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Pauschalurlaub statt Billigflug bei hlx.de: Was taugt der neue Preisvergleich für Reisen?

Wer hat den günstigsten Reisepreis? Der neue Online-Veranstalter HLX verspricht einen Preisvergleich in Echtzeit. stern.de hat die Seite getestet. Noch läuft nicht alles rund.

Von Till Bartels

Mit dem Slogan "Fliegen zum Taxipreis" warb einst die Website hlx.com für günstige Flüge. Doch 2007 war Schluss mit Hapag-Lloyd Express (HLX). Aus dem mit viel Werbeaufwand etablierten knallgelben Billigflieger mit dem markanten New Yorker schwarz-weißen Taxistreifen wurde zusammen mit dem Ferienflieger Hapagfly die heutige Fluggesellschaft Tuifly. Auch noch fünf Jahre nach dem Ende der Liaison suchen täglich Hunderte User nach hlx.com im Internet.

Ein Grund für Touristiker, die Seite zu reaktivieren. Diese Woche ging www.hlx.com erneut an den Start. Nicht jedoch mit einem reinen Flugangebot, sondern mit einer neuartigen Buchungsmaschine für Pauschalreisen, die den Markt aufmischen will. "HLX ist die erste Reiseseite, die den Reisepreis direkt und online bei den anderen Veranstaltern vergleicht", so die Ankündigung zum Start am Nikolaustag. Treibende Kraft hinter der recycelten Website ist die L'Tur, der Marktführer für Last-Minute-Reisen in Europa.

Der große Preisvergleich

Doch was steht hinter dem vollmundigen Versprechen "bester Urlaub, bester Preis"? Zunächst eine neue Technik. Im Gegensatz zu anderen Reiseportalen im Internet greift HLX nicht auf einen oder wenige Datenlieferanten zurück, sondern vergleicht die Preisinformationen konkurrierender Veranstalter mit den selbst geschnürten Reisepaketen von Flug- und Hotelangeboten. Nach eigenen Angaben werden bei der Metasuche bis zu 200 Millionen mögliche Kombinationen von Angeboten in Echtzeit geprüft.

Die zweite Neuigkeit besteht in einem Dutzend Suchkriterien. Statt wie gewohnt nur das Wunschziel und den Reisezeitraum in die Maske einzugeben, gibt es eine an den Bedürfnissen der User orientierte Suche: nach Wünschen wie Strandurlaub, Single, Luxus, Romantik, Städtereise, Familie, Wellness, Gourmet oder Gay. Das ist praktisch, denn vielen Pauschalurlaubern ist die Reiseform wichtiger als das Ziel. Bei dieser emotionalen Suche lassen sich auch mehrere Kriterien miteinander verbinden. Weitere Auswahlkriterien sind die Anzahl der gewünschten Hotelsterne und die Kundenbewertung der Unterkunft. Dabei wird auf die Datenbank von Holidaycheck mit vier Millionen Hotelbeurteilungen zurückgegriffen.

Start mit Anlaufschwierigkeiten

In der Praxis erweist sich die neue Website aber noch als fehlerhaft. Erstes Beispiel: Zwei Personen möchten am 5. Mai 2012 für eine Woche ab München nach Mallorca in ein Drei-Sterne-Haus. Unter den vielen Ergebnissen wählen wir ein Appartement ohne Verpflegung in der Ferienanlage Blau Punta Reina in Porto Christo für 389 Euro pro Person aus. Erst mit einem weiteren Klick wird der Preisvergleich mit anderen Veranstaltern aktiviert. Nach einer Wartezeit von 15 Sekunden erfolgt die Antwort: "Na so was, Ihre Auswahl findet keine exakte Übereinstimmung mit anderen Angeboten in unserer Datenbank. Wir können natürlich nur Gleiches mit Gleichem vergleichen."

Also wählen wir eine andere Unterkunft aus, das Hotel Delta in Cabo Blanco auf Mallorca für 384 Euro. Beim Preisvergleich erhalten wir dieselbe Fehlermeldung. Wir probieren es ein drittes Mal: zurück zur Homepage. Vorsichtshalber löschen wir alle Cookies im Browser. Jetzt soll es vom 8. bis 22. Februar ab Berlin in ein Hotel mit vier Sternen in die Türkei gehen. Die Trefferliste zeigt 47 Ergebnisse, alle jedoch mit Abflug ab dem 15. Februar. Praktisch: Über zuschaltbare Kriterien wie All-inclusive oder Deluxe-Zimmer lässt sich die Anzahl auf acht Angebote reduzieren.

Die "kostenlose Hotline" ist nicht umsonst

Wir klicken auf das Barut Lara Resort an der türkischen Riviera zum Gesamtpreis für 916 Euro für zwei Personen, nachdem wir die Flugdaten nachträglich auf den Wunschtermin ändern konnten - eigentlich ein überflüssiger Schritt. Dieses Mal funktioniert auch der Preisvergleich: Nach Angaben von HLX bieten Öger Tours dieselbe Reise für 1482 Euro und Jahn Reisen für 1542 Euro an. Wie hoch der Preis auf den Homepages der beiden Veranstalter ist, ließ sich nicht ermitteln, da mit denselben Eckdaten die Hotels nicht ausgewiesen wurden.

Als wir ein weiteres Angebot ansteuern, sind wir zu spät: "Sorry, knapp daneben! Da hat doch in den letzten Minuten ein anderer Kunde das Angebot gebucht. Was können Sie tun?", vermeldet HLX. Es folgt die Nummer der "kostenlosen Hotline", die mit der Vorwahl 01805 beginnt und auch den korrekten Preis von 0,12 Euro pro Minute nennt und nicht gratis ist.

Vertauschte Emotionen

In einem weiteren Versuch checken wir die emotionale Suche, haben als Reisewunsch die Kombination von Strandurlaub, Luxus und Gay eingestellt. Bei der Suche für eine Woche Anfang Februar 2012 ab Hamburg gab es zwei Treffer: das Resort Jaz Makadi am Roten Meer und das Hotel Lucia in - Wien. Letztes liegt bekanntlich Hunderte von Kilometern vom Meer entfernt. Und warum das Haus in Ägypten besonders für Schwule geeignet sein soll, ging aus der Hotelbeschreibung nicht hervor. Fazit: zwei Mal Fehlanzeige. Dann lieber gleich die Seite eines Spezialveranstalters ansteuern.

Unser erster Eindruck: Eine Revolution im Reisemarkt sieht anders aus. Mit der Idee eines neutralen Preisvergleichs, der eigene Angebote mit denen fast aller Veranstalter abgleicht und die stundenlange Suche nach der günstigsten Pauschalreise auf weiteren Webseiten verkürzt, ist HLX auf dem richtigen Weg - einem langen allerdings. Noch ist die angekündigte Preistransparenz nicht gewährleistet. Der weltweit erste "voll-dynamische Reiseveranstalter" hat noch mit den Tücken der neuen Technik, der Integration von 160 Veranstaltern, 5000 Hotels und Partnern zu kämpfen.

Dass die Seite unter Anlaufschwierigkeiten leidet, wissen die Macher. "Wir arbeiten momentan mit Hochdruck an der Optimierung der Seite", sagt Janine Bock, die HLX-Marketingmanagerin, zu stern.de. Vorsichtshalber hat HLX auf der Homepage ein augenzwinkerndes Baby platziert, das zu Lob und Kritik animieren soll mit dem Hinweis: "Nach einem Jahr Vorbereitung sind wir da und werden das Baby schon schaukeln."

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