Spontan Last-Minute erfüllt nicht jeden Wunsch


Bald ist Hochsommer und bislang haben nicht viele Deutsche eine Urlaubsreise gebucht. Der Trend zum Last-Minute-Urlaub erfordert aber auch viel Flexibilität.

2002 scheint zu einem guten Jahr für die Last-Minute-Anbieter zu werden. Spezialist L'tur in Baden-Baden zum Beispiel rechnet mit neuen Rekordzahlen. Doch auch die klassischen Kataloganbieter haben sich auf das zögerliche Buchen eingestellt. Die Rewe-Marken ITS, Jahn Reisen und Tjaereborg etwa erwarten 15 Prozent Kurzfristgeschäft mit Verkäufen binnen sechs Wochen vor den jeweiligen Reiseterminen - im Jahr 2001 waren es nur 8 Prozent. Dieser Trend zum Last-Minute-Urlaub erfordert von den Touristen allerdings viel Flexibilität: Nicht jeder Wunsch wird sich »auf den letzten Drücker« noch verwirklichen lassen.

Eine billige Variante

Experten sehen mehrere Gründe für diese Entwicklung: Die Entscheidung für oder gegen ein Urlaubsziel fällt heute spontaner, weil die Menschen zum Beispiel flexibler auf politische Veränderungen reagieren wollen. »Die Zeiten, in denen die meisten Leute schon ein halbes Jahr im Voraus gebucht haben, sind vorbei«, weiß Klaus Laepple, Präsident des Deutschen Reisebüro und Reiseveranstalter Verbandes (DRV) in Berlin. In diesem Jahr kommt ein weiterer Faktor hinzu: »Die Menschen haben weniger Geld zur Verfügung«, sagt Sabine Fischer, Tourismus-Expertin der Verbraucherzentrale Brandenburg in Potsdam. »Der Euro hat vieles teurer gemacht. Daher warten viele auf günstige Last-Minute-Reisen.«

Trotzdem nicht zu lange warten

Zu lange sollte allerdings niemand warten. Bereits am Anfang des Jahres war den Reiseveranstaltern klar, dass sie es mit einem Spätbucherjahr zu tun bekommen werden. Und schon auf der Internationalen Tourismus-Börse (ITB) Mitte März in Berlin hieß es, dass die Ferienmacher eher ihre Kapazitäten reduzieren werden - also Hotelbetten und Flugtickets zurückgeben -, als ihre Ware zum Schleuderpreis zu verkaufen. Dieses Konzept haben die Veranstalter umgesetzt, so Laepple: Zum Teil werden auch drei Tage vor Reiseantritt noch Flüge zusammengelegt. Eine Folge davon sind Zwischenlandungen auf dem Weg in den Urlaub. ITS, Jahn und Tjaereborg etwa haben 10 Prozent ihrer Flugkapazitäten im Juni zurückgegeben, sagt Sprecherin Anette Forr in Köln. 2001 waren es nur 6 Prozent.

Nicht jedes Ziel kurzfristig erhältlich

Die Konsequenzen für den Last-Minute-Markt sind klar: Trotz geringerer Langfrist-Buchungszahlen ist nicht jedes Ziel kurzfristig zu bekommen. »Die Last-Minute-Kunden erhalten nicht unbedingt das gewünschte Hotel zum gewünschten Termin«, warnt Laepple. Zum Teil werden Hotels in den Buchungssystemen gesperrt, obwohl sie längst nicht ausgebucht sind. Denn die Reisekonzerne verkauften jetzt eben lieber solche Hotels, an denen sie selbst finanziell beteiligt sind.

Massenziele wie Mallorca, die Türkei, Kreta, die Kanaren und Tunesien trifft diese Politik der Veranstalter kaum. Wer »Last Minute« dorthin verreisen will, hat weiter gute Karten, heißt es bei ITS/Jahn Reisen/Tjaereborg ebenso wie bei L'tur und bei Bucher Reisen, der Last-Minute-Marke des Reisekonzerns Thomas Cook in Oberursel (Hessen).

Weniger Flüge nach Griechenland

Schon enger sehe es bei den kleineren griechischen Inseln aus, zu denen es ohnehin weniger Flüge gibt. Und in letzter Minute nur schwer zu bekommen sein dürften Bulgarien- und Kroatien-Reisen. Diese Boomziele sind »fast ausgebucht«, so Laepple. Auch für Fernreisen gilt: »Wer zocken will, muss flexibel sein«, sagt Anke Dannler von Meier's Weltreisen in Frankfurt. Statt nach Mexiko geht es dann halt nach Kuba oder umgekehrt - Hauptsache Palmen und Strand.

Zehn Tage vorher Auswahl am größten

Klein ist die Last-Minute-Auswahl trotzdem nicht. Bei L'tur etwa waren Anfang Juni »so viele Reisen im Computer wie noch nie«, sagt Firmensprecherin Tanja Huber. Von luxuriösen Fincas auf Mallorca bis zu Ferienanlagen in Frankreich mit Anreise per Auto reicht dabei die Palette. Am größten ist die Auswahl in der Regel acht bis zehn Tage vor dem jeweiligen Reisetermin. Dass Menschen mit gepacktem Koffer, aber noch ohne Flug- und Hotelbuchung zum Flughafen kommen, wie es Anfang der neunziger Jahre »in« war, kommt dagegen kaum noch vor.

Ersparnis meist bei 30 Prozent

Das Warten bis zur wirklich letzten Minute lohnt sich auch von den Kosten her nicht: Anders als an der Börse fällt der Preis einer Reise nicht dadurch, dass ihr Termin immer näher rückt. Das gilt auch für das Last-Minute-Geschäft. Eine Ausnahme gibt es bei L'tur allein als »Super-Last-Minute« bei Verkauf ausschließlich nachts im Internet und nur in den letzten vier Tagen vor Reisebeginn, wie Huber erläutert. Last-Minute-Reisen sind in der Regel 10 bis 30 Prozent günstiger als vergleichbare Katalogangebote, sagen ITS-Sprecherin Forr und Asger Schubert von Bucher Reisen. »Last-Minute ist dabei kein «Teuro»-Produkt: Die Preise liegen auf oder leicht unter Vorjahresniveau. Und wir gehen davon aus, dass das den Sommer über so bleiben wird«, so Schubert.

Keine 'Katze im Sack' kaufen

Verbraucherschützer wie Sabine Fischer raten jedoch dazu, nicht nur auf den Pauschalpreis zu schauen: Einerseits könnten gestiegene Nebenkosten in den anderen Euroländern dazu führen, dass auch aus einem »Schnäppchen« ein teurer Urlaub wird. »Und zumindest sollte man sich den Katalog zeigen lassen, in dem die Reise ursprünglich mal drin war. Sonst kauft man die Katze im Sack«, warnt die Expertin, die grundsätzlich dazu rät, im Internet zwar nach günstigen Last-Minute-Reisen zu suchen, die Buchung selbst aber im klassischen Reisebüro vorzunehmen. Dort sollte dann danach gefragt werden, ob der Betrieb einen Computer mit Preisvergleichssystem hat, empfiehlt DRV-Präsident Laepple: »Ein gutes Reisebüro sollte so etwas haben.«


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