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ELEKTRO: Der Siemens-Konzern kommt nicht zur Ruhe

Deutschlands größter Elektrokonzern Siemens kommt derzeit nicht zur Ruhe. Nach der Ankündigung des Abbaus von 35.000 Stellen hing in den vergangenen Monaten der Haussegen schief.

Die Proteste von Betriebsrat und Gewerkschaften gipfelten in einer Demonstration vor der Konzernzentrale in der Münchner Innenstadt. Die Gemüter haben sich inzwischen etwas beruhigt. Doch an diesem Mittwoch (13. November) dürfte es bei der Vorlage der Zahlen für das Geschäftsjahr 2001/02 (30. September) weitere schlechte Nachrichten aus dem Hause Siemens geben.

Lausige Zahlen von Infineon

Die Zahlen, die Infineon am Freitag als erstes Mitglied der Siemens-Familie im DAX vorlegte, waren schon einmal ein Fanal. Der Halbleiter-Hersteller erlitt im abgelaufenen Geschäftsjahr einen überraschenden Milliardenverlust. Da Siemens-Chef Heinrich von Pierer auch im Hightech-Boom gegen die Empfehlung vieler Analysten an traditionellem Geschäft wie der Medizintechnik und der Energieerzeugung festhielt, wird es Siemens bei weitem nicht so hart treffen. Rote Zahlen werden nicht erwartet. Dennoch gibt es viele offene Baustellen. Analysten schätzen daher, dass sich der Gewinn im vierten Quartal verglichen mit dem Vorquartal (725 Mio Euro) nahezu halbiert haben könnte. Beim Umsatz wird im Jahresvergleich ein Rückgang erwartet.

Noch ein zuverlässiger Arbeitgeber?

Im Streit um den Stellenabbau ist es ruhiger geworden. Zwischenzeitlich war der Ruf von Siemens als besonders zuverlässiger Arbeitgeber in Gefahr. Doch Gewerkschaften und Betriebsrat erreichten, dass der Stellenabbau bei der Netzwerksparte ICN am Standort München unter anderem durch eine Arbeitszeitverkürzung abgemildert wird und etwa 1000 Stellen weniger wegfallen. »Inzwischen ist man bei Siemens wieder auf einem versöhnlicheren Kurs«, sagt Wolfgang Müller, Siemens-Beauftragter der IG Metall. »Das sind noch Welten, die Siemens von den Sitten bei amerikanischen Firmen trennen.« Pierer habe erst neulich betont, dass Siemens eine Seele habe. Auch für die Industriellen Dienstleistungen laufen derzeit Verhandlungen, am 18. November findet eine neue Verhandlungsrunde statt.

Größtes Sorgenkind bei Siemens ist die angeschlagene Netzwerk- Sparte ICN. Bereichs-Chef Thomas Ganswindt versucht, den Bereich mit eisernem Besen auf Vordermann zu bringen. Auf ICN entfällt der Großteil des Stellenabbaus bei Siemens. In den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres erzielte der Breich einen Verlust vor Steuern und Zinsen von 366 Millionen Euro. Von der Nachfrageseite erhält Ganswindt weiterhin keinen Rückenwind bei seinen Sanierungsbemühungen. »Wir wissen alle, wie es um die Finanzstärke der Telekomunternehmen steht«, beschrieb Infineon-Chef Ulrich Schumacher das Problem der gesamten Branche. Daher rechnen Experten damit, dass trotz der Einigung mit den Arbeitnehmern der Stellenabbau bei ICN weitergehen könnte. »Ganswindt wird die Stellen bei nächster Gelegenheit trotzdem streichen«, vermutet ein Münchner Analyst.

Energieerzeugung rettet Zahlen

Größter Ertragsbringer bei Siemens war zuletzt die Energieerzeugung. Der Bereich profitierte allerdings von einem Gasturbinen-Boom in den USA, der seinem Ende entgegengeht. Im dritten Quartal halbierte sich der Auftragseingang auf 1,65 Milliarden Euro. Weitere Belastungen sind unter anderem die Unterdeckung des Siemens- Pensionsfonds, die der Konzern kürzlich mit einer Kapitalspritze abmilderte. Zudem wurde in Medienberichten über Abschreibungen auf die Beteiligung an der US-Firma Efficient Networks spekuliert.

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