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Siemens-Chef: Joe Kaeser im stern: "Wer 40 Jahre Jahre gearbeitet hat, der soll im Alter würdig leben können"

Siemens-Chef Joe Kaeser spricht sich im stern für eine Grundversorgung im Alter aus, für höhere Spekulationssteuern, und er outet sich als "Jamaika"-Fan.

Siemens Chef Joe Kaeser

Siemens-Chef Joe Kaeser mischt sich in politische Debatten ein - auch gegen Rassisten und Rechtsradikale

AFP

Siemens-Chef Joe Kaeser fordert die Politik dazu auf, über eine Grundversorgung für ältere Menschen nachzudenken. Im stern sagte Kaeser: "Wer 40 Jahre lang gearbeitet hat und das Exportwunderland Deutschland aufgebaut hat, der soll im Alter würdig leben können." Wenn das die Rente nicht schaffe, dann müsse das System reformiert werden.

Kaeser: Spekulationsgeschäfte stärker besteuern

Zur Finanzierung schlägt Kaeser eine stärkere Besteuerung von Spekulationsgeschäften vor. Im stern sagte der Siemens-Chef: "Ich habe nichts gegen Hedgefonds und Hochfrequenzhändler, die das Vermögen der Reichsten vermehren. Aber ich bin dafür, dass diese Gewinne aus solchen Transaktionen höher besteuert werden und damit zur Gegenfinanzierung für die Altersversorgung der Bedürftigen verwendet werden. Denn die Frage lautet doch: Welchen gesellschaftlichen Wert stiften Firmen, die mit hunderttausenden von Mitarbeitern Milliarden erwirtschaften? Und was fließt von Aktivitäten zurück an die Gesellschaft, die mit wenigen hundert Beschäftigten auch Milliarden mit spekulativen und damit meist kurzfrist-getriebenen Transaktionen machen?"

Eine Steuer auf Roboter, die in den kommenden Jahren verstärkt in Fabriken eingesetzt werden, lehnt Kaeser ab: "Solche Steuern verhindern nur den Fortschritt. Von Innovationen profitieren alle. Man sollte sich aber aus meiner Sicht die Wirtschaftszweige ansehen, die wenig Nutzen für die breite Gesellschaft erzeugen." Siemens gehört weltweit zu den Marktführern beim Aufbau von digitalen Fertigungsanlagen – auch "Fabrik 4.0" genannt.

Kaeser sorgt sich um die Stabilität der Gesellschaft in Deutschland. Die Digitalisierung werde schon in den kommenden zehn Jahren jeden zweiten, vielleicht sogar jeden dritten Arbeitsplatz in Deutschland betreffen. In der "Fabrik 4.0" fallen Arbeitsplätze weg, neue Berufsqualifikationen seien dann gefordert. Kaeser warnt: "Wir müssen Wege finden, wie von der Vierten Industriellen Revolution möglichst alle profitieren. Sonst werden wir in Zukunft keine autonom fahrenden Elektro-Autos haben, sondern brennende."

Arbeitnehmern rät Kaeser aktiv zu werden. Wichtig sei es, zu erkennen, wohin sich eine Branche entwickelt, welche Qualifikationen künftig gefordert seien, wie und wo man sich fortbilden und qualifizieren könne. Und jeder Arbeitnehmer habe das Recht, von seinem Arbeitgeber auch zu hören, was sich in seinem Beruf in der Zukunft verändert und was an Fort- und Weiterbildung zur Verfügung steht.

Mit Blick auf die Regierungskoalition in Berlin sagte Kaeser: "Eine Jamaika-Koalition wäre ein Segen für unser Land gewesen. Wir hätten eine wunderbare Bandbreite von Kompetenzen in einer solchen Regierung: einen rechts-liberalen Flügel mit der FDP, eine Mitte mit den christ-sozialen Demokraten und mit den Grünen eine Bewegung, die für Ökologie, Europa und Offenheit in kniffligen Fragen wie der Migration steht. Damit hätte sich darin eine große Bandbreite der Wähler wiedergefunden, und der Platz an den rechten und linken Rändern wäre kleiner geworden. Außerdem hätten wir mit der SPD eine bürgerliche Opposition gesehen, die sich darüber hätte neu ordnen können."

Kaesers Jahresverdienst: 7,82 Millionen Euro

Siemens beschäftigt weltweit 378.000 Beschäftigte. Joe Kaeser verdient in diesem Jahr 7,82 Millionen Euro. Dem stern sagte er: "Davon gehen als Einkommensteuer und Soli etwa die Hälfte in die Staatskasse. Ich finde das im Übrigen in Ordnung und zahle diese Steuern ohne Murren in Deutschland." Kaeser arbeitet seit 38 Jahren bei Siemens, seit fünf Jahren ist der 61-Jährige Vorstandsvorsitzende. Sein Vertrag läuft 2020 aus.

Zur Laufzeit seines Vertrages sagte der Siemens-Chef, er habe noch zwei Jahre bis der derzeitige Vertrag ausläuft. "Das kann kürzer sein. Man weiß ja nie, was passiert. Das kann aber auch länger sein, wenn der Vertrag verlängert wird."

Das komplette Interview lesen Sie im stern-Sonderheft Das war 2018.