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Streit bei VW: Piëch bereut Berufung von Pischetsrieder

Ein paar Rüffel musste VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch verkraften, danach gab es für den einflussreichen Großaktionär Streicheleinheiten auf der Hauptversammlung. Doch dann irritierte er mit einer Aussage zum ehemaligen VW-Chef die Zuhörer.

"Zu spät habe ich erkannt, den Falschen gewählt zu haben", sagte Piëch in Hamburg auf der Hauptversammlung mit Blick auf den ehemaligen Vostandsvorsitzenden Bernd Pischetsrieder. Piëch war 2002 vom Vorstandsvorsitz in den Aufsichtsrat gewechselt und hatte den früheren BMW-Chef Pischetsrieder zu seinem Nachfolger gemacht.

Pischetsrieder musste im November 2006 sein Vorstandsamt abtreten und wurde durch den Audi-Vorstandsvorsitzenden und Piëch-Vertrauten Martin Winterkorn ersetzt. Piëch sagte, er habe ursprünglich schon 2002 den damaligen Entwicklungschef Winterkorn als seinen Nachfolger im Auge gehabt. Er habe aber Hemmungen gehabt, "jemanden der mir fachlich und menschlich nahe steht, damals als meinen Nachfolger vorzuschlagen".

Zuvor gab es einige Rüffel für den VW-Aufsichtsratschef, aber auch Streicheleinheiten: Hans-Georg Martius von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) sagte, Piëch sei zu VW einst als Konzernchef in der Krise gekommen und das Unternehmen habe danach gute Jahre gehabt. "Letztes Jahr haben Sie uns Porsche gebracht", fügte der Aktionärsvertreter unter Applaus der Anleger hinzu.

Familie statt Heuschrecke

Zwar sei er "überhaupt nicht zufrieden" über die Corporate Governance bei VW. Wegen des guten Ergebnisses werde die SdK sich bei der Abstimmung über die Entlastung und Neuwahl des Aufsichtsrats enthalten. "Piëch missachtet die Corporate Governance, er herrscht von oben", sagte Martius am Rande der Hauptversammlung. "Aber nun haben wir mit Porsche ein Familienunternehmen und keine Heuschrecke als Großaktionär. Das ist das Beste, was uns als Aktionären passieren kann. Auch das Ergebnis von VW sieht gut aus, daran hat Piëch mitgewirkt."

Ränke, Zwist und Machtkampf waren in diesem Jahr kein Thema mehr in der VW-Führungsspitze. Piëch hat die von ihm selbst vor mehr als einem Jahr begonnene Schlacht gewonnen. Auch in den kommenden fünf Jahren wird er die Geschicke bei Europas größtem Autoproduzenten wesentlich kontrollieren und mitbestimmen. Seine Widersacher hat der gewiefte Taktiker alle aus dem Feld geschlagen. Scharfe Kritik von Kleinanlegern und Aktionärsschützern ändert daran nichts und konnte die Harmonie auf dem Podium kaum stören.

Die neue Allianz der beiden Großaktionäre markiert das Ende eines beispiellosen Kleinkrieges, dem Bernd Pischetsrieder und auch VW-Markenvorstand Wolfgang Bernhard zum Opfer gefallen waren. Anfang des Jahres gab auch Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) nach und beugte sich der Übermacht von Piëch und der Porsche-Familie, die inzwischen mehr als 30 Prozent der Aktien hält. Wulff hatte vor allem Piëchs Doppelrolle als Kontrolleur und Großaktionär kritisiert. Das Land Niedersachsen hält gut 20 Prozent Anteile.

FTD