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Nach Team-Wallraff-Reportage: Dobrindt kritisiert Tank & Rast - und bestreitet Verstrickung seiner Referentin

Die Enthüllungen des Team Wallraff bei Autobahn-Raststätten haben Verkehrsminister Drobindt auf den Plan gerufen. Er fordert von Tank & Rast eine Aufarbeitung des Hygiene-Skandals. Brisantes Detail: Seine persönliche Referentin arbeitete zuvor bei dem Unternehmen.

Tank und Rast

Das Team Wallraff beobachtete unter anderem, wie bei Tank & Rast abgelaufene Fleischwaren weiterverwendet werden

Verkehrsminister Alexander Dobrindt hat sich in den Skandal um die Raststellenkette "Tank & Rast" eingeschaltet. In einem Interview mit RTL forderte er das Unternehmen auf, noch in dieser Woche umfänglich Stellung zu den Vorwürfen zu nehmen. "Qualitätsmängel, wenn sie denn so stattfinden, sind nicht akzeptabel und müssen umgehend behoben werden", sagt Dobrindt.

In der RTL-Sendung hatte das Team Wallraff unter anderem grobe hygienische Missstände aufgedeckt. So war unter anderem vermeintlich frische Ware verkauft worden, die schon zu lange herumlag und das auch noch zu überhöhten Preisen.

Dobrindt sagte dazu: "Tank und Rast haben die Verantwortung. Sie haben die Konzession für eine Reihe von Raststätten. Und müssen dafür sorgen, dass das, was an Ware angeboten wird, auch qualitativ einwandfrei ist. Wir erwarten, wenn Missstände identifiziert worden sind, dass sie umgehend abgeschafft werden."

Tank & Rast hatte in einer Stellungnahme darauf verwiesen, es handle sich um Einzelfälle. Vier Pächter und Verantwortliche seien abgemahnt worden.

Vom Staatsbetrieb zum privaten Monopol

Das Unternehmen Tank & Rast übernahm im Zuge der Privatisierung 1998 die vorher bundeseigenen Raststätten und betreibt heute nahezu alle Raststätten an deutschen Autobahnen.

Kritiker monieren, das das Unternehmen nicht nur auf dem staatlichen Monopol von damals aufbaut, sondern immer noch übermäßig von Steuergeldern profitiert. so steckte der Bund laut RTL 2014 130 Millionen Euro in Bau und Erhalt der Raststätten, erhielt im Gegenzug aber nur schlappe 15 Millionen Euro an Konzessionsgebühr von Tank & Rast. Das Unternehmen baut lediglich die eigenen Gebäude und unmittelbaren Zufahrten sowie Parkplätze direkt am Gebäude. Die Grundstücke gehören weiterhin dem Bund.

"Keine Vernetzung" mit Tank und Rast

Eine personelle Verstrickung seines Ministeriums mit Tank & Rast stritt Dobrindt allerdings ab. RTL hatte berichtet, dass Dobrindts persönliche Referentin Nicole Schreiber zuvor für Tank & Rast in der Öffentlichkeitsarbeit tätig war. Es war schon der zweite Wechsel der Fronten: Vor diesem Engagement war sie schon Büroleiterin des damaligen CSU-Generalsekretärs Dobrindt.

"Es gibt keine Vernetzungen, so wie dies formuliert worden ist", sagte Dobrindt im RTL-Interview. "Es gibt in der Tat eine Mitarbeiterin bei mir, die anderthalb Jahre bei Tank und Rast gearbeitet hat. Die Tatsache, dass sie nach anderthalb Jahren wieder zu mir gewechselt ist, gibt ja schon ein bisschen den Hinweis, dass es keine intensive Beziehung zu Tank und Rast gewesen ist."

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