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Nachhaltigkeit: Siemens will Vorstandsgehälter von CO2-Ausstoß abhängig machen

Die Kritik von Umweltschützern an Siemens wegen einer Beteiligung am Bau eines Kohlebergwerks in Australien reißt nicht ab. Doch ausgerechnet jetzt will das Unternehmen die Vorstandsgehälter nun vom CO2-Ausstoß abhängig machen. Ein unglücklicher Zufall.

Siemens' Vorstandsvorsitzender Joe Kaeser

Siemens' Vorstandsvorsitzender Joe Kaeser

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Der 5. Februar 2020 soll für Siemens ein wichtiger Schritt in Richtung emissionsfreie Zukunft sein. Es ist der Tag der Jahreshauptversammlung. Die Aktionäre sollen an diesem Mittwoch darüber entscheiden, ob die Vorstandsgehälter künftig vom CO2-Ausstoß abhängen sein sollen.

Die Billigung sei eine reine Formalie, wie ein Sprecher der AG dem stern telefonisch bestätigte. Siemens will das Vergütungssystem für den Vorstand ändern, um es stärker an die nachhaltige Unternehmensentwicklung anzupassen, heißt es in einer Pressemitteilung. Mit anderen Worten: Die Bezahlung der Vorstandsriege um Chef Joe Kaeser soll steigen, wenn das Unternehmen unter anderem seinen CO2-Ausstoß verringert.

Ist es wirklich ein Schritt in Richtung Klimaschutz?

Auf den ersten Blick scheint die Neuerung ein großer Schritt in Richtung Klimaschutz zu sein. In weiten Teilen ist sie das auch. Allerdings muss dabei erwähnt werden, dass der CO2-Ausstoß nur die eigenen Standorte und Werke und nicht die Umweltbilanz der Kunden betrifft, wie ein Sprecher dem stern bestätigte. Zuvor hatte die "Welt" bereits darüber berichtet.

Auch die abgespaltene Siemens Energy wird nicht dazugezählt. Stattdessen errechnet sich die neue CO2-Komponente in Zukunft aus einem neu erstelltem ESG-Nachhaltigkeits-Index (Environment/Social/Governance). Dieser ergibt sich aus drei gleich gewichteten Kennzahlen: Reduktion der CO2-Emissionen, "Lernstunden pro Mitarbeiter" und der Kundenzufriedenheit. Das klingt nicht nur kompliziert, es ist es auch. Die Berechnungen und Erläuterungen der Vergütungsregeln sind derart komplex, dass dafür 30 Seiten im Geschäftsbericht benötigt werden.

"Die Neuausrichtung unseres Vergütungssystems ist ein weiterer wichtiger und konsequenter Schritt, die nächste Generation von Siemens nachhaltig zu gestalten", erläuterte Jim Hagemann Snabe, Aufsichtsratsvorsitzender der Siemens AG.

Siemens und das Kohleminenprojekt in Australien

Neu ist die Änderung des Vergütungssystems indes nicht. Siemens hatte diese bereits in einer Pressemitteilung Anfang Dezember des vergangenen Jahres verkündet. Angesichts der derzeitigen Proteste von Klimaschützern gegen die Beteiligung des DAX-Konzerns am Bau eines Kohlebergwerks in Australien lässt die Umstellung allerdings in einem anderen Licht stehen.

Greenwashing-Vorwürfe könnten nun laut werden. Kritiker könnten behaupten, es sei lediglich eine PR-Methode von Siemens, die darauf abziele, dem Unternehmen ein umweltfreundliches Image zu verleihen. Der Konzern sei sich darüber bewusst, sagte ein Sprecher dem stern und erwies deshalb noch einmal auf den Zeitpunkt der Ankündigung (Anfang Dezember) – und auf die bereits erreichten Ziele.

Die sprechen tatsächlich für sich. Siemens hat laut eigenen Angaben seit 2014 seine CO2-Emissionen um rund 41 Prozent gesenkt – von 2,2 Millionen auf 1,3 Millionen Tonnen im Geschäftsjahr 2019. Bis 2030 will das Unternehmen gar emissionsfrei sein. Ob Kritiker die Zahlen zufriedenstimmen werden, wenn sich Siemens weiterhin an solchen Projekten wie in Australien beteiligt, bleibt fraglich.

Der 5. Februar, der Tag der Jahreshauptversammlung, dürfte in jedem Fall spannend werden: Klimaschützer haben wegen der Beteiligung am Kohleminenprojekt bereits heftige Kritik und Proteste angemeldet.

Quellen: Welt / Siemens Pressemitteilung