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Jedes vierte "mangelhaft": Stiftung Warentest warnt: Diese Produkte für Kinder sind gefährlich

Ob Laufräder, Kindersitze oder Baby-Spielzeug: Die Stiftung Warentest hält jedes vierte Kinderprodukt in Deutschland für gefährlich. Bei welchen Produkten Schadstoffe und Unfallgefahren ein Problem sind.

Getty Images

Damit an Heiligabend Kinderaugen leuchten, gehen in den Wochen vor dem Fest wieder besonders viele Produkte für Kinder über den Ladentisch. Die Stiftung Warentest aber mahnt zur Vorsicht: Die Verbraucherschutzorganisation hält Produkte für Kinder in Deutschland für besonders unsicher. Regelmäßig fallen bei den Warentestern Kinderprodukte wegen Schadstoffen oder Unfallgefahren durch.

Pünktlich zur Weihnachtsshoppingzeit haben die Warentester nun noch einmal alle Tests von Kinderprodukten  der vergangenen zwei Jahre ausgewertet. Das Ergebnis: Von 278 Produkten aus 15 Tests sind 79 ein Sicherheitsrisiko. Das entspricht 28 Prozent. Insgesamt liegt der Anteil mangelhafter Produkte bei Warentest-Untersuchungen nur bei 7 Prozent.

"Kinderprodukte schneiden also in puncto Sicherheit deutlich schlechter ab als alle anderen Konsumgüter", sagt Hubertus Primus, Vorstand der Stiftung Warentest. "Sie bergen Unfallgefahren, sind schadstoffbelastet oder versagen bei der Datensicherheit."

Dass Kinderprodukte bei Warentest besonders oft durchfallen, hängt auch damit zusammen, dass die Tester hier besonders strenge Richtlinien ansetzen, die häufig über die gesetzlichen Regelungen hinausgehen. Stiftungsvorstand Primus lobt zwar die EU-Spielzeugrichtlinie, die für viele Produkte ein vernünftiges Schutzniveau definiere. "Das Problem aber sind die Produkte, die nicht unter diese Richtlinie fallen, aber von Kindern ebenfalls intensiv genutzt werden." 

Reportage: So sieht es im geheimen Prüflabor der Stiftung Warentest aus

Welche Kinderprodukte Stiftung Warentest in den vergangenen zwei Jahren aus welchen Gründen kritisiert hat, zeigt der folgende Überblick:

Laufräder

Für die aktuelle Ausgabe der Test-Zeitschrift untersuchten die Warentester 15 Laufräder. Nur drei wurde gut bewertet, 11 fielen wegen Schadstoffen in Griffen, Sätteln oder Gummireifen mit "mangelhaft" durch.

Baby-Spielzeug

Vor einem Jahr nahmen die Tester erste Spielzeuge für die ganz Kleinen unter die Lupe. Ein Greifspielzeug aus lackiertem Holz und eine Wagenkette mit Gummischnur wiesen im Labor zu hohe Schadstoffwerte auf. Zudem fielen zwei Schnullerketten durch Strangulationsrisiko beziehungsweise verschluckbare Kleinteile unangenehm auf.

Spielschleim

Bei einem Test von glibberigem Spielschleim fielen alle fünf Produkte wegen Schadstoffen durch. Sie enthielten zu viel Borsäure, die nicht nur für die faszinierende Konsistenz des Schleims sorgt, sondern auch zu Durchfall und Erbrechen führen kann.

Smartes Spielzeug

Ganz andere Probleme gibt es bei smarten Robotern und Teddys mit Spracherkennung. Die ungesicherte Funkverbindung macht sie laut Warentest zu Spionen im Kinderzimmer. Bei zwei Kandidaten im Test sei es Fremden ohne großen technischen Aufwand möglich, sie aus der Nachbarwohnung fernzusteuern und darüber mit den Kindern zu kommunizieren. Dieses Grusel-Szenario hat gerade erst der ARD-Tatort mit seiner Folge über einen mordenden Weihnachtsmann, der sich über sprechende Puppen Zutritt zum Haus seiner Opfer verschafft, durchgespielt.

Babyphones

Auch einigen Babyphones attestiert Warentest erhebliche technische Mängel, insbesondere den Baby-Webcams mit Handy-App. Diese warnten Eltern nicht zuverlässig bei einem Verbindungsabbruch. Wenn es blöd läuft, ist auf dem Bildschirm sogar weiterhin ein friedlich schlafendes Kind zu sehen, obwohl dieses längst weinend im Bett steht. Mehr dazu lesen Sie hier

Kinderhochstühle

Hochstühle finden sich in jedem Kinderhaushalt. Doch nur 3 der 20 getesteten Stühle wollte Warentest empfehlen. Elf Kandidaten hielten die Warentester sogar für gefährlich - sieben wegen zu vieler Schadstoffe im Sitzpolster und vier wegen Unfallgefahren. Mehr dazu hier

Schulbedarf

Buntstifte, Filzstifte und Tintenpatronen fielen beim Test im Sommer reihenweise durch. Zwölf Produkte erhielten wegen zu hoher Schadstoffbelastung die Note "Mangelhaft". Sie enthielten Stoffe, die Krebs erzeugen oder Allergien auslösen können.

Autokindersitze

Bei den regelmäßigen Tests von Autokindersitzen gibt es ebenfalls immer wieder Durchfaller. Beim jüngsten Test in diesem Jahr bestand ein Exemplar den Crashtest nicht, zwei weitere fielen durch die Schadstoffprüfung. Mehr dazu lesen Sie hier


Fahrradkindersitze

Beim 2018er Test von Fahrrad-Kindersitzen fielen drei von 17 mit "mangelhaft" durch, weil sich das Gurtschloss zu leicht öffnen ließ oder Schadstoffe enthalten waren. Immerhin: 9 von 17 Sitzen waren "gut". Mehr dazu hier

Kindermatratzen

Jede zweite Kindermatratze bewerteten die Tester "mangelhaft", weil sie in der Sicherheitsprüfung durchfiel. Sie waren allesamt zu weich, sodass Babys und Kleinkinder so tief einsinken können, dass ihnen das Atmen schwerfällt.

Kinderwagen

Der Kinderwagentest aus dem vergangenen Jahr sorgte vor allem für Aufsehen, weil mit dem Bugaboo der teuerste Wagen durchfiel. Er war ebenso wie drei weitere mit zu vielen Schadstoffen belastet.

Buggys

Von zwölf getesteten Buggys fielen drei Modelle durch, weil zu hohe Schadstoffmengen in Sitzbezug, Schiebergriff oder Regenschutz gefunden wurden.

Alle Infos der Stiftung Warentest zu mangelhaften Kinderprodukten finden Sie hier