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Schwarzer Donnerstag: Krise trifft Deutschland hart

Schlimmer Donnerstag für die deutsche Wirtschaft: Allianz, Dresdner Bank und Post schocken mit Milliardenverlusten, BASF will Mitarbeiter entlassen. Klar, dass solche Horrormeldungen nicht ohne Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt bleiben. Doch es gibt einen kleinen Hoffnungsschimmer.

Deutschlands Unternehmen kämpfen mit den Auswirkungen der Wirtschaftskrise. So hat Europas größter Versicherungskonzern Allianz im vergangenen Jahr wegen der Belastungen aus dem Verkauf des Sorgenkindes Dresdner Bank und aus der Finanzkrise einen Verlust von 2,4 Milliarden Euro eingefahren. Das ist erst der zweite Jahresverlust in der 119-jährigen Geschichte des Konzerns. Der Umsatz verringerte sich um 5,3 Prozent auf 92,5 Milliarden Euro. Ihre Dividende für das vergangene Jahr will die Allianz von 5,50 Euro im Vorjahr auf 3,50 Euro je Aktie kappen.

Einen Ausblick für das Krisenjahr 2009 wagt der Versicherer nicht. "Die schwierigen Bedingungen am Kapitalmarkt werden auch 2009 anhalten. Wir befinden uns im stärksten Wirtschaftsabschwung seit Jahrzehnten", erklärte Allianz-Chef Michael Diekmann. "Zuverlässige Aussagen über Erträge im Jahr 2009 sind in diesem Umfeld nicht möglich."

Auch der eigentliche Verlustbringer der Allianz, die mittlerweile verkaufte Dresdner Bank, kämpft mit Verlusten. Wegen Milliardenbelastungen durch die Finanzkrise und Abschreibungen infolge der Übernahme durch die Commerzbank sei unter dem Strich ein Verlust von 6,3 Milliarden Euro angefallen, teilte die Dresdner Bank am Donnerstag in Frankfurt mit. Im Vorjahr hatte das Institut noch 410 Millionen Euro verdient. Alleine im Abschlussquartal 2008 fiel ein Verlust von 3,9 Milliarden Euro an.

Im Privat- und Firmenkundengeschäft konnte die Bank noch einen operativen Gewinn erzielen, das Investmentbanking rutschte indes tief in die roten Zahlen. Die Finanzkrise schlug insgesamt mit Belastungen von 6,2 Milliarden Euro zu Buche, hinzu kamen Abschreibungen auf latente Steuern in Höhe von rund 1,3 Milliarden Euro. Diese stehen im Zusammenhang mit der Übernahme durch die Commerzbank, die im Januar über die Bühne ging.

Der Chemiekonzern BASF rechnet in diesem Jahr mit einem Umsatz- und Ergebnisrückgang und will weltweit mindestens 1500 Arbeitsplätze abbauen. Vorstandschef Jürgen Hambrecht sagte in Ludwigshafen: "2009 wird ein Jahr voller Herausforderungen werden, wie wir sie noch nicht erlebt haben." Die Lage auf den Absatzmärkten der BASF verschärfe sich, eine Trendwende sei derzeit nicht in Sicht. Der Chemiekonzern werde deshalb Anlagen und Standorte schließen. Damit sei der Arbeitsplatzabbau verbunden. BASF beschäftigt weltweit rund 97.000 Mitarbeiter. Für das laufende Geschäftsjahr rechnet Hambrecht mit einem Minus beim Umsatz und einem noch deutlicheren Rückgang des operativen Ergebnisses.

Post senkt Dividende

Den Reigen der Milliardenverluste hatte die Deutsche Post eröffnet: Sie hat erstmals in ihrer jüngeren Geschichte einen hohen Verlust eingefahren. Im vergangenen Jahr verbuchte der Konzern ein Minus von fast 1,7 Milliarden Euro. Der hohe Verlust kam vor allem durch das seit Jahren defizitäre US-Geschäft und den Fehlbetrag bei der Tochter Postbank zustande, berichtete der Vorstand. Dennoch sollen die Aktionäre eine Dividende erhalten. Sie soll mit 60 Cent je Aktie allerdings niedriger ausfallen als für das Jahr 2007, als die Post noch einen Gewinn von 1,38 Milliarden Euro ausgewiesen hatte und eine Dividende von 90 Cent ausschüttete. Der Post-Vorstand will für 2008 auf Bonuszahlungen verzichten.

