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Volkswagen: Arbeitnehmer wollen Piech halten

Neuer Zündstoff bei Volkswagen: Betriebsratschef Bernd Osterloh hat sich für einen Verbleib des umstrittenen Aufsichtsratschefs Ferdinand Piëch an der Spitze des Kontrollgremiums ausgesprochen.

VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh plädiert für einen Verbleib von Aufsichtsratschef Ferdinand Piech im Kontrollgremium des Wolfsburger Autobauers. Piëch sei ein "ausgewiesener Autofachmann", sagte Osterloh am Sonntag am Rande der der US-Automesse in Detroit. Er würde es begrüßen, falls Piëch, dessen Amtszeit mit der Hauptversammlung im April endet, im VW-Kontrollgremium bleibe. Ob Piech auch Aufsichtsratschef bleiben solle, ließ Osterloh offen. Das sei nicht Sache der Arbeitnehmer. Wenn Piech von der Kapitalseite im Aufsichtsrat vorgeschlagen werde, "können Sie sich darauf verlassen, kriegt er die zehn Stimmen der Arbeitnehmerbank", kündigte Osterloh an. Die Arbeitnehmer stellen die Hälfte der VW-Aufsichtsräte. Der Kapitalseite steht durch den Vorsitzenden eine Stimme mehr zu. Piechs Amtszeit als Aufsichtsratschef endet mit der Hauptversammlung in diesem Frühjahr.

Bekanntes Szenario: IG Metall gegen Wulff

Mit dem Plädoyer für Piech geht VW-Aufsichtsratsmitglied Osterloh offen auf Konfrontationskurs zu Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff. Der CDU-Politiker, der dem Kontrollgremium ebenfalls angehört, hatte wiederholt gefordert, dass sich Piëch 2007 aus dem VW-Aufsichtsrat zurückziehen solle. Wulff ist vor allem die Doppelfunktion von Piëch, der zugleich Miteigentümer von VW-Großaktionär Porsche ist, ein Dorn im Auge. Wulff sieht darin eine Verletzung der Grundsätze der guten Unternehmensführung. Der CDU-Politiker vertritt das Land als zweitgrößter VW-Eigner im Aufsichtsrat. Die Familien Piech und Porsche kontrollieren alle stimmberechtigten Aktien des Stuttgarter Sportwagenkonzerns, der seit Kurzem fast 30 Prozent an Volkswagen hält.

Der Konflikt zwischen Wulff und Piech war im November eskaliert, als Piech VW-Chef Bernd Pischetsrieder aus dem Amt drängte und dafür den bisherigen Audi-Chef Martin Winterkorn als Konzernchef durchsetzte. Piech war es gelungen, die Arbeitnehmer im einflussreichen Aufsichtsratspräsidium zu gewinnen. Piech, der Pischetsrieder selbst als Konzernchef nach Wolfsburg geholt hatte, wirft seinem Nachfolger zu zögerliches Verhalten vor. Piech war bis 2002 selbst Chef von Europas größtem Autobauer.

2007 sollte "neutraler Manager" kommen

Wulff, der Pischetsrieders Kurs bei VW unterstützt hatte, sah sich im Aufsichtsratspräsidium einer Front gegenüber. Am Ende war die Abstimmung in dem sechsköpfigen Gremium sechs zu null gegen Pischetsrieder ausgegangen, wie Aufsichtsratskreise berichtet hatten.

Vor einem Jahr hatten sich Wulff und Porsche-Chef Wendelin Wiedeking als Vertreter der VW-Großaktionäre darauf geeinigt, dass im Frühjahr 2007 ein "neutraler Manager" und kein Vertreter von Porsche Nachfolger Piëchs als VW-Aufsichtsratschef werden soll. Wulff hatte zudem gesagt, er gehe davon aus, dass Piëch 2007 komplett aus dem VW-Aufsichtsrat abtrete. Wiedeking hatte aber im Dezember mehr Einfluss für Porsche bei VW gefordert. Bei der Neubesetzung des Gremiums müsse Porsche als Großaktionär "mindestens drei" statt bisher zwei Sitze in dem Gremium besetzen. Ob Piëch als Porsche-Vertreter gelten müsse, sei eine "Interpretationsfrage". Wulff sieht dies so.

Mit den Bossen im Jet nach Amerika

Neben Wiedeking ist bisher Porsche-Finanzchef Holger Härter Mitglied des VW-Aufsichtsrats. Porsche ist mit 27,4 Prozent der Stimmrechte größter VW-Aktionär und hat im November angekündigt, den Anteil auf 29,9 Prozent weiter aufzustocken.

Osterloh sagte in Detroit, er befürworte eine starke Rolle Piechs bei VW. Piech sei ein ausgewiesener Autofachmann. Dabei spiele es für ihn keine Rolle, wie groß der Anteil von Porsche an VW sei. "Mir ist egal, wem dieses Unternehmen gehört. Hauptsache es hat Erfolg." Denn nur dann seien die Arbeitsplätze bei Volkswagen gesichert. Osterloh war nach eigener Aussage zusammen mit Piech und dem neuen VW-Chef Martin Winterkorn im Firmenjet nach Detroit geflogen, wo er an der Pressekonferenz von Audi teilnahm. Am Rande der Messe sprachen die drei vermutlich auch den Kurs für die Aufsichtsratssitzung nächsten Donnerstag ab.

Winterkorn plant wieder zentralere Führung

Osterloh äußerte sich wenige Tage vor mit Spannung erwarteten Sitzungen des VW-Führungszirkels. Am Mittwoch will der neue VW-Konzernchef Martin Winterkorn im Aufsichtsratspräsidium einen möglichen Umbau der Konzernstruktur vorstellen, bevor am Donnerstag der Aufsichtsrat tagt. Piëch selbst hat sich bis dato nicht öffentlich erklärt, ob er dem VW-Aufsichtsrat weiterhin angehören will. Es gilt aber in der Branche als sicher, dass er zumindest ordentliches Aufsichtsratsmitglied bleiben will. Winterkorn will dem Aufsichtsratspräsidium nächste Woche eine neue Konzernstruktur sowie personelle Änderungen präsentieren. Angeblich will er ähnlich wie Piech in seiner Zeit als VW-Chef eine stärker zentrale Führung bei Volkswagen einführen. Pischetsrieder hatte ein stärker dezentrales Management eingeführt.

AP/Reuters / AP / Reuters