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Volkswagen: Winterkorn erntet fremde Früchte

Volkswagen ist wieder auf einem guten Weg, das Sanierungsprogramm des geschassten Top-Duos Pischetsrieder und Bernhard zeigt Wirkung. Die Ernte fährt allerdings Neu-Chef Martin Winterkorn ein - und will gleich weitere Veränderungen.

Der Name des früheren Chefsanierers Wolfgang Bernhard fällt kein einziges Mal, Ex-Konzernboss Bernd Pischetsrieder ist nur noch ein Befehlsempfänger. Dafür lässt der Neue umso mehr die Muskeln spielen: Seit Anfang Januar ist Martin Winterkorn VW-Chef, am Freitag auf der Bilanz-Pressekonferenz zeigte er deutlich, wer nun der starke Mann in Wolfsburg ist. Mit Volldampf will er Volkswagen auf Wachstumskurs bringen, den Autobauer profitabler machen, ein neues "Modellfeuerwerk" zünden - dabei erntet Winterkorn die Früchte des Konzernumbaus, den sein Vorgänger Pischetsrieder und der ehemalige Chef der Kernmarke VW, Bernhard, eingeleitet haben.

Guter Start für Winterkorn

Und so war es ein guter Start für den neuen VW-Vorstandschef Martin Winterkorn: Bei seiner ersten Bilanzpräsentation auf dem Chefsessel von Europas größtem Autobauer glänzte der 59-Jährige mit einem guten Ergebnis, erhöhter Gewinnprognose und ersten Erfolgszahlen für das laufende Jahr. Winterkorn sagte am Freitag bei der Bilanzvorstellung erstmals, dass ein Überschreiten der Zielmarke von 5,1 Milliarden Euro möglich sei. Die Belohnung folgte prompt: Die VW-Aktie sprang auf ein Allzeithoch von rund 102 Euro.

Dass die Erfolge vom früheren Konzernchef Bernd Pischetsrieder und seinem Chefsanierer Wolfgang Bernhard erarbeitet worden waren, trübte die gute Stimmung nicht. "Wiko", wie der neue Chef auf den Werksfluren genannt wird, erwähnte seine Vorgänger von sich aus mit keinem Wort. Erst als er gefragt wurde, was der immer noch in VW-Diensten stehende Pischetsrieder denn nun so tue, rang der Schwabe sich eine Antwort ab: Der Vorgänger werde den Vorstand bei der Gestaltung des Lkw-Geschäftes beraten und ansonsten Aufgaben erfüllen "die wir ihm geben".

Grundlage legten Pischetsrieder und Bernhard

Winterkorn fährt nun die Ernte ein, die Pischetsrieder und Bernhard mit ihrem Sanierungsprogramm bei der Marke VW gesät hatten: Der neue Konzernchef hob die Gewinnprognose an. Im Jahr 2008 werde das Ergebnis vor Steuern "mindestens 5,1 Milliarden Euro betragen". Im Jahr 2006 lag der vergleichbare Wert ohne die Einmalaufwendungen des Jobabbaus knapp über 4 Milliarden Euro. Kein Wunder: Die Verbesserung der Kostenstrukturen und die Abschaffung der Vier-Tage-Woche zeigen Wirkung. Die Kernmarke VW hat 2006 beim Ergebnis drastisch zugelegt und ist nicht mehr weit vom allerdings weitaus profitableren Top-Ertragsbringer Audi entfernt. In Wolfsburg ist ein neuer Optimismus eingekehrt. Und: Winterkorn sagte dem derzeit erfolgreichsten Autobauer der Welt, Toyota, den Kampf an - Toyota sei der Hauptkonkurrent von Volkswagen.

Auch bei den kommenden neuen Autos kann sich Winterkorn auf die gute Vorarbeit stützen: 2007 kommen neue Varianten des Golf, etwa der Kombi, der kleinen Geländewagen Tiguan, bei Audi das Coupe A5, der Sportwagen R8 und eine neue A4-Limousine. Seat bringt eine neue Variante des kleinen Fabia. Alle diese Autos wurden zu Zeiten von Pischetsrieder auf den Weg gebracht, als Winterkorn noch Audi leitete. Mit den neuen Modellen soll der Konzern nun auch beim Absatz neue Höhen erreichen: Er sei zuversichtlich, "die Auslieferungen an Kunden 2007 leicht steigern zu können", sagte Winterkorn. Schon 2006 war mit 5,73 Millionen Stück ein Absatzrekord erzielt worden. Der kräftige Gewinnzuwachs der nächsten Jahre soll vor allem aus der Sanierung der Marke Volkswagen kommen.

Wolfsburg peilt Auslastung von 90 Prozent

Die Rechnung geht so: Die Werke, vor allem die deutschen, werden besser ausgelastet. Dadurch steigt bei gleichzeitig sinkendem Personalstand die Produktivität, die Stückkosten fallen. Das Stammwerk Wolfsburg soll bis 2008 eine Auslastung von 90 Prozent erreichen. Die Montagezeit in Wolfsburg für den Golf ist schon jetzt von rund 50 auf 30 Stunden gefallen, sagte ein Firmenvertreter. Erste Erfolge hat Winterkorn schon vorzuweisen: Bis Ende Februar stiegen die Auslieferungen trotz eines schwachen Heimatmarktes weltweit 8,3 Prozent auf 862.000 Fahrzeuge. Neue Märkte wie Russland und Indien, aber auch China sollen den Absatz trotz der deutschen Marktschwäche beflügeln.

Das harte Sanierungsprogramm hat allerdings nicht nur VW einen kräftigen Gewinnanstieg beschert, sondern sich auch für die Sanierer im Vorstand persönlich ausgezahlt: Der frühere VW-Markenchef Wolfgang Bernhard erhielt ein Jahresgehalt für 2006 von 3,1 Millionen Euro, 93 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Der frühere Konzernchef Bernd Pischetsrieder bezog 3,53 Millionen Euro, 24 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Sie profitierten dabei vor allem von Aktienoptionen. Die Bezüge von Neu-Konzernchef Martin Winterkorn waren im Jahr 2006 um acht Prozent auf 1,93 Millionen Euro stiegen.

AP/Reuters / AP / Reuters