Putins Ukraine-Politik tragen zum Niedergang bei. Unternehmer halten sich angesichts der unsicheren Lage zurück, in Russland zu investieren.

Die Folgen für die russische Wirtschaft sind dramatisch, für 2015 befürchtet die russische Notenbank eine Rezession. Aber was bedeutet das alles für uns? Russland ist schließlich einer unserer größten Handelspartner. Was kommt von der Rubel-Krise bei uns an?

Sind deutsche Unternehmen betroffen?

Die deutschen Exporte Richtung Russland sind nach Brancheneinschätzungen in diesem Jahr um 20 Prozent zurückgegangen. Deutsche Firmen litten unter der "dramatisch sinkenden Kaufkraft" der Russen, sagte der Außenwirtschaftschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), Volker Treier, der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

Bei den Konsum- und Verbrauchsgütern steigen laut Treier derzeit die Umsätze zwar, weil russische Bürger Geld ausgeben, bevor es weiter an Wert verliert. "Diese Entwicklung wird jedoch befristet sein, bis Ersparnisse aufgebraucht sind", sagte Treier voraus. Zudem sind die in Rubel erzielten Erlöse deutscher Firmen in Euro gerechnet immer weniger wert.

Sind deutsche Arbeitsplätze gefährdet?

Weil die Aussichten im Russland-Geschäft für das kommende Jahr trübe sind, fahren einige Unternehmen ihre Investitionen zurück und sparen beim Personal. "Deutsche Autofabriken sind bereits seit einigen Wochen auf Kurzarbeit geschaltet oder entlassen Mitarbeiter", sagte Volker Treier von der DIHK.

Am Mittwoch kündigte auch der Lastwagenbauer MAN an, seine Beschäftigten wegen der schlechten Auftragslage vorzeitig in die Weihnachtspause zu schicken. Im Münchner Werk mit seinen 3500 Beschäftigen beginnt kommende Woche Kurzarbeit.

Auch den Maschinenbauern machen die Sanktionen gegen Russland und die Auswirkungen auf den Agrarsektor zu schaffen. So streicht etwa der Traktorhersteller Fendt zum 1. Januar 120 Stammarbeitsplätze und reduziert 450 Leiharbeitsstellen an seinen schwäbischen Standorten Marktoberdorf und Asbach-Bäumenheim.

Bricht unsere Konjunktur ein?

Eine schwere Rezession in Russland würde nach Ansicht des DIW-Instituts auch den Aufschwung in Deutschland bremsen. Wenn die russische Wirtschaft im nächsten Jahr um rund fünf Prozent schrumpfen würde, dann würde auch die Wirtschaft hierzulande weniger stark wachsen als bisher erwartet, erklärten die Ökonomen des DIW. Das Bruttoinlandsprodukt würde um 0,1 oder 0,3 Prozentpunkte langsamer steigen, sagte DIW-Experte Ferdinand Fichtner. "Das hätte aber keinen massiven Einbruch der deutschen Konjunktur zur Folge." Derzeit erwarten die Berliner Forscher 2015 ein Wachstum von 1,4 Prozent, nach 1,5 Prozent in diesem Jahr. 2016 rechnen sie mit einem Plus von 1,7 Prozent.

Droht uns eine neue Finanzkrise?

Einige Experten befürchten sogar einen russischen Staatsbankrott. Marcel Fratzscher, Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), sieht die Wahrscheinlichkeit bei etwa 33 Prozent. Von einer Pleite wären auch Deutschland, die Euro-Zone und viele Schwellenländer betroffen. "Zu glauben, dass Russland isoliert bleiben könnte, wird sich wohl als eine Illusion herausstellen", sagte Fratzscher.

Die Bankenaufsicht der EZB erwartet dagegen bislang kaum Auswirkungen auf die heimischen Kreditinstitute. "Wir denken, dass die Märkte für einige Tage, vielleicht einige Wochen nervös sein werden, deshalb sind die Aufseher wachsam und beobachten was passiert. Aber wir denken, dass die Schulden russischer Firmen bei den Banken eine Dimension haben, die keinen Anlass geben sollte, Probleme zu fürchten", sagte die Chefin der Aufsicht, Danielle Nouy, am Mittwoch im französischen Radiosender "Inter Radio".

Daniel Bakir/DPA/AFP/Reuters / DPA / Reuters