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Größter Auftrag der Firmengeschichte: Siemens will den gesamten Irak mit Strom versorgen - klappt der Mega-Deal?

Der kriegszerstörte Irak soll wieder flächendeckend mit Strom versorgt werden und sucht derzeit Anbieter, die das Riesenprojekt stemmen können. Im Bemühen um den Zuschlag reiste Siemens-Chef Joe Kaeser in das Land und traf Ministerpräsident Haider al-Abadi. Die Zeichen stehen gut.

Siemens-Chef Joe Kaeser

Siemens-Chef Joe Kaeser will im Irak den größten Deal der Firmengeschichte abschließen

Picture Alliance / AP

Mit Unterstützung der Bundesregierung bemüht sich der deutsche Technologiekonzern Siemens um einen Großauftrag zum Wiederaufbau der Energieinfrastruktur im Irak. Siemens-Chef Joe Kaeser reiste am Wochenende persönlich nach Bagdad, um bei Ministerpräsident Haider al-Abadi für die Vergabe des Projekts zu werben, wie ein Sprecher des Münchner Technologiekonzerns am Sonntag mitteilte. Ziel sei es, eine Absichtserklärung auszuhandeln. Kaeser traf am Sonntag mit al-Abadi zusammen, mit dabei war auch Wirtschaftsstaatssekretär Thomas Bareiß (CDU).

Im Zuge des Wiederaufbaus des Irak soll das kriegszerstörte Land verlässlich elektrifiziert werden. Siemens will nach eigenen Angaben binnen vier Jahren die Stromversorgung von 23 Millionen Irakern sicherstellen. Dafür will der Konzern Energieerzeugungskapazitäten von elf Gigawatt aufbauen. Iraks Stromerzeugung würde dadurch um 50 Prozent steigen.

Siemens hat die Bundesregierung im Rücken

Kaeser sprach von einem "sehr konstruktiven Treffen" mit dem irakischen Ministerpräsidenten. Der Irak-Plan seines Konzerns werde "ganze Städte" rund um die Uhr mit Strom versorgen, tausende Arbeitsplätze schaffen und den Ausbildungsstand junger Leute fördern, erklärte er.

Beim Werben um das Projekt wird Siemens von der Bundesregierung unterstützt. An dem Treffen zwischen Kaeser und al-Abadi nahm nach irakischen Regierungsangaben auch Wirtschaftsstaatssekretär Bareiß teil. In dem Gespräch sei es um die "Zusammenarbeit in den Bereichen Energie, Bildung, Gesundheit und Arbeitsplätze" gegangen, teilte al-Abadis Büro in Bagdad mit.

Auch ein US-Hersteller drängt in den Irak

Damit Siemens den Zuschlag erhält, hat sich dem "Handelsblatt" zufolge sogar Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) persönlich in die Verhandlungen eingeschaltet. Weil sich auch der Siemens-Rivale General Electric, der im Ausland traditionell stark von der US-Regierung unterstützt wird, intensiv um den Auftrag bemühe, habe die Kanzlerin in dieser Woche al-Abadi angerufen und sich für das Siemens-Angebot eingesetzt, berichtete die Zeitung unter Berufung auf Regierungskreise. Das Milliardengeschäft soll demnach auch durch Hermes-Bürgschaften abgesichert werden.

Ein Zuschlag wurde noch nicht erteilt. Kaeser kündigte bei seinem Besuch in Bagdad eine Reihe von Initiativen an: So werde Siemens ein modernes Gesundheitszentrum spenden, 60 Millionen Dollar für Software-Schulungen an irakischen Universitäten bereitstellen und tausend jungen Irakern eine Berufsausbildung gewähren - letzteres unter Schirmherrschaft des Bundesentwicklungsministeriums.

Siemens freue sich auf den Abschluss einer offiziellen Vereinbarung und die Versorgung des Irak mit "erschwinglicher, zuverlässiger und nachhaltiger Energie", erklärte der Sprecher. Laut dem "Handelsblatt" geht es um einen hohen einstelligen Milliardenbetrag. Demnach handelt es sich um einen der größten Aufträge der Konzerngeschichte.

Bundeswehrsoldaten und Reporter Frederik Seeler sitzen an einem Tisch und trinken Bier
sve / AFP