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Schifffahrt: Dänen verschärfen Streit mit Berlin um Scandlines

Das jahrelange Tauziehen um die künftige Struktur des deutsch-dänischen Fährunternehmens Scandlines weitet sich zu einem massiven politischen Streit aus. Dänemark sei mit «Geduld am Ende».

Der frühere Verkehrsminister und sozialdemokratische Oppositionssprecher Jacob Buksti sagte am Freitag in Kopenhagen, ein «völlig einiges Parlament» verlange von der Deutsche Bahn und Bundesregierung, ihr «absolut inakzeptables Verhalten mit Zickzackkurs und zweideutigen Verhandlungsstrategien» zu beenden. So solle der Weg für eine schnelle Klärung der künftigen Eigner- und Führungsstruktur freigemacht werden.

"Ernste politische Belastung"

«Wir Dänen sind mit unserer Geduld am Ende», sagte Buksti nach einer Sitzung des Verkehrssauschusses im Folketing. Das Verhältnis zwischen beiden Seiten sei fünf Jahre nach der Zusammenlegung derart zerrüttet, dass «man ja schon fast die Marine einsetzen muss, damit die Fähren überhaupt losfahren». Wenige Wochen vor einem Treffen von Bukstis rechtsliberalen Nachfolger Flemming Hansen und dessen deutschen Kollegen Manfred Stolpe am 11. März drohe der Streit um Scandlines zu einer «ernsten politischen Belastung» für das deutsch-dänische Verhältnis zu werden.

Harte Verhandlungen

«Wenn es bei dem Treffen auch keine Einigung gibt, müssen Bundeskanzler Gerhard Schröder und unser Ministerpräsident Anders Fogh Rasmussen den Konflikt persönlich lösen», sagte Buksti. Verkehrsminister Hansen quittierte die Stimmung im Ausschuss mit dem Satz: «Man hat mir zu verstehen gegeben, dass ich hart verhandeln soll. Darum werd ich mich denn auch bemühen.»

Missglückte Fusion

Die 1998 besiegelte Fusion der dänischen Staatsreederei DSB mit dem ebenfalls staatlichen deutschen Unternehmen DFO unter dem Dach der Bahn gilt seit längerem als missglückt. Neben permanentem Streit in der in Warnemünde angesiedelten Unternehmensleitung bis hin zu gerichtlichen Auseinandersetzungen berichten dänische Insider auch über ein teilweise vergiftetes Betriebsklima zwischen den 1.400 dänischen Beschäftigten und ihren knapp 1.000 deutschen Kollegen in Schleswig-Holstein sowie Mecklenburg-Vorpommern.

"Kulturelle Unterschiede"

Er habe viele groteske Beispiele für die «so genannte Zusammenarbeit» auf einem Scandlines-Schiff erlebt, bei denen es einzig und allein darum gegangen sei, die dänischen Mitarbeiter «psychisch in die Knie zu zwingen» berichtete ein Skandinavier von seinen persönlichen Erfahrungen. An der Unternehmensspitze konnte der deutsche Finanzchef Axel Bertram seinen Job im vorigen Jahr erst nach einer gerichtlichen Auseinandersetzung mit der dänischen Seite antreten. «Kulturellere Unterschiede» heißt die vornehme Kopenhagener Umschreibung für die tieferen Ursachen solcher Reibereien.

Deutsche: Arrogant und herrschsüchtig

Bei abgestellten Mikrofonen sind dann eher Begriffe wie «Arroganz» und «Herrschsucht» zu hören, wenn nach der Einschätzung der deutschen Partner bis hin zu Bahnchef Hartmut Mehdorn gefragt wird. Mehdorn hatte sich im letzten Herbst seinerseits höchst erzürnt über eine öffentliche Mitteilung aus dem Kopenhagener Verkehrsministerium gezeigt. Danach soll man sich schon weitgehend auf die komplette Übernahme der gesamten Reederei durch die dänische Seite geeinigt haben. Dass es dazu bis heute nicht dazu gekommen ist, verbittert wiederum die Kopenhagener Politiker. «Durch die deutsche Verzögerungstaktik werden erhebliche Werte höchst fahrlässig gefährdet», meint Buksti.

Lukrative Einnahmequelle

Scandlines ist die größte Fährreederei auf der Ostsee mit 20 Millionen Passagieren (2002). Vor allem dank des Monopols auf der lukrativen Fehmarn-Belt-Verbindung zwischen Puttgarden und Rødby hat sich das Unternehmen zu einer höchst lukrativen Einnahmequelle für die staatlichen Eigner entwickelt. Im letzten Jahr fuhren die Scandlines-Schiffe einen Gewinn von 50 Millionen Euro ein, was die gegenseitigen Aggressionen aber nicht gemindert hat. Als mögliche Auswege verhandeln beide Seiten über mehrere Varianten: die erneute Aufsplittung in zwei Reedereien, die Übernahme aller Anteile durch eine Seite, eine veränderte Führungsstruktur oder die Hereinnahme eines zusätzlichen Anteilseigner.