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Steuerzahlergedenktag Bis heute haben wir nur für den Staat gearbeitet

Steuerzahlergedenktag
Es ist Steuerzahlergedenktag - bis zum 19. Juli arbeiten wir nur für staatliche Abgaben
© Ismailciydem/gettyimages
Am 19. Juli ist in diesem Jahr Steuerzahlergedenktag - solange mussten wir rechnerisch nur für Steuern und Sozialabgaben arbeiten. Die Belastungen sind auf einem Rekordhoch. Von jedem verdienten Euro bleiben nur 45,4 Cent übrig.

Herzlichen Glückwunsch, ab jetzt verdienen Sie Geld. Denn bis in die frühen Morgenstunden haben Sie bislang nur für den Staat gearbeitet, zumindest rechnerisch, so der Bund der Steuerzahler (BdSt). Jedes Jahr errechnen die Experten den Steuerzahlergedenktag - in diesem Jahr ist er besonders spät. Das heißt: Die Einnahmen des Staaten aus Steuern und Abgaben sind auf einem Rekordhoch.

Konkret bedeutet das: "Von jedem verdienten Euro bleiben somit nur 45,4 Cent zur freien Verfügung übrig", sagt der Präsident des Verbandes, Reiner Holznagel. 54,6 Cent landen beim Staat. Damit sind die Abgaben so hoch wie nie. Das liegt zum einen daran, dass immer mehr Menschen den Spitzensteuersatz zahlen müssen. 2,3 Millionen Steuerzahler entrichteten 2005 den maximalen Steuersatz, so die "Welt". Inzwischen sind es 3,7 Millionen. "Es darf nicht sein, dass Facharbeiter mit Berufserfahrung oder gut verdienende Angestellte in den Spitzensteuersatz rutschen, ohne tatsächlich Topverdiener zu sein. Denn der Spitzensteuersatz greift heute bereits beim 1,3-fachen des Durchschnittseinkommens eines Vollzeiterwerbstätigen", sagt BdSt-Präsident Reiner Holznagel. Der Verband fordert eine Reform des Einkommensteuertarifs. Der Spitzensteuersatz solle erst ab einem Jahreseinkommen von 80.000 Euro und mehr greifen.

Steuern und Sozialabgaben

Ein weiterer Grund für die höheren Abgaben seien die steigenden Sozialabgaben. Die Pflege-, Kranken,- Arbeitslosen-, und Rentenversicherung machen allein 21,3 Cent aus, die von jedem verdienten Euro abgezogen werden. Mehr als ein Fünftel unserer Abgaben sind also für die soziale Sicherung reserviert. 

Die übrigen Steuern schlagen insgesamt mit 33,3 Cent pro verdientem Euro zu Buche. Allein 9,8 Cent macht die Mehrwertsteuer aus, 12,8 Cent die Lohn- und Einkommenssteuer sowie der Soli. Aber auch Abgaben, die nicht gleich ersichtlich sind, prangert der BdSt an. Milliardenschwere Abgaben auf Wasser und Gas und für die EEG-Umlage (insgesamt 23 Milliarden Euro) belasten die privaten Haushalte.

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Staat treibt Wohnkosten

Der Bund der Steuerzahler fordert daher, dass der Soli abgeschafft wird, um Bürger zu entlasten. Auch die Wohnkosten müssten reduziert werden. Da die Mieten bedrohlich steigen, sieht der BdSt vor allem bei den Wohn- und Kaufnebenkosten Optionen zur Kostenreduzierung. "Ob Grundsteuer, Grunderwerbsteuer, hohe Stromnebenkosten oder steigende Müllgebühren: Der Staat ist der Kostentreiber Nummer 1 für Miete oder Eigenheim", so der Bund der Steuerzahler. "Statt Mieter, Eigentümer und Investoren mit immer neuen Vorschriften und höheren Belastungen zu gängeln, sollte der Gesetzgeber für steuerlich günstiges Wohnen sorgen."

Bund erwartet Rekordeinnahmen durch Steuern

In diesem Jahr sollen die Steuereinnahmen des Bundes auf ein Rekordhoch ansteigen und die Grenze von 300 Milliarden Euro überschreiten. Bund und Länder können sich nach Schätzung 2017 über insgesamt 732,4 Milliarden Euro Steuereinnahmen freuen. Im vergangenen Jahr lag dieser Wert noch bei 705 Milliarden Euro. 


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