Tank & Rast Investoren frühstücken Raststätten ab


Der britische Finanzinvestor Terra Firma hat hunderte Millionen Euro eingestrichen - indem das Unternehmen den deutschen Raststättenbetreiber Tank & Rast übernommen und dann Kredite aufgehalst hat. Ein Lehrbeispiel aus dem Gebaren der "Heuschrecken".

Der Finanzinvestor Terra Firma hat dem Raststätten-Betreiber gut eineinhalb Jahre nach dessen Kauf weitere Schulden aufgebürdet und sich damit eine Sonderausschüttung genehmigt. Dem Finanzinvestor flössen rund 400 Millionen Euro zu, sagte eine mit der Situation vertraute Person am Mittwoch zu Reuters.

Der doppelte Kaufpreis als Gewinn

Die "Financial Times Deutschland" (FTD) hatte berichtet, der britische Investor habe sich mit der Sonderausschüttung bereits das Eineinhalb- bis Zweifache des für den Erwerb eingesetzten Kapitals zurückgeholt. Der Finanzinvestor hält aber nach wie vor alle Anteile am Unternehmen. Weder das britische Unternehmen noch das ehemalige Bundesunternehmen Tank & Rast wollten sich dazu äußern.

Auf Basis der FTD-Angaben dürfte Terra Firma beim Einstieg weniger als 300 Millionen Euro Eigenkapital aufgewendet haben - ein in der Branche übliches Verhältnis. Bei 75 bis 80 Prozent der Investitionssumme dürfte es sich um Kredite gehandelt haben, die umgehend Tank & Rast aufgebürdet wurden. Dem Bericht zufolge erhöhen sich durch den Rekapitalisierungsschritt die Schulden des Raststätten-Betreibers um mehr als ein Drittel.

Bundesregierung will sich einschalten

Das Gebaren von Terra Firma erinnert an die Kapitalismus-Debatte vom Frühsommer 2005. SPD-Vizekanzler hatte damals audsländische Investoren, die sich in deutsche Firmen einkaufen, um den maximalen Gewinn aus ihnen herauszuziehen als "Heuschrecken" bezeichnet. Wohl auch vor dem Hintergrund dieser Debatte will sich der Tourismusbeauftragte der Bundesregierung, Ernst Hinsken, mit den Vorgängen um Tank & Rast befassen. Die Raststätten und Rastplätze seien Visitenkarten für den Tourismusstandort Deutschland, sagte der CSU-Politiker am Mittwoch in Berlin. "Ich will mich in einem Gespräch mit Tank & Rast über diese Fragen und Probleme unterhalten", kündigte er an. Weitergehende Pläne gebe es aber bislang nicht.

Rekapitalisierungen von Portfolio-Firmen werden häufig von Finanzinvestoren angewandt, sind aber nicht unumstritten. Sie bergen die Gefahr, dass ein Unternehmen unter der Schuldenlast in Schwierigkeiten gerät - vor allem, wenn sich überraschend die Geschäftsentwicklung verschlechtert. So hatte sich die Beteiligungsgesellschaft Carlyle beim Autozulieferer Edscha 2005 eine solche Sonderausschüttung genehmigt. Zusammen mit der schwachen Autokonjunktur führte dies dazu, dass das Unternehmen mit Problemen kämpft und nun Stellen in Deutschland streicht.

Raststätten sind ehemaliges Bundeseigentum

Die Briten hatten den Raststätten-Betreiber im November 2004 von einem Konsortium aus Apax, Allianz Capital Partners sowie Lufthansa übernommen. Finanzkreisen zufolge hatten sie damals rund 1,1 Milliarden Euro gezahlt und so den angekündigten Börsengang von Tank & Rast verhindert. Die frühere Eigentümer-Gruppe hatte das Unternehmen 1998 vom Bund übernommen.

tk mit Reuters

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