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Siemens-Hauptversammlung: Von Pierer räumt Fehler ein

Der oberste Siemens-Aufseher Heinrich von Pierer hat Fehler bei der Bekämpfung von Korruption während seiner Zeit als Vorstandschef zugegeben. Nicht nur deshalb, verspricht die Hauptversammlung turbulent zu werden.

Siemens-Aufsichtsratschef Heinrich von Pierer hat bei der Hauptversammlung des Unternehmens in der Münchner Olympiahalle Fehler in der Bekämpfung von Korruption in seiner Zeit als Vorstandschef des Technologiekonzerns eingeräumt. Er kündigte an, seine Mitgliedschaft im Prüfungsausschuss zur Aufklärung der Korruptionsaffäre teilweise ruhen zu lassen.

Im Vorfeld der Hauptversammlung vor zwei Jahren habe er noch als Konzernchef gesagt, er sei mit der Durchsetzung interner Kontrollregeln während seiner Amtszeit nicht zufrieden. Als Folge früherer Schmiergeldvorgänge in Italien habe er strenge Anti-Korruptionsvorschriften aufgestellt. "Wir waren uns sicher, dass wir aus den damals bekannt gewordenen Einzelfällen wirksame Konsequenzen hatte, um solche Dinge ein für alle Mal abzustellen", sagte Pierer am Donnerstag vor Aktionären. "Ich bedaure zutiefst, dass dies offenbar nicht in ausreichender Weise gelungen ist."

Zur Aufarbeitung der gegenwärtigen Schwarzgeld-Affäre, die während seiner Zeit als Konzernchef ihren Anfang nahm, werde er in jeder möglichen Weise beitragen. "Um nun aber auch jeden Anschein von Befangenheit zu vermeiden, habe ich bereits im Dezember den Vorschlag gemacht, dass ich an den Sitzungen des Prüfungsausschusses, die sich mit Ermittlungs- und Compliance-Themen befassen, nicht mehr teilnehmen werde", sagte Pierer. "Und so haben wir es gestern bei der Sitzung des Prüfungsausschusses bereits praktiziert." Damit erfüllt Pierer eine Forderung des Aktionärsverband Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW).

"In jeder Krise steckt auch eine Chance"

Siemens-Chef Klaus Kleinfeld kündigte an, das Regelwerk so zu verschärfen, dass es anderen Firmen als Beispiel dienen könne. "Ich bin auch der festen Überzeugung, in jeder Krise steckt auch eine Chance, und wir wollen, wir werden die Chance nutzen. Unser Ziel heißt, auch auf diesem Gebiet Vorbild für andere zu werden."

Aufsichtsratschef Pierer verteidigte erneut die 30-prozentige Gehaltserhöhung für Kleinfeld und seine Vorstandskollegen. Auch nach dem Einkommenssprung sei die Vergütung des Managements im Vergleich mit anderen Dax-Vorständen "bestenfalls durchschnittlich". Pierer kündigte allerdings an, die Einkommensentwicklung der Manager zu drosseln. "Wir werden in Zukunft Gehaltssprünge in dieser Dimension vermeiden", sagte er. "Wir werden bei Siemens nicht zum Treiber einer Entwicklung werden, die in der Gesellschaft zunehmend schwerer zu vermitteln ist."

Reuters / Reuters