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Treffen in Berlin: Siemens zieht Zorn von Fridays for Future auf sich – und bietet Luisa Neubauer einen Job an

Siemens-Chef Joe Kaeser hat Fridays-for-Future-Aktivistin Luisa Neubauer einen Job angeboten. Darüber hinaus will der Konzern eine Entscheidung über die umstrittene Beteiligung am Ausbau eines australischen Kohlekraftwerks treffen.

Siemens-Chef Joe Kaeser und Friday-for-Future Aktivistin Luisa Neubauer nach ihrem Treffen in Berlin

Siemens-Chef Joe Kaeser und Friday-for-Future Aktivistin Luisa Neubauer nach ihrem treffen in Berlin

Sie soll einmal eines der größten Steinkohlebergwerke der Welt werden: die Mine Carmichael des indischen Industriekonzerns Adani im australischen Bundesstaat Queensland. Bis zu 60 Millionen Tonnen Kohle im Jahr sollen die Arbeiter nach dem Ausbau des Bergwerks über und unter Tage fördern, damit sie dann nach China, Indien und in weitere Länder gebracht und verbrannt werden kann. Diese Form der Stromerzeugung gilt als besonders schmutzig und klimaschädlich.

Queensland ist zwar rund 15.000 Kilometer von Deutschland entfernt und dennoch schlägt das Projekt hierzulande hohe Wellen. Denn es geht um ein globales Problem: die vom Menschen verursachte Erhitzung unseres Planeten – unter anderem verursacht durch das Verbrennen von Kohle.

Gespräch von Luisa Neubauer und Joe Kaeser

Am geplanten Ausbau der Mine will sich auch der deutsche Siemens-Konzern beteiligen – das Dax-Unternehmen hat daher den Zorn der Fridays-for-Future-Bewegung auf sich gezogen. Nun haben sich Klimaschutzaktivistin Luisa Neubauer und Siemens-Chef Joe Kaeser in Berlin zu einem Gespräch unter Ausschluss der Öffentlichkeit getroffen – über konkrete Inhalte wurde wenig bekannt.

"Langsamer Klimaschutz ist praktisch kein Klimaschutz": Luisa Neubauer rechnet mit dem Klimapaket ab

Nach dem Treffen kündigte Kaeser an, der Konzern werde bis Montag (13. Januar) über seine Lieferung für die Kohlemine entscheiden. Es gebe unterschiedliche Interessenlagen, von Aktionären, Kunden und auch der Gesellschaft, sagte Kaeser. Siemens müsse früher erkennen, wenn sich der Konzern an kritischen Projekten beteilige.

"Es war ein sehr gutes Gespräch über die Themen, die die Jugend zu Recht bewegen", sagte Kaeser weiter. Neubauers Mitstreiter Nick Heubeck sagte nach dem Gespräch: "Herr Kaeser steht dazu, dass dieser Vertragsabschluss letztes Jahr im Juli ein Fehler war." Kaeser zeigte sich kritisch dem eigenen Unternehmen gegenüber: "Wir machen eine ganze Menge Dinge, aber wir machen auch Fehler, das ist offenkundig. Wir sehen, dass wir auch indirekte Beteiligungen bei kritischen Projekten besser verstehen und frühzeitig erkennen müssen." 

Der Konzernchef machte zudem eine überraschende Mitteilung: Er habe Neubauer in einem Aufsichtsgremium in der neuen Gesellschaft Siemens Energy einen Sitz angeboten. Ob es der Aufsichtsrat oder ein anderes Gremium sei, könne Neubauer selbst entscheiden. "Ich möchte, dass die Jugend sich aktiv beteiligen kann. Der Konflikt zwischen Jung und Alt muss gelöst werden", sagte Kaeser. Er selbst unterstütze Fridays for Future. Neubauer äußerte sich zunächst nicht zu dem Jobangebot des Siemens-Chefs.

Fridays for Future kritisiert Siemens-Konzern

Begleitet wurde das Gespräch von Kaeser und Neubauer von Protesten vor Siemens-Büros in zahlreichen deutschen Städten. Am Hauptsitz des Konzerns in München übergaben die Aktivisten im Beisein von Hunderten Demonstranten nach eigenen Angaben fast 60.000 Unterschriften gegen das Minenprojekt an Siemens-Vertreter.

Der Münchener Technologiekonzern ist als Lieferant der Signalanlagen für die 400 Kilometer lange Eisenbahnstrecke vorgesehen, die die Mine mit dem Hafen von Abbots Point in der Nähe des Great Barrier Reefs verbinden soll. "Dieses digitale System sorgt für einen sicheren und effizienten Schienenverkehr", erklärte der Konzern in einer Mitteilung.