Mit Sparmaßnahmen und einer neuen "Strategie 2015" will Post-Chef Frank Appel nach vorne blicken und sein Haus neu ausrichten. Bis Ende 2010 soll mindestens eine Milliarde Euro gespart werden.

Rekordverlust auch im Ausland

Noch schlimmer sieht es im Ausland aus: Die britische Royal Bank of Scotland (RBS) hat 2008 ein Minus von 24,1 Milliarden Pfund verbucht und so einen Rekordverlust in der Unternehmensgeschichte des Landes aufgestellt. Die mittlerweile verstaatlichte Großbank kündigte am Donnerstag zudem an, faule Wertpapiere im Volumen von 325 Milliarden Pfund (363 Milliarden Euro) auf Kosten der Steuerzahler gegen Zahlungsausfall versichern zu wollen. Der bisherige Minusrekord eines britischen Unternehmens stammt aus dem Jahr 2006. Damals hatte der Mobilfunkkonzern Vodafone einen Verlust von 15 Milliarden Pfund verbucht.

Dass sich die Schreckensmeldungen auch auf den Arbeitsmarkt auswirken, ist klar. So erstaunt es auch nicht, dass die Bundesagentur für Arbeit (BA) heute gestiegene Arbeitslosenzahlen verkünden musste: Um 63.000 ist die Zahl gegenüber dem Januar gewachsen. Aktuell sind demnach 3.552.000 Menschen ohne Job. Die Quote stieg auf 8,6 Prozent.

BA-Chef Frank-Jürgen Weise sagte, die drei wichtigsten Indikatoren des Arbeitsmarktes hätten sich negativ entwickelt: "Die Arbeitslosigkeit stieg, die Erwerbstätigkeit nahm ab und die Arbeitskräftenachfrage ging weiter zurück". Kurzarbeit habe diesem Trend stabilisierend entgegengewirkt. Die Zahl der Erwerbstätigen lag zuletzt (im Januar) mit 39,83 Millionen erstmals seit März des vergangenen Jahres wieder unter der 40-Millionen-Marke.

So weit, so schlecht. Doch im krassen Gegensatz zu den Horrormeldungen aus der Wirtschaft steht der jüngste Konsumklimaindex. Denn die deutschen Verbraucher zeigen sich von der tiefen Rezession überraschend wenig beeindruckt und sind weiterhin in Kauflaune. Stabile Preise und Kaufanreize wie etwa die Abwrackprämie hätten dafür gesorgt, dass sich das Konsumklima im Februar etwas aufgehellt habe, teilte die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) am Donnerstag in Nürnberg mit.

Rückzahlung der Pendlerpauschale hilft

"Die Konsumenten sehen ihre Kaufkraft gestärkt und schätzen folglich ihre Einkommensaussichten optimistischer ein", erklärte die GfK. Damit verstärkten sich die Anzeichen, dass der Konsum in diesem Jahr den Konjunktureinbruch etwas abmildern könne. Eine Ursache für die Kauflust sei vermutlich die Verabschiedung des zweiten Konjunkturpakets. Die Verbraucher erwarteten, dass dadurch die Binnenkonjunktur gestützt werden könne. Auch die Rückzahlung der Pendlerpauschale mit Erstattungen von teils mehr als 1000 Euro wirke sich positiv auf die Einkommensaussichten aus.

Der Gesamtindikator für das Konsumklima steigt laut GfK-Prognose im März auf 2,6 Punkte nach 2,3 Punkten im Februar. Der Haken an der Sache: Das Konsumklima ist aber auf einem zu niedrigen Niveau, um die stark rückläufigen Exporte und Investitionen voll kompensieren zu können.

DPA/AP / AP / DPA