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Gravierende Auswirkungen Schweinepest in Deutschland: Wird Fleisch jetzt teurer oder noch billiger?

Ferkel
Der Marktpreis für Schweinefleisch in Deutschland ist eingebrochen
© Getty Images
Die Afrikanische Schweinepest ist in Deutschland angekommen. Noch gibt es nur einzelne Fälle bei Wildschweinen, doch die Auswirkungen für die Fleischwirtschaft sind schon jetzt enorm.

Jäger, Landwirte und Fleischwirtschaft sind in heller Aufregung: Die Afrikanische Schweinepest hat ihren Weg nach Deutschland gefunden. Nach dem ersten Fund vergangene Woche folgten nun in Brandenburg fünf weitere offiziell bestätigte Fälle. Bei Wildschweinen wohlgemerkt. Doch eine weitere Ausbreitung, auch auf Hausschweine, wird befürchtet – und schon jetzt hat der Seuchenausbruch gravierende Auswirkungen.

Dabei ist die Afrikanische Schweinepest für den Menschen absolut ungefährlich, weil das Virus nicht auf den Menschen überspringt. Für Schweine ist es dafür umso tödlicher. In China, dem größten Schweinezuchtland der Welt, fielen im vergangenen Jahr rund 40 Prozent der Tiere der Seuche zum Opfer. Geschätzte 200 Millionen chinesische Schweine starben entweder direkt an dem Virus oder wurden zwangsgeschlachtet.

China stoppt deutsche Exporte

In die Lücke sprang vor allem die deutsche Fleischwirtschaft. China stieg im ersten Halbjahr 2020 zum weltweit wichtigsten Abnehmer für deutsches Schweinefleisch auf. 233.300 Tonnen Schweinefleisch wurden allein in diesen sechs Monaten nach China transportiert. Das entspricht rund 27 Prozent aller deutschen Schweinefleischexporte, doppelt so viel wie im Vorjahr.

Damit ist nun auf einen Schlag Schluss. Weil die Seuche nun auch hierzulande ausgebrochen ist, verbietet China jegliche Schweinefleisch-Einfuhren aus Deutschland. Auch andere Länder verhängten Importstopps. Die Fleischindustrie kostet das viele Millionen. Denn so viele Schweine wie in Deutschland gezüchtet und geschlachtet werden, können im eigenen Land nicht ansatzweise verkauft und verzehrt werden.

Preis für Schweinefleisch bricht ein, aber...

Das so entstehende Überangebot könnte paradoxerweise dafür sorgen, dass Fleisch hierzulande noch billiger wird. Der Marktpreis für Schweinefleisch ist bereits eingebrochen. Sollten die großen Handelsketten wie sonst üblich versuchen, dies an ihre Kunden weiterzugeben, könnten Billig-Angebote im Supermarkt die Folge sein.

Ob das wirklich so kommt, ist aber noch unklar. "Auf welche Weise sich der Preisdruck auf die Verbraucherpreise auswirkt, ist derzeit noch schwer abzuschätzen", sagt Thomas Vogelsang vom Bundesverband der Deutschen Fleischwarenindustrie (BVDF) zum stern. Er erwartet, dass auch die Produktion sich an die geringere Nachfrage anpassen wird, was den Preisdruck mindern könnte. Zudem gibt es weitere Faktoren, die einen gegensätzlichen Effekt auf die Preise haben könnten.

So erwarten manche Marktteilnehmer, dass die Fleischpreise in Deutschland nun sogar steigen werden, um das weggebrochene Chinageschäft zu kompensieren. "Die Schweinefleischpreise für Verbraucher werden durch den Afrikanischen-Schweinepest-Ausbruch in Deutschland eher teurer werden", erklärt der Verband der Fleischwirtschaft (VDF) auf Anfrage des stern. Denn gerade die Delikatessen, die in China am meisten Geld bringen, sind hier fast unverkäuflich. "Der Export von Teilstücken, die in Deutschland nicht mehr verzehrt werden, hat unter anderem zu den günstigen Verbraucherpreisen geführt", sagt auch Großschlachter Tönnies. "Jetzt fällt der Export von Öhrchen, Schnäuzchen und Pfötchen weg, so dass die Verbraucherpreise für die in Deutschland verzehrten Produkte teurer werden müssen." Laut VDF macht der Wegfall der lukrativen China-Delikatessen pro Schwein 25 Euro aus. "Die 25 Euro müssten jetzt mit den Erlösen im Heimatmarkt zusätzlich pro Schwein erzielt werden, um die Produktionskosten decken zu können."

Vor allem aber hoffen alle Beteiligten, dass sich die Afrikanische Schweinepest nicht weiter ausbreitet und schnell wieder besiegt werden kann. Der Deutsche Jagdverband und der Deutsche Bauernverband haben sich dafür ausgesprochen, Wildschweine in den betroffenen Gebieten an der deutsch-polnischen Grenze intensiv zu jagen, um eine Ausbreitung der Seuche zu verhindern. Die Umweltschutzorganisation WWF dagegen warnte, dies sei kein Allheilmittel, da das Virus auch durch Gegenstände und verarbeitete Lebensmittel weitergetragen wird.

Quellen: Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft / VDF / BVDF / Tönnies / Verbraucherzentrale

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