Die Fridays-for-Future-Bewegung und Dutzende weitere Umweltschutzgruppen kritisierten das Engagement Siemens' scharf. Das Unternehmen unterstütze damit in Australien "ein rückwärtsgewandtes Vorhaben und die Zerstörung unseres Planeten und unserer Zukunft", hieß es. "Der Bau neuer Kohleinfrastruktur steht im Widerspruch zu allen Ambitionen, das Pariser Klimaabkommen und das 1,5-Grad-Ziel einzuhalten, um einen lebenswerten Planeten auch für die Zukunft zu erhalten." Mit der Beteiligung am Carmichael-Projekt konterkariere der Konzern sein Versprechen, bis 2030 klimaneutral zu sein, erklärte die Klima-Allianz aus 130 Organisationen von Brot für die Welt über Verdi bis zum WWF.

Doch nicht nur aus Umweltschutzgründen steht der Konzern in der Kritik. Auch die Gesellschaft für bedrohte Völker in Göttingen protestiert gegen das Vorhaben. Die Mine in Queensland würde die Rechte indigener Völker verletzen. Es geht demnach um das Land der Wangan und Jagalingou. "Wenn die Mine wie geplant in Betrieb geht, werden die Auswirkungen auf die Wangan und Jagalingou katastrophal", warnte Referentin Yvonne Bangert.

Ausbau des Kohlekraftwerks genehmigt

Die Regierung von Queensland hatte Mitte Juni die Genehmigung für den von Adani vorgelegten Plan zum Grundwasserschutz erteilt und damit die letzte große Hürde aus dem Weg geräumt. Adani kündigte die Aufnahme der vorbereitenden Arbeiten an. Adani-Chef Gautam Adani hatte die Kohleförderung im Juli verteidigt: Die erneuerbare Energie sei gut fürs Land, "aber sie deckt unser Grundbedürfnis nicht". Auch Siemens verwies auf die Entscheidungen vor Ort: "Die Mine hat sämtliche erforderlichen Genehmigungen von den australischen Regulierungsbehörden erhalten – einschließlich strenger Umweltauflagen – und wird von den großen politischen Parteien des Landes unterstützt", schrieb das Unternehmen im Dezember und verteidigte die Lieferung der Signalanlagen für die Kohlezugstrecke: "Bis wir (...) in der Lage sein werden, alle fossilen Brennstoffe durch erneuerbare Energien zu ersetzen, ist die Welt auch weiterhin auf Kohle und andere fossile Energieträger angewiesen."

Bei dem Projekt am anderen Ende der Welt geht es für Siemens um 18 Millionen Euro. Nun wird sich entscheiden, ob das Unternehmen für das verhältnismäßig kleine Geschäft einen großen Imageschaden riskiert.

Offenlegung: Luisa Neubauer ist regelmäßige Kolumnistin beim stern.

Quellen: Siemens, Fridays for Future, Gesellschaft für bedrohte Völker, Nachrichtenagenturen AFP und DPA

wue
Wie lange ist die frist bei einer Kündigung?
Hallo Ich möchte gerne kündigen, da das Arbeitsverhältnis nicht mehr gegeben ist. Leider verstehe ich den Arbeitsvertrag nicht ganz. Auszug aus dem Vertrag: Paragraf 13 Kündigungsfristen: (1) das Arbeitsverhältnis kann beiderseitig unter Einhaltung einer frist von 6 Werktagen gekündigt werden. Nach sechsmonatiger Dauer des Arbeitsverhältnisses oder nach Übernahme aus einem Berufsausbildungsverhältnis kann beiderseitig mit einer frist von zwölf Werktagen gekündigt werde. (2) Die Kündigungsfrist für den Arbeitgeber erhöht sich, wenn das Arbeitsverhältnis in demselben Betrieb oder unternehmen 3jahre bestanden hat, auf 1 monat zum Monatsende 5jahre bestanden hat, auf 2 monate zum Monatsende 8jahre bestanden hat, auf 3 monate zum Monatsende..... (3) Kündigt der Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis mit dem Arbeitnehmer, ist er bei bestehenden Schutzwürdiger Interessen befugt, den Arbeitnehmer unter fortzahlung seiner bezüge und unter Anrechnung noch bestehender Urlaubsansprüche freizustellen. Als Schutzwürdige interessen gelten zb. Der begründete Verdacht des Verstoßes gegen die Verschwiegenheitspflicht des Arbeitnehmers, ansteckende Krankheiten und der begründete verdacht einer strafbaren handlung. Ich arbeite in einem Kleinbetrieb (2mann plus chef) seid 2 jahren und 3-4Monaten. (Bau) Seid ende November bin ich krank geschrieben. Was meinem chef überhaupt nicht passt und er mich mehrfach versucht hat zu überreden arbeiten zu kommen. Da mein zeh gebrochen ist und angeschwollen sowie schmerzhaft und ich keine geschlossenen schuhe tragen kann ist arbeiten nicht möglich. Das Arbeitsverhältnis ist seid längerem angespannt vorallem mit dem Arbeitskollegen. Möchte nur noch da weg! Wie lange ist nun die frist und wie weitere vorgehen? Ich hoffe es kann mir jemand helfen.