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Sony BMG: EU-Gericht kippt nachträglich die Fusion

Sony BMG, immerhin zweitgrößter Musikkonzern der Welt, droht eine ungewisse Zukunft: Ein EU-Gericht hat die Genehmigung zur Fusion der Musiksparten von Sony und Bertelsmann aufgehoben. Jetzt bangen Warner und EMI um ihre Pläne.

Im Sommer 2004 war es soweit: Nach der Zustimmung durch die EU-Kommission und die US-Kartellbehörde FTC konnten die Bertelsmann-Musiksparte BMG und Sony Music ihre Fusion zum weltweit zweitgrößten Musikproduzenten abschließen. Knapp zwei Jahre später steht der entstandene Musikkonzern vor einer ungewissen Zukunft. Denn das Brüsseler EU-Gericht erster Instanz hob am Donnerstag die zuvor erteilte Genehmigung zur Fusion auf. Mit seiner Entscheidung unterstützte das zweithöchste EU-Gericht die Position der unabhängigen Plattenfirma Impala. Allerdings warfen die Richter gleichzeitig auch Impala vor, das Verfahren verzögert zu haben, und verurteilten das Unternehmen dazu, ein Viertel der Kosten zu übernehmen.

Monopolposition "nicht genug geprüft"

In der Urteilsbegründung hieß es, die EU-Wettbewerbshüter hätten 2004 nicht hinlänglich geprüft, ob das fusionierte Unternehmen eine Monopolposition habe. Das Verfahren muss nun möglicherweise neu aufgerollt werden. "Das heutige Urteil hat keine Auswirkungen auf den Bestand des Joint Ventures Sony BMG", hieß es bei Bertelsmann. "Das Gemeinschaftsunternehmen wurde bereits im August 2004 etabliert - nach einer gründlichen Prüfung der Europäischen Kommission gemäß der gültigen Fusionskontrollverordnung." Bertelsmann werde die Entscheidung sorgfältig prüfen und mit der Europäischen Kommission die nächsten Schritte besprechen. Die Kommission kann gegen die Entscheidung Berufung beim Europäischen Gerichtshof (EuGH) einlegen.

Sony BMG, an dem Sony und Bertelsmann jeweils 50 Prozent der Anteile halten, vereint unter seinem Dach Künstler wie Bruce Springsteen, Eros Ramazotti, Santana, Avril Lavigne und Alicia Keys. Nach Universal Music ist Sony BMG der zweitgrößte Musikanbieter weltweit. Beide Unternehmen kontrollieren jeweils etwa ein Viertel des weltweiten Musikmarktes. Weitere 30 Prozent teilen sich die beiden anderen verbliebenen "Majors" EMI und Warner Music. Die vier großen Musikunternehmen bringen drei von vier weltweit erscheinenden Platten heraus.

Fusion Warner und EMI wackelt

Bertelsmann kündigte an, das Urteil sorgfältig zu prüfen und mit der EU-Kommission die nächsten Schritte zu besprechen. Die Entscheidung des Gerichts könnte auch auch eine große Hürde für einen Zusammenschluss von Warner Music und EMI bedeuten. Die weltweit dritt- und viertgrößten Musikkonzerne haben rund 4,6 Milliarden Dollar geboten, um den jeweils anderen zu übernehmen, beide Konkurrenten lehnten das Angebot aber ab. Bei der Genehmigung der Fusion von Sony Music und BMG hatte die EU-Kommission angekündigt, alle weiteren Konsolidierungsschritte in der Branche sorgfältig zu prüfen.

Unterdessen war aus Kreisen bekannt geworden, dass Bertelsmann erwägt, sich von seiner 50-Prozent-Beteiligung am Gemeinschaftsunternehmen Sony Music teilweise zu trennen. "Im Wesentlichen geht es um die Hälfte jetzt und die Hälfte später", hatte eine mit der Situation vertraute Person gesagt. Der japanische Unterhaltungskonzern Sony muss nach der Joint-Venture-Vereinbarung jeder Veränderung der Anteile zustimmen.

AP/Reuters / AP / Reuters