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Schiffsunfälle: Das neue Bermuda-Dreieck - hier sanken 2016 die meisten Schiffe

Die Allianz hat ausgewertet, wo im vergangenen Jahr die meisten Großschiffe gesunken sind. Besonders gefährlich ist eine Region im asiatischen Raum. Insgesamt gehen die Unfallzahlen zurück, doch die Studie warnt vor neuen Risiken.

Modern Express

Die "Modern Express" ist eines der größten verunglückten Schiffe des vergangenen Jahres. Sie geriet im Januar 2016 im Golf von Biskaya vor Frankreich in Seenot.

Wer hat nicht schon einmal vom berüchtigten Bermuda-Dreieck gehört? Das Seegebiet zwischen Bermudas, Puerto Rico und Florida hat den Ruf, für besonders viele mysteriöse Schiffs- und Flugzeugunglücke verantwortlich zu sein. Laut dem Schiffsunfall-Report der Allianz liegt das gefährlichste Seegebiet aber an ganz anderer Stelle.

In der maritimen Region um Südchina, Indochina, Indonesien und Philippinen ereigneten sich im vergangenen Jahr die meisten schweren Schiffsunglücke. Von den 85 verlorenen Fracht- und Passagierschiffen, die der Report aufführt, entfallen 23 auf das Seegebiet in Südostasien. Der Süden Chinas, mit seinem enormen maritimen Frachtaufkommen, ist schon seit Jahren die Region mit den meisten schweren Schiffsunglücken. Die Bermuda-Region dagegen ist laut dem Report in den vergangenen zehn Jahren überhaupt nicht auffällig geworden.

 Weitere elf Groß-Unglücke ereigneten sich 2016 vor den Küsten von Japan, Korea und Nordchina. Ähnlich viele Fälle, nämlich zwölf, gab es weltweit nur im östlichen Mittelmeer (inklusive Schwarzem Meer). Im Mittelmeer kamen auch mit Abstand die meisten Menschen zu Tode. Berücksichtigt wurden nur Schiffe mit einer Größe von mindestens 100 Brutto-Tonnen, da sich die Allianz als Versicherer vor allem für den wirtschaftlichen Schaden interessiert. Das Flüchtlingsdrama im Mittelmeer taucht auf dem Radar der Allianz daher nicht auf.

Weniger Fälle, aber neue Risiken

Bei den meisten verunglückten Schiffen handelt es sich um Frachtschiffe, aber auch acht große Passagierschiffe zählt die Unglückstatistik. Das mit Abstand größte Schiff (81.000 Brutto-Tonnen) ist die New Mykonos, die Ende Februar 2016 vor Madagaskar auf Grund lief und einige Wochen später sank. Die meisten Schiffe sanken übrigens an einem Freitag, während Samstag statistisch gesehen der sicherste Tag war.

Die positive Nachricht ist: Die 85 verlorenen Schiffe im Jahr 2016 sind der niedrigste Wert seit vielen Jahren. Noch 2015 waren 101 Schiffe gesunken oder hatten anderweitig Totalschaden erlitten. "Die maritime Sicherheit hat sich in den vergangenen Jahren dank kontinuierlich entwickelter Regulierung und der Entwicklung einer robusten Sicherheitskultur verbessert", heißt es in der Studie.

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Andererseits sehen die Studienautoren eine ganze Reihe neuer Risiken. So führten ökonomische Zwänge zu Kosteneinsparungen in der Branche. Viele Reedereien könnten sich gezwungen sehen, weniger und schlechter ausgebildetes Personal einzusetzen. Zudem berge auch der Trend zu immer größeren Schiffen Risiken. Gerät ein solches Mega-Schiff auf See in Schwierigkeiten, sei es viel schwieriger einen geeigneten Nothafen zu finden oder eine Rettungsoperation durchzuführen. Berechnet man mögliche Umweltschäden ein, könne der Verlust eines solchen Riesenschiffes Milliarden kosten.