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Aschewolke lähmt Flugverkehr: Europa bleibt am Boden

Tausende gestrandete Touristen üben sich auf den Flughäfen in Geduld, wer kann, weicht auf die Bahn aus. Angela Merkel sitzt im Bus, und ein Ende des Stillstands ist vorerst nicht in Sicht.

Die Sperrung des deutschen Luftraums wegen der Aschewolke aus einem isländischen Vulkan ist nach Angaben der Deutschen Flugsicherung bis Sonntag, 08:00 Uhr, verlängert worden. Alle großen Reiseveranstalter mussten daher ihre Pauschalflugreisen vorerst absagen. Zu den zehntausenden gestrandeten Fluggästen zählten auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU).

Da der isländische Vulkan weiterhin Asche in die Luft bläst und nach einer Einschätzung des Deutschen Wetterdienstes sich die herrschenden Luftströmungen vorerst kaum ändern dürften, ist ein Ende der Flugverbote zunächst nicht absehbar.

Vom Atlantik bis nach Moskau und vom Polarkreis bis Italien waberte eine gigantische Aschewolke, während der Vulkan unter dem isländischen Gletscher Eyjafjalla nicht zur Ruhe kommt. Auf den drei größten europäischen Flughäfen - London-Heathrow, Paris-Roissy und Frankfurt am Main - waren keine Starts und Landungen möglich, zehntausende Passagiere waren gestrandet. Frankreich schloss einige Flughäfen sogar bis Montagmorgen.

Eurocontrol teilte in Brüssel mit, dass am Samstag von den geplanten 22.000 Flügen nur 6000 stattfinden würden. In 17 europäischen Ländern sei der Flugverkehr am Samstagmittag vollständig unterbrochen gewesen. Möglich waren Flüge demnach lediglich nach Rom, in Spanien, auf dem südlichen Balkan, in Bulgarien, Griechenland und der Türkei.

Reiseveranstalter sagen Flugreisen ab

Der Flughafen Hamburg stellte seinen Betrieb bis Sonntag 14:00 Uhr ein. Davon sind einer Sprecherin zufolge knapp 300 Starts und Landungen mit weit über 20.000 Passagieren betroffen. Zudem sagten alle großen Reiseveranstalter Flugreisen ab. Die zur Rewe-Gruppe zählenden Reiseveranstalter Dertour, Meier's Weltreisen, ADAC Reisen, ITS, Jahn Reisen und Tjaereborg stoppten zunächst alle Flugreisen am Samstag. Dies galt auch für die FTI Gruppe mit den Anbietern FTI, Gold by FTI, 5vorFlug, LAL Sprachreisen und sonnenklar.TV.

TUI stoppte überdies alle Flugreisen bis Sonntagmorgen 10:00 Uhr. Alle Betroffenen können den Veranstaltern zufolge ihre Reisen kostenlos umbuchen oder erhalten ihr Geld zurück. Gäste, die derzeit in ihren Urlaubshotels auf ihre Rückflüge nach Deutschland warten, werden vor Ort von den jeweiligen Reiseleitern betreut.

Merkel weicht auf den Landweg aus

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), die am Freitag bei der Rückreise aus den USA in Portugal gestrandet war, flog am Samstag von Lissabon nach Rom weiter. Wie ein Regierungssprecher mitteilte, wollte sie mit ihrer Delegation von dort mit Kraftfahrzeugen auf dem Landweg weiter in Richtung Deutschland reisen, Regierungskreisen zufolge legt sie dabei einen Zwischenstopp in Südtirol ein.

Die fünf in Afghanistan verletzten und am Freitagabend bis nach Istanbul ausgeflogenen Soldaten mussten unterdessen weiter am Bosporus ausharren. Zwei von ihnen sollten dort zunächst weiter im amerikanischen Krankenhaus der Stadt behandelt werden. Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU), der die Soldaten begleitete, sollte zumindest bis Samstagnachmittag in Istanbul bleiben. Seine Weiterreise sowie die der drei übrigen Soldaten blieb zunächst offen.

Auch für andere Reisende hatte die Aschewolke unvorhersehbare Folgen. Sängerin Whitney Houston musste statt im Flieger per Fähre von England nach Irland fahren, um dort ihre Tour fortzusetzen. In den Transitzonen der deutschen Flughäfen warteten viele Menschen ohne Visum auf ihre Weiterreise, ohne dass sie den Flughafenbereich verlassen dürfen.

BDF fordert Aufhebung des Nachtflugverbots

Der Bundesverband der Deutschen Fluggesellschaften (BDF) bat um die Aufhebung der Nachtflugbeschränkung für eine Woche, sobald die Flugsicherung den Luftraum wieder freigegeben habe. Um zehntausende fest sitzende Passagiere so schnell wie möglich an ihre Ziele zu bringen, zähle dann "jede Stunde, die wir fliegen dürfen - auch nachts", erklärte BDF-Geschäftsführer Michael Engel. Die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen (ADV) ging davon aus, dass es nach einer Freigabe des Luftraums "einige Tage" dauern wird, bis der Flugbetrieb wieder normal läuft.

Zahlreiche Reisende versuchten auch am Samstag, mit der Bahn an ihr Ziel zu gelangen. Die Deutsche Bahn setzte deshalb erneut mehr Personal und Züge ein. Die Aschewolke aus dem isländischen Vulkan wandert seit Mittwoch über Europa. Sie kann die Triebwerke von Flugzeugen zum Stillstand bringen und die Fenster blind machen, weil sie wie ein Sandstrahl wirkt.

P.S. Sitzen auch Sie wegen der Vulkanaschen-Wolke fest? stern.de hat auf Facebook eine Info-Börse gestartet. Hier können sich Reisende, die Alternativen wie Fahrgemeinschaften, Kombi-Bahnfahrten und ähnliches suchen, austauschen. Oder einfach auch ihre Erlebnisse schildern: www.facebook.com/stern

AFP/DPA/DPA

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