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Schmiergeld-Affäre: Ex-Siemens-Topmanager verhaftet

Der Korruptionsskandal bei Siemens hat die Konzernspitze erreicht. Der erst im September ausgeschiedene Siemens-Vorstand Thomas Ganswindt ist verhaftet worden.

Thomas Ganswindt sitzt in Untersuchungshaft. Das teilte das bayerische Justizministerium mit. Der Ex-Siemens-Manager, der erst im September aus dem Vorstand des Unternehmens ausgeschieden ist, ist im Zuge der Schmiergeld-Affäre verhaftet worden. Nach einem Bericht von "Spiegel-Online" soll Ganswindt von zwei anderen Beschuldigten schwer belastet worden sein.

Ein inhaftierter ehemaliger Finanzvorstand der Telekom-Sparte (Com) habe dem Bericht zufolge ausgesagt, Ganswindt sei schon weit vor Anfang 2004 über das vermutete Schmiergeld-System informiert gewesen und habe es offenbar weiter geduldet. Ein anderer Beschuldigter habe ausgesagt, er habe Ganswindt geraten, die so genannten Provisionen zu senken, da es sonst strafrechtliche Probleme geben könne.

Ermittlungen gegen ein Dutzend Beschuldigte

Die Staatsanwaltschaft München ermittelt seit Mitte November in der Schwarzgeldaffäre gegen ein Dutzend Beschuldigte, mehrere davon sitzen in Haft. Sie sollen bei Siemens mehrere Millionen Euro abgezweigt und auf schwarze Kassen im Ausland geleitet haben. Die Ermittler gehen davon aus, dass das Geld für Schmiergeldzahlungen verwendet wurde. Den Behörden liegen mittlerweile mehrere Geständnisse vor.

Zweifelhafte Zahlungen in Höhe von 420 Millionen Euro

Der Konzern geht inzwischen von zweifelhaften Zahlungen in Höhe von 420 Millionen Euro aus. Als Folge der Affäre musste Seimens seine Ergebniszahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr nach unten korrigieren. Weitere Belastungen zum Beispiel durch Strafen oder Schadenersatzforderungen könnten auf den Konzern zukommen. Vorstandschef Klaus Kleinfeld kündigte am Dienstag eine lückenlose Aufklärung an. "Es geht um den Ruf des Hauses. Wir werden keine Kompromisse machen."

Mai/Reuters/DPA / DPA / Reuters