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Springer-Hauptversammlung: Aktionäre attackieren Döpfner

Der Kauf des Postdienstleister Pin war ein Desaster für Axel Springer. Bei der Hauptversammlung griffen die Aktionäre den Vorstandschef Mathias Döpfner scharf an. Der gestand zwar Fehler ein, schob aber der Politik die Schuld zu. Der Mindestlohn im Brief-Sektor habe das Pin-Geschäft ruiniert.

Wegen des gescheiterten Einstiegs in das Brief-Geschäft haben Aktionäre dem Axel-Springer-Vorstand Versagen vorgeworfen. Die Beteiligung am Dienstleister Pin sei viel zu teuer gekauft worden und habe das Unternehmen mehr als eine halbe Milliarde Euro gekostet, kritisierten sie bei der Hauptversammlung in Berlin. Einzelne Aktionäre legten Springer-Chef Mathias Döpfner den Rücktritt nahe. Der räumte zwar erneut ein, der Einstieg bei Pin sei aus heutiger Sicht ein Fehler gewesen. Allerdings sei der staatlich beschlossene Mindestlohn im Brief-Sektor, der das Pin-Geschäft ruiniert habe, nicht vorhersehbar gewesen. "Hinterher ist man immer klüger", sagte Döpfner. Springer erwägt Schadenersatzklagen gegen das frühere Pin-Management und den Bund.

Risiko völlig unterschätzt

Die abgeschriebene Beteiligung an der inzwischen insolventen Pin hatte Springer 2007 mit 288 Millionen Euro tief in die roten Zahlen getrieben. Im Kerngeschäft konnte der Konzern aber weiter zulegen. Aktionärsvertreter der Deutschen Schutzvereinigung für Wertbesitz (DSW) und der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) attestierten Döpfner Erfolge im operativen Geschäft. Dass die Deutsche Post über den Mindestlohn gegen Konkurrenz geschützt werden würde, sei in der Tat überraschend gewesen, nahmen sie Döpfner in Schutz.

Andere Aktionäre warfen dem Vorstandschef jedoch vor, das Risiko eines Mindestlohns völlig unterschätzt zu haben und zudem die unprofitable Pin viel zu teuer gekauft zu haben. "Gekauft wurde eine Idee und eine Baustelle", kritisierte einer.

Konzentration auf das Kerngeschäft

Kritik zogen auch die Gehaltssteigerungen des Vorstands von knapp 40 Prozent auf sich. Aufsichtsratschef Giuseppe Vita rechtfertigte dies mit den in den vergangenen fünf Jahren kaum gestiegenen Festgehältern sowie mit dem starken operativen Geschäft. Auch die Rekorddividende von vier Euro je Aktie stieß vor dem Hintergrund des Verlusts 2007 auf Skepsis.

Nach dem Ausstieg aus Pin will sich der Konzern nun weiter auf Online-Medien und die Ausweitung des internationalen Geschäfts konzentrieren. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) soll den Vorjahreswert übertreffen - allerdings bereinigt um Sondereffekte von rund 36 Millionen Euro. Im vergangenen Jahr hatte Springer ein Ebitda von 470 Millionen Euro ausgewiesen. Auch der Jahresumsatz von zuletzt 2,58 Milliarden Euro soll 2008 steigen.

Reuters / Reuters