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Analyse

Hygieneskandal bei Tank & Rast: Was sich an deutschen Raststätten jetzt ändern muss

Der Bericht des "Team Wallraff" über hygienische Missstände bei Raststättenbetreiber Tank & Rast hat Fehler im System offenbart. Diese vier Dinge müssen sich jetzt ändern.

Tank & Rast

Raststättenbetreiber "Tank & Rast" steht unter Druck

Sieben Monate hatten zwei Journalistinnen des "Team Wallraff" undercover auf Raststätten von Tank & Rast recherchiert. Sie fanden unhaltbare hygienische Zustände, abgelaufene Speisen und weitere Missstände. Tank & Rast sprach in einer Stellungnahme von Einzelfällen und mahnte vier verantwortliche Pächter oder deren Verantwortliche ab.

Verkehrsminister Dobrindt fordert weitere Aufklärung, schließlich betreibt Tank & Rast seine bundesweit 390 Raststätten mit Konzession auf Grundstücken des Staates. Über die Verfehlung einzelner hinaus, sind einige Dinge grundsätzlich faul im System. Diese vier Probleme gilt es nun zu lösen.

1. Hygienestandards einhalten

Als erstes muss Tank & Rast die aufgedeckten hygienischen Mängel in den Griff bekommen. "Die Zustände waren zum Teil grenzwertig", sagt Gastronomieberater Rene Kaplick im Gespräch mit dem stern. Kaplick war für die RTL-Reportage als Testkunde auf mehreren Raststätten unterwegs, um die Qualität der Speisen zu prüfen. Dabei stieß er nicht nur auf überteuertes Essen aus der Konserve. In einigen Fällen wurden auch Grundregeln der Systemgastronomie missachtet. "Sehr oft fehlten Etiketten mit Verfallsdaten. Damit Standards eingehalten werden, müssen Produkte vernünftig gelabelt werden", sagt Kaplick.

Tank & Rast betont, das Unternehmen verfüge bereits über hohe Standards. Um Verbesserungspotenzial zu identifizieren, hat das Unternehmen nun Ulrich Nöhle, Professor am Institut für Lebensmittelchemie der TU Braunschweig, als Bevollmächtigten für Qualitätssicherung berufen. Nöhle soll alle Prüfberichte auswerten und bei Bedarf zusätzliche Prüfungen anordnen.

2. Mehr Rückhalt für "Tank & Rast"-Pächter

Tank & Rast betreibt die meisten Raststätten nicht selbst, sondern lässt Pächter auf eigene Rechnung für sich arbeiten. Die Pächter müssen jeden Monat etwa 25 Prozent ihres Umsatzes an den Konzern abdrücken. "Der Druck auf die Pächter und die einfachen Mitarbeiter ist enorm", sagt Gastro-Experte Kaplick. Das macht sich in der Qualität des Angebots bemerkbar. Zudem haben viele Pächter nur sehr kurz laufende Verträge, sodass sie gezwungen sind, auf das kurzfristige Überleben zu schauen, statt auf langfristigen Erfolg. "Wenn Pachtverträge zwölf Monate zum Jahresende kündbar sind, ist es auch kein Wunder, dass kein Pächter investieren will", sagt Kaplick. "Langfristige Verträge würden den Pächtern mehr Sicherheit geben."

Tank & Rast hat mittlerweile angekündigt, das Pächter-Konzept zu verändern. "Zukünftig wird das aktuelle System, in dem die Pächter als selbstständige Unternehmer agieren und ihre Betriebe in eigener Verantwortung führen, durch ein vollwertiges Franchisemodell ersetzt", heißt es in der Stellungnahme auf die "Team Wallraff"-Sendung. Das neue Konzept werde 2017 verbindlich und binde die Pächter noch stärker an den Mutterkonzern und dessen zentrale Qualitätsvorgaben. Ob sich die bestehenden Probleme dadurch lösen, bleibt abzuwarten.

3. Mehr statt weniger Wettbewerb

Tank & Rast übernahm im Zuge der Privatisierung 1998 die bis dahin vom Staat betriebenen Autobahn-Raststätten. Seitdem hat das Unternehmen ein Quasi-Monopol. Es betreibt 390 der rund 435 Autobahn-Raststätten. Für Wettbewerb sorgen vielerorts nur Autohöfe, die etwas abseits der Autobahn liegen und deutlich günstigere Preise haben als die Raststätten des Platzhirschen. Doch selbst diese Konkurrenz will Tank & Rast offenbar im Keim ersticken. Der Konzern kauft seit einiger Zeit Autohöfe auf und integriert sie über die Marke Rosi's ins eigene Imperium. Die Preise für Benzin und Speisen werden auf das Konzern-Niveau erhöht. Der Chef der Vereinigung Deutscher Autohöfe beklagte im Februar im "Manager-Magazin" diese weitere Monopolisierung und kündigte an, das Bundeskartellamt anzurufen.

4. Ein Ende des Heuschrecken-Denkens

Seit der Privatisierung in den Neunzigern ist Tank & Rast zum Wanderpokal der Finanz-Heuschrecken verkommen. Zunächst kam die Lufthansa mit den Finanzinvestoren Apax und Allianz Capital Partners zum Zug - 1,2 Milliarden DM flossen in die Staatskasse. 2004 übernahm die britische Private-Equity-Firma Terra Firm Capital Partners "Tank & Rast" für 1,1 Milliarden Euro. 2007 reichten die Briten 50 Prozent des Raststätten-Imperiums für 1,2 Milliarden Euro an einen Fonds der Deutschen Bank weiter. 2015 kaufte schließlich ein Konsortium von Allianz-Tochter Allianz Capital Partners, einer Tochter von Münchener Rück und Ergo-Versicherung sowie dem Staatsfonds von Abu Dhabi und einem kanadischen Pensionsfonds das Unternehmen für 3,5 Milliarden Euro.

Tank & Rast hat das ständige Wechselspiel ganz schön mitgenommen. Während die Investoren stets ihre Gewinne einstrichen, ließen sie das Unternehmen mit hohen Schulden zurück. 2014 lagen die Schulden laut "Manager-Magazin" bei 2,2 Milliarden Euro. Ein bisschen mehr Konstanz und unternehmerische Verantwortung würden Tank & Rast für die Zukunft gut tun.

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